Die Renaissance der Wachstumskritiker

29.05.2012 | 11:46 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise boomen Wachstumskritiker, überzeugende Alternativen fehlen aber bislang. Und: Wachstum ist besser als sein Ruf.

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"Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut", lautet der Leitspruch von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Denn solange die Wirtschaft brummt und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stetig wächst, ist die Welt in Ordnung. So dachte man - zumindest bis zum Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise. Seitdem ist dieses Weltbild in Frage gestellt worden. Von Wachstumswahn ist die Rede. Die Wachstumskritiker sind zurück, wie der Boom von Büchern wie "Exit: Wohlstand ohne Wachstum" von Meinhard Miegel oder "Immer mehr ist nicht genug! Vom Wachstumswahl zum Bruttosozialglück" von Petra Pinzler zeigt.

Das Paradigma des grenzenlosen Wirtschaftswachstums scheint zu wanken. Und das ziemlich genau 40 Jahre, nachdem der "Club of Rome" erstmals die "Grenzen des Wachstums" erreicht sah. Die gleichnamige Studie kam damals zu dem Schluss, dass in einer endlichen Welt der Rohstoffverbrauch und die Erzeugung von Nahrungsmitteln nicht unendlich wachsen könnten. Bereits 1979 sollten die weltweiten Goldminen erschöpft sein, Silber dann 1983. Der baldige Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystems wurde nicht ausgeschlossen.

"Populäre Schauergeschichte"

Die folgenden Jahrzehnte entlarvten die Autoren allerdings als allzu pessimistische Untergangspropheten. "Der Spiegel" spricht sogar von einer der "populärsten Schauergeschichten aller Zeiten". Denn die Ressourcen sind heute zwar knapp und werden teurer, erschöpft sind sie aber noch lange nicht. Was Studien-Autor Dennis Meadows aber bis heute nicht daran hindert, seinem Motto treu zu bleiben. Das westliche Wirtschaftssystem werde demnächst kollabieren, erzählte er erst im Vorjahr der Enquetekommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" des Deutschen Bundestags. Im Zuge dessen lobte er laut "Spiegel" auch Singapur als Vorzeigemodell: "Eine Diktatur, aber dafür mit smarten Leuten an der Macht".

Nicht nur Meadows, auch der "Club of Rome" zeichnet bis heute ein düsteres Bild der Zukunft. In einem neuen Report, der bis ins Jahr 2052 blickt, ist für Optimismus kein Platz. Der Club misstraut weiterhin dem Markt als Entdeckungsverfahren, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt: "Sie wünschen planwirtschaftliche Vorgaben". Kapitalismus und Demokratie werden für ihre Kurzsichtigkeit gegeißelt.

"Die Truhen und Mägen sind voll"

Doch grundsätzlich hat sich der Ton geändert: Wachstumskritiker von heute verdammen Wachstum nicht mehr per se. "Die Truhen und Mägen der großen Mehrheit sind doch voll. Eine weitere Zunahme materiellen Wohlstands macht die meisten weder zufriedener, geschweige denn glücklicher. Ihre Glücksquellen haben sich längst in den immateriellen Bereich verlagert", schreibt etwa der Sozialwissenschaftler Miegel in der "Welt". Und: "Um Menschen zu beschäftigen, werden schon jetzt Güter auf den Markt geworfen, für die es keine wirkliche Nachfrage mehr gibt, deren Produktion, Nutzung und Entsorgung aber Schäden an Umwelt und Gesellschaft verursachen."

Was Wachstumskritiker heute eint, ist vor allem folgende Schlussfolgerung: Die größten Herausforderungen der Menschheit - Klimawandel, Massenarbeitslosigkeit und ausufernde Staatsverschuldung - lassen sich durch Wirtschaftswachstum nicht lösen. "Dies ist kein Plädoyer gegen wirtschaftliches Wachstum. Was wachsen kann, ohne dauerhafte Schäden an Umwelt, Natur und Gesellschaft zu verursachen, soll wachsen. Das aber ist weniger, als viele meinen", meint auch Miegel.

"Wachstum kein Allheilmittel"

Die meisten Ökonomen halten Forderungen nach einem Wachstumsverzicht jedenfalls weiterhin für gefährlich. Stillstand bedeutet Rückschritt. Ohne Wachstum werde die Arbeitslosigkeit zwangsläufig zunehmen. Ex-Weltbank-Manager Herman Daly will das aber nicht gelten lassen. Er ist der Überzeugung, dass auch nichtwachsende Volkswirtschaften stabil sein können. Er spricht sich daher laut "Handelsblatt" für einen "steady state" aus, in dem nur so viele Ressourcen verbraucht werden, wie auch nachwachsen können.

Seiner Ansicht nach bedeute steigende Produktivität nicht zwangsläufig, dass mehr produziert werden müsse. Stattdessen lasse sich auch die Arbeitszeit des einzelnen verkürzen oder die Arbeit auf mehr Köpfe verteilen. Er warnt jedenfalls davor, Wachstum als Allheilmittel für alle ökonomischen Krankheiten anzusehen.

"Wachstum ist besser als sein Ruf"

Wachstumsbefürworter sprechen daher auch offen davon, dass Wachstum kein Ziel an sich sein soll, sondern ein Mittel zu etwas. So formuliert es etwa die Chefin der deutschen Wachstumskommission. Und: "Wachstum hat etwas mit Innovationen zu tun", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den deutschen Ökonom Martin Hellwig vom Max-Planck-Institut. "Sollten wir verlangen, dass die Politik Wachstum behindert? Sollen wir Innovationen verbieten?"

Und ein anderer wesentlicher Punkt offenbart die Kurzsichtigkeit des Club of Rome. Mittlerweile sind es nicht mehr die Rohstoffe der Erde, die als Garant für Wachstum gelten, sondern Ideen. "Die Rohstoffe in der Welt sind begrenzt, aber ich bin überzeugt, dass wir Menschen noch viele Ideen haben", sagt Kolbe. FAZ-Autor Patrick Bernau kommt daher nach 40 Jahren Wachstumskritik zu folgendem Schluss: "Das Wachstum ist deutlich besser als sein Ruf.

Eine Million für "Wachstumsüberwinder"

Die Ideen der Wachstumskritiker weisen zudem noch viele Schönheitsfehler auf. Viele sind sehr "staatsgläubig", wie André Reichel von der Uni Stuttgart meint. Zudem bleiben die Skeptiker bei aller berechtigter Kritik bislang aber vor allem eines schuldig: Eine überzeugende Alternative.

Das zeigt sich auch gut an folgendem Beispiel: Der australische Unternehmer Dick Smith hatte 2011 demjenigen eine Million australische Dollar versprochen, der eine glaubhafte Alternative "zu unserer von Bevölkerungs- und Konsumwachstum besessenen Wirtschaft" bieten könne, schrieb "Spiegel Online". Innerhalb der von ihm gesetzten Frist bis Jahresende fand sich kein Geeigneter. Auf der Homepage steht zu lesen, dass der Preis so lange einbehalten wird, bis solch eine Person auftaucht. Des Lösung des Wachstumsrätsels dürfte also doch nicht so einfach sein.

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32 Kommentare
 
12
Gast: Meyer3
31.05.2012 10:51
3

Wachstum als Wille und Vorstellung

Unendliches Wachstum ist schon rein physikalisch nicht möglich. Das kann natürlich nicht heißen, dass Wachstum nicht da und dort möglich ist, aber es sollte grundsätzlich auch bedacht werden, dass nicht jedes „mehr“ und „größer“ automatisch gut und sinnvoll ist. Ein dynamisches Gleichgewicht bedeutet auch nicht Rückschritt und Stillstand sondern sucht zwischen menschlichen Bedürfnissen und verfügbaren Ressourcen die bestmögliche Übereinstimmung zu erzielen.

Was bedeutet Wachstum überhaupt?

Wie "Murray" weiter unten schon sehr gut ausführt, müsste überhaupt erst einmal definiert werden was man unter "Wachstum" versteht. Wenn man darunter nur ein BIP-Wachstum oder das Herstellen immer größerer Mengen versteht, so ist es tatsächlich meist verzichtbar. Ebenfalls verzichtbar ist Bevölkerungswachstum, doch leider wird gerade dieser Bereich von der Politik wie ein Fetisch behandelt und immer noch wachsende Bevölkerung fälschlich mit automatisch wachsendem Wohlstand gleichgestellt. Wenn dies so wäre, dann müssten Länder wie Somalia oder der Jemen die reichsten der Welt sein. Solange dieser wichtige Aspekt ausgeklammert wird, muss eine umfassende Analyse des Wachstums (ob jetzt Befürwortung oder Ablehnung) unvollständig bleiben.

Wer jedoch generell auf jegliches Wachstum verzichtet, der verzichtet auch auf Fortschritt, Wohlstand und Komfortzuwachs. So jemand ist im Grunde ein Menschenfeind.

Antworten Gast: Meyer3
31.05.2012 10:24
1

Re: Was bedeutet Wachstum überhaupt?

Auch Komfortwachstum macht keinen Sinn mehr wenn ein bestimmtes Niveau erreicht ist! Und ebenso hat Wohlstand Grenzen der Sinnhaftigkeit (z.B. 5 Autos, goldene Löffel sind weder notwendig noch sinnvoll)

Re: Was bedeutet Wachstum überhaupt?

Es hat sich eingebürgert, eine Zunahme des BIP - das ist die auf dem Markt ausgegebene Geldmenge - als Wirtschaftswachstum zu bezeichnen.

Das BIP ist also kein Maß für die produzierte Menge, kein Maß für den Ressourcenverbrauch und schon gar nicht ein Maß für die Wohlfahrt der Menschen, sondern einfach nur ein Maß dafür, wieviel Geld die Menschen für diesen besonderen Teilbereich ausgeben.

Trotzdem wird das BIP ständig für solche Vergleiche mißbraucht. Der Grund liegt wohl darin, dass das BIP (meistens) mit allen diesen Dingen korreliert und dass es trotz unzähliger Versuche noch nie gelungen ist, einen besseren Maßstab für die Wohlfahrt der Menschen zu finden, als das BIP.

Man muss dabei aber immer daran denken, dass es sich nur um eine Korrelation und nicht um einen zwingenden Zusammenhang handelt!

Gast: speibender regenbogen
30.05.2012 01:31
2

das problem liegt doch ganz klar auf der hand:

die derzeit regierenden "eliten" (ich würde sie eher als vollkoffer bezeichnen...) setzen wachstum mit dem wachstum des bip gleich. die einfachste methode in ihren augen ist es, die bevlkerung zu erhöhen. wenn das bip pro person gleich bleibt, auch wenn es von immer weniger leuten erwirtschaftet wird, dann steigt zwangsläufig das bip des landes. daß das nur schiefgehen kann (und in vielen teilen der welt auch schon schief geht), ist diesen verblendeten typen allerdings nicht klar.man sollte diesen besorgniserregenden begriff "wachstum" viel mehr durch "entwicklung" oder "prosoerität" ersetzen, und ihn vollkommen vom bip entkoppeln, nur dann hat diese menschheit eine zukunft.

Gast: Jubelperser
30.05.2012 00:02
0

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der Wirtschaftskammer?

Gast: worldmirror
29.05.2012 20:10
3

von diesem lebensfeindlichen wachstumswahnsinn profitiert schlußendlich immer nur eine kleine reiche global vernetzte geldelite; für die menschheit gibts nur kriege, hunger, armut und umweltzerstörung sowie sozialabbau(bsp.EU/euro) der heuschreckenkapitalismus und die hochfinanz-eliten werden daher diesen goldesel nicht aufgeben.


Die Lösung des Wachstumsrätsels (und zwar gratis)

Alle Wachstumskritiker gehen stillschweigend von einer Annahme aus: sie glauben, Wirtschaftswachstum bestehe darin, im nächsten Jahr dasselbe mit denselben Mitteln herzustellen wie im Jahr zuvor, lediglich mehr davon. Und das ist falsch. Würde Wirtschaftswachstum daraus bestehen, dann würden wir immer noch Faustkeile wie in der Altsteinzeit produzieren, aber halt eine beträchtliche Menge davon.
Es ändern sich die nachgefragten Produkte, es ändert sich ihr mengen- und wertmäßiges Verhältnis zueinander, es ändern sich die Produktionsmethoden und die eingesetzten Produktionsfaktoren. Genau diese Parameter müssen aber die Weltungergangsszenarien a la Malthus oder Club of Rome konstant halten, sonst ist die Simulation dahin.

Antworten Gast: Faustkeile!
30.05.2012 09:08
0

Re: Die Lösung des Wachstumsrätsels (und zwar gratis)

Welcher unermeßlicher Fortschritt wäre es, würden wir uns wieder mit Faustkeile die Köpfe einschlagen und nicht mehr mit Abknallmaschinen!

So gesehen wäre selbst die Steinzeit mehr als eine Fortschritt, damals gab's noch kein Christentum, und Co., ein weitere Vorteil für den Großteil der gesamten Menschheit!

Und nebenbei hätte die Steinzeit noch weitere Folgen, kein Tschernobyl, kein Fukoshima, keine überfischten Meere, etc....

Der Faustkeile war wohl das schlechteste Argument aller möglichen Argumenten!

Re: Re: Die Lösung des Wachstumsrätsels (und zwar gratis)

Aus Ihrem Posting spricht eine Steinzeit-Verklärung die jeglicher Grundlage entbehrt.

Das Erschlagen mit Faustkeilen ist sicher eine grausamere Tötungsmethode wie das Erschießen.

Wir hätten zwar kein Tschernobyl und kein Fukushima, dafür aber auch keinen Strom, keinen Komfort, keine Medizin, schlicht und ergreifend: einfach nichts. Es wäre ein Dahinvegetieren auf niedrigem Niveau, jede Infektion wäre tödlich. Wenn Sie sowas für wünschenswert halten, sollten Sie einmal selbst versuchen eine Woche in freier Wildnis zu überleben. Dann dürften Sie kuriert sein.

PS: Christentum gab es in der Steinzeit zwar keines, dafür aber andere heidnische Kulte die noch viel grausamer waren. Auch hier verklären Sie die Vergangenheit.

Antworten Antworten Antworten Gast: Faustkeil!
30.05.2012 11:12
0

Re: Re: Re: Die Lösung des Wachstumsrätsels (und zwar gratis)

1. Faustkeil: Es gab in der Steinzeit weniger Faustkeile, und auch weniger Opfer die dadurch getötet wurden als mit Abknallmaschinen!

2. Medizinische Leistung, ja in Europa gut, richtig, ein Blick über den Tellerrand nach Afrika und Co. zeigt, das dort derartiges kaum angekommen ist, btw.. wie bei AIDS und Co. zur Gewinnmaximierung herangezogen wird.

3. Heidnische Bräuche, ich denke nicht das die Grausamkeit und die Opfer jene Dimension angenommen hat, wie alleine das Mittelalter durch die Hexenverfolgung, einfache Begründung, die Menschheit würde es nicht mehr geben, und ein Blick auf heute über den Religiösen Mißbrauch, Beschneidung von Frauen, Steinigungen, alles im Namen von irgendwelchen Religion.

Alleine die Auflistung all jener Personen die seit 1500 gewaltsam getötet wurden ist mehr als davor an Menschen geboren wurde!

Re: Re: Re: Re: Die Lösung des Wachstumsrätsels (und zwar gratis)

1. Zum Mammut ausrotten haben die Faustkeile auch ausgereicht und das Abschlachten mit Faustkeilen ist sicher weit grausamer wie das Abschießen mit Gewehren.

2. Auch in Afrika ist die westliche Medizin angekommen. Das sieht man an der Bevölkerungsexplosion. Die Kindersterblichkeit ist deutlich zurückgegangen und die Lebenserwartung stark gestiegen.

3. Sie "denken also nicht", dass heidnische Bräuche so grausam waren. Nun, dann sehen Sie sich dochmal den Azteken-Kult an mit Herz herausschneiden bei lebendigem Leib. Nicht so grausam? Dass ich nicht lache.

Wie schon gesagt, sie verklären sich die Vergangenheit, mit der Realität hat das aber nichts zu tun.

Re: Die Lösung des Wachstumsrätsels (und zwar gratis)

Zu ergänzen wäre nur noch, dass man, um immer das Gleiche herzustellen, wegen "learning by doing" immer weniger Arbeitskräfte braucht, weshalb es dann mehr Arbeitslosigkeit geben muss.
Ohne Innovationen und immer neue Produkte kann es nie funktionieren!

Ob einzelne Ressourcen aufgebraucht werden oder nicht, ist dabei völlig egal. Die Menschen haben immer nur mit dem Wachstum erzeugt, was vorhanden war. Was nicht oder nicht mehr vorhanden war, hat noch nie das Wachstum behindert!

Arbeitslosigkeit als Übergangsphänomen

ist immer zeitlich begrenzt.

Dauer- und Massenarbeitslosigkeit sind die Folge politischer Entscheidungen.

Re: Die Lösung des Wachstumsrätsels (und zwar gratis)

sehr gut beschrieben!

aber jemand mit der einstellung "wie kann es unbegrenztes "wachstum" in einer begrenzten welt geben, wird es wahrscheinlich trotzdem nicht begreifen ;-)))

Gast: Reformgeist
29.05.2012 15:41
1

Wachstum ist wie Fettsucht.


Gast: LegendIn
29.05.2012 14:17
8

Der Vergleich macht sie sicher!

Jeder hat die Möglichkeit, sich von den Vor- und Nachteilen von Wachstum und Rezession zu überzeugen. Ein Blick nach Griechenland genügt!

Es sind die abgehobenen, staatlich mit Luxus versorgten Leutchen, welche immer wieder gegen das ihren eigenen Wohlstand sichernde Wachstum auftreten. Dabei wird gleich mal die ganze Marktwirtschaft für überholt erklärt.

Und dabei "übersehen" dass diese Marktwirtschaft weltweit Milliarden von Menschen aus der Armut befreit hat. Eine Tatsache, die die Planwirtschaft nie und nirgends imstande war (siehe China usw.)

Ein Tröpfchen Hausverstand ist für die Entwicklung der Menschheit mehr wert als hunderte abgehobene "Gesellschaftskritiker"!

Re: Der Vergleich macht sie sicher!

Wobei das Problem viel tiefer liegt: Der Mainstream mißt Wachstum an Hand des BIP. Das BIP gibt aber (hauptsächlich) Konsum an. Höheres Wachstum des BIP über mittlere Frist kann in Wirklichkeit bedeuten, dass die Wirtschaft schrumpft, weil Kapital aufgezehrt wird. Die größte BIP-Schrumpfung hingegen, die die USA zu verzeichnen hatte, gab es nach dem Zweiten Weltkrieg - weil eben keine Panzer, B-17-Bomber, keine Flugzeugträger und auch nicht mehr so viele Atombomben produziert wurden. Die Menschen wurden dadurch nicht ärmer.

Antworten Gast: Keine EU mehr!
29.05.2012 18:36
0

Griechenland ist ein Musterbeispiel dafür, wohin naiver & sturer Wachstumsglaube führt!


Antworten Gast: Erfolgsgeschichtenerzähler
29.05.2012 16:56
0

Griechenland ist DER Wachstumserfolg.

D A S Argument für die EU war doch immer, dass das Wachstum allen Wohlstand und Arbeitsplätze im eigenen Land bringen würde. Darum wurde es ja in Griechenland und anderswo mit so viel Geld gefördert und ist zu einem ausgewachsenen Problem geworden. Marktwirtschaft und Wachstum ist übrigens nicht das gleiche. Ertrink nicht in deinem Tröpfchen "Hausverstand"!

Gast: 1. Parteiloser
29.05.2012 14:14
4

Die traurige Realität zum nutzbaren Wachstum!

Das BIP besteht doch zu wesentlichen Teilen aus Kosten, besonders der staatlichen Dienstleistungen. Die Berechnung dieser Kennzahl ist so aufgeblasen, dass diese eine "Wirtschaftsleistung" in Ö von 80.000.- EUR pro Haushalt und Jahr suggeriert. Eine Leistung wie beim BIP dargestellt ist doch nicht ansatzweise vorhanden und schon gar nicht nützlich vorhanden.

Tatsächlich zeigen die realen Daten zur Produktion in der Eurozone ein ganz anderes, eher erschreckendes Bild.

Basis 2005 = 100%
2001: 96,3%
2002: 96,1%
2003: 96,4%
2004: 98,5%
2005: 100%
2006: 104,2%
2007: 108,3%
2008: 106,5%
2009: 90,8%
2010: 97,5%
2011: 100,5%

Es wurde also ein bereinigtes Wachstum in 10 Jahren von gerade einmal 4,3% geschaffen. Wenn man sich klar macht, dass 2011 noch eine Hochkonjunktur war, und das Bevölkerungswachstum von 5,6% noch auch berücksichtigt, dann ist auch sichtbar, dass es eben kein wirkliches Wachstum gab sondern eine Schrumpfung der Leistung pro Einwohner.

Die Daten zum Baugewerbe:
Basis 2005 = 100%
2001: 95,7%
2002: 96,4%
2003: 97,4%
2004: 97,6%
2005: 100%
2006: 103,4%
2007: 105,1%
2008: 99,7%
2009: 91,9%
2010: 84,5%
2011: 86,5%
Eine nominelle Schrumpfung von 9,6%, pro Einwohner gerechnet gleich eine Schrumpfung um satte 15,2%.

Die geschützten Bereiche, der Förder- und Frühpensionswahnsinn bringen eben keine Leistung.

Warum beschäftigt sich die Gesellschaft nicht mit den nützlichen Leistungen?

Re: Die traurige Realität

Zahlen ohne Quellenangabe sind wertlos.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
30.05.2012 14:24
2

Re: Re: Die traurige Realität

Lieber Toni,

Menschen mit hohen Fähigkeiten, und Interesse am Verifizieren der Daten, die hätten sich innerhalb einer kurzen Zeit die Daten selber besorgt und so die Wahrheit selber gelernt.

Menschen mit geringeren Fähigkeiten, die hätten sich die Daten in einer längeren Zeitspanne besorgt und wären dann auch korrekt informiert gewesen.

Menschen mit durchschnittlichen Fähigkeiten und einen Minimum an Umgangsformen, die hätten einfach nur nach der Datenquelle gefragt.

Menschen, welche sich die Realität selber bauen wollen und dafür kranke Ideologien heranziehen, die versuchen instinktiv die unpassende Daten zu diskreditieren.

Meine Datenquelle (es gibt auch noch andere Datenquellen dazu) die kannst Du unter folgenden Link finden.

http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/download/konindikat/ki05.xls

Meine Daten beruhen auf der Summierung der 12 Monate jedes Jahres und der Errechnung des Jahreswertes bei Verwendung durch des Durchschnittwertes aller 12 Monate, also dividiert durch 12.

Für mich haben die Daten einen Wert, weil diese die Realität, neben den kranken Parteienpropagandas, doch aufzeigen. Für Dich haben diese vielleicht deshalb keinen Wert, weil Du vielleicht von der Parteipropaganda schon manipuliert wurdest? Parteiorganisation wie AK, ÖAAB oder so was ähnliches?

Bussi

Antworten Gast: Bärenfalle...
29.05.2012 20:32
2

Re: Die traurige Realität zum nutzbaren Wachstum!

Wen wir uns nur mehr mit nützlichen Leistungen beschäftigen haben wir 5 Millionen Österreich zuviel.

Gerade daran ist ja die Planwirtschaft im Osten zerbröselt.

Als die Plattenbauten fertig waren, jeder halbwegs satt war und Strom und Radio / Fernsehen hatte taten sich aus vielerlei Gründen keine neuen Nischen für Produkte auf und dies nicht weil die Bevölkerung kein Geld gehabt hätte.

Im Endeffekt wurde dann mit viel zu viel Personal (bloß keine Arbeitslosen) alter Schrott in veralteten Fabriken produziert da jedweder Marktdruck fehlte, diese Ineffizienz schlug sich durch auf die Lieferketten, mangelhafte Versorgung mit Bedarfsmaterial führte zur Hortung und damit immer kleinerem Output an "Nützlichem"

Bedauerlicherweise versuchen wir gerade die Nachteile des Kommunismus mit den Nachteilen des Kapitalismus zu einem unausgegorenem Ganzen zu vereinigen.

Wir fördern mit Milliarden ineffiziente Betriebe und Strukturen, würgen mittels Steuern jene welche ihr "Plansoll übererfüllen" (die schwarze Null ... +) und beschäftigen halb Österreich mit sinnlosen Tätigkeiten (Kröten über die Strasse tragen, Feldhamster in Autobahnkreuzen zählen) man könnte auch die jährliche Kesselprüfung am Baumarktkompressor oder die Sicherheitsprüfung am Garagentor dazuzählen.

Schon mal gesehen wie in anderen Ländern Gehsteige gebaut werden ?

Und wie umständlich dies in Österreich so gehandhabt wird ?

Am Ende siegt der Markt über Ineffizienz.
Immer.


Gast: LustigerHegel
29.05.2012 13:38
1

Wieder einmal....

steht da nur die halbe Wahrheit.

1) Unser System muss wachsen um bestehen zu bleiben. Dies wird hauptsächlich getrieben durch den Zins und Zinseszins. Irgenwann (wie die Zinseszinsrechnung lehrt (Stichwort Josephspfennig) exponentiel.

2) Es gibt Modelle, aber unsere Politiker wollen nichts davon hören, weil nur mit FIAT-Geld (Schuldgeldsystem) auch die Wahlversprechen sich auf die Kosten der zukünftigen Generationen (hinter mir die Sinflut) 'finanzieren' lässt. Also es wäre eine Umstellung auf 'Warengeld' notwendig, also ein Geld dass sich nicht beliebig vermehren lässt. Ein Warengeldsystem zwingt übrigens auch zur 'Nachhaltigkeit'. Zu einem Warengeldsystem zählen Edelmetall (Gold/Silber/Platin/Palladium). Deswegen horten heute noch die Nationalbanken diese Jahrtausendalte 'Geldformen'. Nach einem Crash ist eine Währung wertlos, dann kann ein Staat nur mehr mit werthaltigem Zahlen.

3) Es gibt in der 'Natur' nur ein 'System' das unendlich (also exponentiell) wächst. Es nennt sich 'Krebs'. Am anfang merkt man nichts davon. Wenn man es endeckt ist es meist auch nicht schlimm, erst im Endstadium kommen die unerträglichen Schmerzen (An diesem Punkt ist unser System angelangt und meist ist eine Heilung in diesem Stadium nicht mehr möglich).

Deswegen auch diese Irrsinsrettungszahlen die von Monat zu Monat zunehmen. Gibt man den Krebs kein Futter, dann zerrt er stärker am Wirt.

Antworten Gast: iggitt
29.05.2012 14:47
2

zum 2876. mal, an alle wachstumsexperten und endzeitwisser:

zinseszins ist geometrisches wachstum und nicht exponentielles da die wachstumsrate konstant bleibt.

 
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