Wie die Rückkehr zur Drachme ablaufen könnte

21.05.2012 | 17:08 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

Ein Euro-Ausstieg würde "auf einen Schlag" passieren - wohl während eines Wochenendes. Euro-Banknoten würden gestempelt oder eingefärbt werden.

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Ein Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone gilt weithin als Katastrophe. "Zerbricht der Euro, dann zerbricht Europa", lautet die weit verbreitete Meinung, die auch von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel immer wieder propagiert wird. Doch der Blick in die Geschichte zeigt: Währungsunionen kommen und gehen, wie "Die Presse" bereits im Februar berichtete. Allein im 20. Jahrhundert sind 69 Währungen zusammengebrochen. Der Zerfall des Euro wäre zwar ein historisches, aber kein einzigartiges Phänomen. "Der Ausstieg aus einer Währungsunion ist überraschend simpel. Geschichtlich betrachtet hat der Wechsel von einer Währung in eine andere weder zu schweren wirtschaftlichen noch juristischen Problemen geführt. In fast allen Fällen gingen die Währungsreformen reibungslos vonstatten", schreiben die britischen Finanzanalysten von Variant Perceptions in ihrer Studie "A Primer on the Euro Breakup".

Die Rückkehr zur Drachme als Alternative zum Euro hätte für Griechenland einen entscheidenden Vorteil: Mit der Abwertung der nationalen Währung würde das Reiseland für Touristen an Attraktivität gewinnen und auch seine Waren würden im Export deutlich günstiger. Es wäre wieder wettbewerbsfähig.

"Wiedereinführung auf einen Schlag"

Aber einmal abgesehen von all den Vor- und Nachteilen eines Austritts: Was heißt das konkret? Wie würde eine Rückkehr zur Drachme in der Praxis ablaufen?

Die Wiedereinführung der Drachme müsse jedenfalls "auf einen Schlag passieren, während eines Wochenendes", sagt Pedro Videla, Professor an der IESE Business School in Madrid. Er rechnet übrigens "sehr bald" mit diesem Szenario. Und: "Die Banken müssen geschlossen werden, um Abhebungen zu verhindern." Auch Giuliano Noci von der Polytechnischen Universität Mailand sieht das so: "Drakonische Maßnahmen" wie die Sperrung aller Bankkonten seien notwendig, um eine massenhafte Kapitalflucht zu verhindern.

Der Weg aus dem Euro - in 13 Schritten

Jonathan Tepper, Autor der Variant-Perceptions-Studie, hat historische Währungszusammenbrüche (unter anderem jenen der österreichisch-ungarischen Monarchie 1919) untersucht und 13 Schritte zusammengefasst, wie ein geordneter und reibungsloser Austritt aus dem Euro erfolgen könnte:

1. An einem Samstag sollte das Parlament eine außerordentliche Sitzung einberufen und ein Gesetz mit den besonderen Details des Austritts beschließen. Alle Bestimmungen müssten über das Wochenende wirksam werden.

2. Die neue Währung sollte im Idealfall nach der Vor-Euro-Währung benannt und ein Umrechnungsfaktor festgelegt werden. Alle Schulden oder Einlagen der Staatsbürger im Ausland sollten nicht unter das neue Gesetz fallen.

3. Das Land bekommt eine unabhängige Zentralbank - wie vor der Euro-Einführung.

4. Kapitalverkehrskontrollen müssen über das Wochenende eingeführt, um einen Geldabfluss zu verhindern.

5. Die Regierung soll einen oder zwei öffentliche Bank-Feiertage ausrufen, um die Ausgabe neuer Banknoten vorzubereiten. Die Banken haben so auch mehr Zeit für Änderungen ihrer elektronischen Zahlungssysteme.

6. Alle Euro-Noten müssen durch Tinte oder Stempel eingefärbt bzw. gestempelt werden. Sie werden dann als Zahlungsmittel zugelassen, bis neue Geldscheine in ausreichender Menge gedruckt sind.

7. Gleichzeitig muss der Druck neuer Banknoten so schnell wie möglich beginnen, um sie gegen die behandelten Euro-Scheine auszutauschen.

8. Die neue Währung muss auf den Devisenmärkten frei gehandelt werden. Das würde zur Abwertung und Wiedergewinnung der verlorenen Wettbewerbsfähigkeit beitragen.

9. Konkursgerichte sollten mit mehr Personal ausgestattet werden, um Konkursverfahren zu beschleunigen.

10. Rasche Verhandlungen mit dem IWF und dem Pariser Club zur Restrukturierung der Staatsschulden.

11. Die EZB und die Zentralbanken weltweit müssen informiert werden, um unvermeidlichen Spannungen im Finanzsystem und am Interbanken-Markt entgegenzuwirken.

12. Mit der EZB müssen Verhandlungen darüber geführt werden, wie Vermögenswerte und Verbindlichkeiten bewertet bzw. aufgelöst werden können. Die beste Lösung ist wohl eine vollständige oder teilweise Reduktion der bestehenden Schulden.

13. Der Arbeitsmarkt muss reformiert und die Löhne an die Produktivität gekoppelt werden. Eine Inflation als Folge der Abwertung wird unumgänglich sein.

Zweifel am Umstempeln der Euro-Noten

Als ein positives Beispiel kann die Währungsreform nach dem Zusammenbruch der Tschechoslowakei 1992/93 dienen. "Die Kosten der Umstellung waren relativ gering und die Ordnung in beiden Währungsmärkten war rasch wieder hergestellt", sagte der tschechische Zentralbank-Chef Miroslav Singer in einer Rede 2011.

Ganz unproblematisch würde eine Währungsumstellung aber zweifellos nicht ablaufen. Dem Wifo-Ökonomen Thomas Url zufolge ist etwa ein Umstempeln oder Einfärben gar nicht so einfach machbar. Über Nacht könnten schließlich nicht alle Banknoten erfasst werden – etwa jene in den Ladenkassen oder unter den Kopfpolstern, wie er laut "Kurier" zu bedenken gibt. Euro mit und ohne Stempel - das hätte seiner Meinung nach zudem ein Chaos als Folge.

Drachme-Herstellung dauert Monate

Eine andere Frage ist: Woher sollen die Drachmen kommen, um die Nationalwährung wieder einzuführen? Die alten Geldscheine und Münzen sind längst vernichtet. Selbst wenn Griechenlands Münze nur noch Drachmen produzieren würde, würde dies "mehrere Monate dauern", sagt Federico Steinberg vom spanischen Institut Elcano. Drei Monate hat es etwa gebraucht, als die USA für den Irak neue Banknoten in London drucken ließen.

Der Analyst Davi Lea von Control Risk ist daher skeptisch. Ein Euro-Austritt sei zwar technisch machbar, "aber das gut durchzuführen, ist extrem schwierig. Dazu bedarf es einer Menge Planung und Zustimmung. Und angesichts der aktuellen Umstände gibt es dafür keine Chance." Anders sieht das die Tepper-Studie. Nach einer kurzen, schmerzvollen Phase würde rasch die Erholung einsetzen.

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30 Kommentare
 
12

Griechenland wird nicht zur Drachme zurückkehren

Die offizielle neue Währung wird die griechische Lefta (100 leftákia = 1 Lefta / 1 Lefta wird in etwa den Wert von 1,42 Euro haben). Inoffizielles und weiterhin gängiges Zahlungsmittel auf unilateraler Basis wird aber weiterhin der Euro bleiben, ähnlich wie in Montenegro.

Wie sieht das denn nun tatsächlich aus?

Ich meine folgendes:
Beispiel:
Heute kostet ein Ltr. Benzin ca. 1,50 €,

Würde der ltr. Benzin dann ca. 20,00 ATS kosten?

Wäre das ein Schock für die Autofahrer?

Gast: belogener bürger
03.09.2012 12:33
0

Unlogische Behauptung


Die EU umfasst doch auch Länder, die NICHT den EURO eingeführt haben, oder etwa nicht !!!


Gast: Wirtschaftler
28.05.2012 11:31
0

Punkt 9, zeigt den wahren Hintergrund:

Punkt 9. zeigt den wahren Grund auf:
Nachdem die Griechen durch verantwortungslose Bänker in den Ruin getrieben wurden, gibt es dann verstärkt Konkursgerichte, welche als Zulieferer einer bestimmten Glaubensrichtung die Vermögen wie früher billigst aufkaufen, die Griechen in die Versklavung treiben und dann weiter ihren weltweiten Expansionsgelüsten nachgehen.
Ein Interview in der Presse vor einiger Zeit hat dies mit ein paar harmlos aussagenden Sätzen sehr gut belegt:" Wir sind zufrieden, denn an der Spitze der Staaten stehen sehr gute Politiker, denen wir vertrauen ! Deshalb haben wir auch keine Sorgen. ....."

Gast: österarmer
23.05.2012 22:40
0

vielleicht....

....vielleicht zahlen wir es alle !!! über die länderkennzeichnung " Y = GREECE ", alle länder sind gekennzeichnet, und es gibt den griechischen anteil an EURO-banknoten ?
weiss wer mehr ?

Gast: Xiongerl
23.05.2012 17:29
1

Für die Basisbedürfnisse ist die Drachme besser

Tomaten, Oliven, Brot, Fisch, Miete... das alles wäre in Drachmen günstiger als jetzt mit Euro. Der normale Grieche könnte sich das Leben wieder leisten. Importware, Benzin und Verkehr, sowie Auslandsreisen wären unleistbar. Aber so war das für die Griechen vor gerade mal 20 Jahren bereits. Und eines ist sicher - die Griechen sind auf die Drachme vorbereitet. Die Matratzen sind mit Euros gestopft, nichts mehr auf der Bank ausser Sichteinlagen. Und dem Wirtschaftsraum EU? Dem geht Griechenland nicht ab, kommt nichts von dort ausser Olivenöl, und geht nichts hin ausser U-Boote.

Euro-Banknoten würden gestempelt oder eingefärbt werden

Deshalb liebe Leute lasst KEIN Geld auf einem Bankkonto liegen!

Das könnte auch in Österreich passieren.

Gast: Garst
23.05.2012 13:26
0

Wie wäre es mit MUSCHELN als neue Währung!

Aber bei der Überfischung des Mittelmeers werden die Griechen dann noch ärmer.

Gast: Nasowas
23.05.2012 00:52
0

Neue DRACHME

Weiß eigentlich DIE PRESSE nicht, daß die neue DRACHME schon längst gedruckt ist? Die damit befasste Druckerei steht in Gmund am Tegernsee in Oberbayern!

Gast: Beno
22.05.2012 21:45
0

PLeite???

Ist das dann ein Staatspleite oder nicht.
Es gibt zahlreiche Verträge der Banken untereinander, die dann wirksam werden. Ein Dominoeffekt startet mit unbekanntem Endergebnis.

Ein Dominoeffekt startet mit unbekanntem Endergebnis

Richtig. So gesehen ist der Unterschied zum Szenario, dieses Drama weiter aufzuführen eher gering. Im letzteren Fall kann man das Endergebnis wenigstens einigermaßen abschätzen.

Die Kernfrage ist also: Ohne die geringste Aussicht auf Besserung so weitermachen wie bisher?
So oder so: Es ist Ihr Geld.

So einfach funktioniert es nicht

Für die Einführung einer Währung wird normalerweise ein Zeitraum von rd. 2 Jahren (Entwurf, Platten, Druckmaschine, Vorbereitung der Verteilung usw.) veranschlagt damit dies auch möglichst reibungslos funktioniert. Nachdem die Griechen den Euro zwar behalten wollen, jedoch anderseits sich nicht an die Verträge halten wollen ist nicht anzunehmen, dass die Hellenen bereits entsprechende Vorbereitungen getroffen haben.

Wenn jetzt Merkel Druck auf die anderen Staaten ausüben will, dann müsste sie eine eigene Währung für Deutschland im Talon haben, denn so einfach kann man Griechenland nicht aus der Eurozone entfernen.

Gibt es bereits eine solche deutsche Währung und hat auch Österreich bereits vorgesorgt und hat man wieder einmal nur vergessen die Bevölkerung vorab zu informieren?

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/455425_Der-groesste-Betrug-bzw.-Selbstbetrug-in-der-Geschichte-der-2.-Republik.html

Antworten Gast: Hans im Glück
22.05.2012 22:14
1

Re: So einfach funktioniert es nicht

Eine Ersatzwährung ist bei jedem vorsichtigem Staat in der Schublade.

Seit Beginn der Schuldenkriese haben alle EUR-Staaten mit hochdruck ihre Ersatzwährungen hergestellt.

Alle warten nur auf den richtigen Zeitpunkt. Mai 2010 war fast so ein Zeitpunkt.

Gast: So wird's nicht gehen...
22.05.2012 17:49
1

Die Münzen vergessen...

Die größte Münze hat schon einen relativ hohen Wert, so das das durchaus der Faktor wird, der die meisten Probleme machen wird. Und die können weder eingefärbt noch abgestempelt werden.

Außerdem muß auf Jahre hinaus die Grenzen abgeschottet werden, um Kapitalflucht zu verhindern. Weiteres Problem, Touristen dürfen detto keine Euro Währung einführen, in der Umstellungsphase wird das beim Tourismus weitere Schäden nach sich ziehen, klar das man Touristen mit der harten Währung nicht mehr aus dem Land lassen wird.

Das Konzept so, geht damit sicher nicht. auch das Problem das durch die Inselstruktur die griechischen Grenzen alles andere als leicht zu überwachen ist, um die Ausfuhr zu verhindern.

Von allem abgesehen auch nicht vergessen, das der Euro sehr schnell eine Schattenwährung wird, mit neuen Problemen.

Dei Politiker sind verrückt!



Immer müssen sie Zwang ausüben.
Dabei könnte man ganz einfach die Drachme parallel zum Euro einführen und den ganzen Zahlungsverkehr auf Drachmen umstellen.

Klar würde jeder seine Ersparnisse in Euros halten. Aber das Gehalt würde er in Drachmen bekommen auch die Steuern wären in Drachmen zu bezahlen.


Gast: mfp
22.05.2012 17:38
2

Verdacht

könnte mir vorstellen, dass die Scheine längst im Unterdruck vorbereitet sind und nur noch der Textaufdruck fehlt ...

Gast: international_
22.05.2012 15:50
1

zweifel

dass das mit dem stempeln der euros wird aber nicht wirklich funktionieren. das geht sicher bei einer nationalen währung - aber nicht bei einer gemeinschaftswährung.

jeder grieche würde versuchen, sein bares unter dem kopfpolster aufzuheben und somit nicht abwerten zu lassen. er kann es ja jederzeit in anderen eu-staaten verwerten.

alternative: die ganze eurozone müsste blitzartig neue scheine einführen und die alten ohne due üblichen langen übergangsfristen für ungültig erklären.


Re: zweifel

"...er kann es ja jederzeit in anderen eu-staaten verwerten."

Nicht einmal das braucht er. Er muss nur einen Touristen mit seinen EUROS zur Bank schicken und in die neue Währung wechseln lassen.

Und was is wenn die Griechen nicht wollen?

Aufzwingen kann man ihnen die Rückkehr zur Drachme ja wohl nicht!

Re: Und was is wenn die Griechen nicht wollen?

Irrtum. wenn die EZB die refinanzierung einstellt muss automatisch eine neue Währung eingeführt werden. weil ganz ohne gehts ja wohl nicht.

Re: Re: Und was is wenn die Griechen nicht wollen?

So wie in Montenegro, die ebenfalls den EURO ganz offiziell als Währung haben, ohne eine Refinanzierung von der EZB zu erhalten, und kein EURO-Zonen Land sind!

genau

"Mit der Abwertung der nationalen Währung würde das Reiseland für Touristen an Attraktivität gewinnen und auch seine Waren würden im Export deutlich günstiger. Es wäre wieder wettbewerbsfähig"

... genau und die Schulden steigen mit dem Faktor der Abwertung!
Die Griechen müssen, über Qualität und Fleiß Geld verdienen.

Attraktiver und wettbewerbsfähiger könnte man mit dem Euro und Vergünstigungen genauso werden. Die Europakrise wird sich nicht über Geldpolitik lösen lassen. Es braucht eine Verwaltungsreform, sprich Verkürzung dieser, und es braucht wieder Führungskräfte keine Dampfplauderer und Peitschenknaller. Das gilt für Politik und Unternehmen. Europa hat eigentlich ein Charakterproblem ( inkl. Werte) und kein Währungsproblem, ich würde sagen, nicht mal ein Schuldenproblem. Und wenn ich mir manche Jungspunde in Unternehmen und Politik ansehe, kommts noch schlimmer!

Gast: man wundert sich
22.05.2012 14:10
9

Drakonische Maßnahmen wie die Sperrung aller Bankkonten seien notwendig, um eine massenhafte Kapitalflucht zu verhindern.

Hat der "Experte" die Meldungen über die bank runs verschlafen? Die Griechen HABEN ihre Konten längst geplündert!

"Alle Euro-Noten müssen durch Tinte oder Stempel eingefärbt bzw. gestempelt werden. Sie werden dann als Zahlungsmittel zugelassen, bis neue Geldscheine in ausreichender Menge gedruckt sind."

Die Bevölkerung wird ihre bereits behobenen Euro-Banknoten sicher nicht stempeln lassen.

WIR müssen raus aus dem Euro und der EUdSSR.

Wie die Rückkehr zur Drachme ablaufen könnte

hoffentlich schneller als wir schauen können !

Gast: Der Prinz
22.05.2012 12:37
4

Wenn Griechen ihr Geld ins Ausland verschaffen wollen, biete ich ihnen mein Konto an. Sie bekommen`s auch ganz sicher zurück.

So wahr ich ein Prinz aus Nigeria bin...

Re: Wenn Griechen ihr Geld ins Ausland verschaffen wollen, biete ich ihnen mein Konto an. Sie bekommen`s auch ganz sicher zurück.

dem Prinz aus Nigeria würde ich auch mehr trauen als jeden ATler. Die können sich dann wieder an nix erinnern.

 
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