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Gaddafi-Fonds kauft sich in Österreich ein

14.09.2009 | 19:08 |  VON CHRISTIAN HÖLLER UND JAKOB ZIRM (Die Presse)

Gaddafi auf Einkaufstour in Europa: Der libysche Staatsfonds LIA wird demnächst zehn Prozent am heimischen Ziegelkonzern Wienerberger erwerben. Laut Experten hat Libyen auch noch weitere Investitionen im Auge.

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Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi ist wieder einmal auf Einkaufstour in Europa. Allerdings geht es dabei nicht um exklusive Markenartikel aus Paris oder um italienische Sportwagen, sondern um Unternehmen. Das aktuellste Objekt der Begierde befindet sich in Österreich – in Form des Ziegelkonzerns Wienerberger.

Wienerberger kündigte am Montag an, noch im September eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Und sobald diese abgeschlossen ist, dürfte der libysche Staatsfonds „Libyan Investment Authority“ (LIA) mit zehn Prozent der größte Einzelaktionär des weltweit größten Herstellers von Ziegeln sein. Der nordafrikanische Staat lässt sich das rund 118 Millionen Euro kosten.

„LIA hat zugesagt, mit bis zu zehn Prozent einzusteigen, wenn sie dafür genügend Bezugsrechte bekommen“, sagt Wienerberger-Chef Heimo Scheuch. Die Bezugsrechte für die neuen Aktien gehen zuerst an die Altaktionäre. Diese können die Rechte entweder ausüben oder verkaufen. Wer so ein Bezugsrecht hat, darf eine Wienerberger-Aktie um zehn Euro kaufen – knapp 30 Prozent unter dem gegenwärtigen Kursniveau. „Wichtig ist aber, dass die Kapitalerhöhung für alle offen ist“, so Scheuch.

Laut Börsenexperten ist anzunehmen, dass sich genügend Altaktionäre von ihren Bezugsrechten trennen, damit LIA die gewünschten zehn Prozent an Wienerberger erwerben kann.

Das wäre nicht der erste Zukauf des nordafrikanischen Staatsfonds in Europa. Seit dem Ende der Sanktionen ist der Staat äußerst bemüht, seine Petrodollars zu investieren. Derzeit verwaltet der Fonds ein Vermögen von 44,7 Milliarden Euro. Laut LIA-Chef Mohammed Layas sei man vor allem an Joint Ventures mit ausländischen Firmen interessiert, um einen Technologietransfer nach Libyen zu schaffen.

In Europa haben die Vertreter von Gaddafi vor allem in Italien zugeschlagen. Im Frühjahr halfen sie UniCredit-Chef Alessandro Profumo aus der Patsche. Zur Bewältigung der Finanzkrise brauchte die Bank-Austria-Mutter UniCredit drei Milliarden Euro. Zahlreiche Großaktionäre weigerten sich, frisches Geld zur Verfügung zu stellen. Als Retter in der Not sprang der Staatsfonds aus Tripolis ein. Dieser stockte im Zuge einer Kapitalerhöhung den Anteil an der Mailänder Großbank auf sechs Prozent auf. Mit zwei Prozent sind sie an Fiat, mit 7,5 Prozent am Fußballklub Juventus Turin beteiligt. Im Sommer gründete der Fonds ein Joint Venture mit dem italienischen Rüstungs- und Raumfahrtkonzern Finmeccanica. Interesse wird der Gesellschaft auch am Energieversorger Eni und der Telecom Italia nachgesagt.

 

Weitere Käufe in Österreich?

Hierzulande dürfte der Einstieg bei Wienerberger ebenfalls nicht das Ende der Fahnenstange sein, meint David Bachmann, Österreichs Handelsdelegierter in Tripolis. Er geht davon aus, dass sich die Libyer in Österreich nach weiteren Investments umsehen werden. Denn der Vizechef des Fonds, Mustafa Zarti, hat lange Zeit in Wien gelebt und für Libyen bei der Opec gearbeitet.

„Zarti ist ein Österreich-Liebhaber. Er kennt Österreich sehr gut“, so Bachmann im „Presse“-Gespräch. „Libyen ist das reichste Land Afrikas. Die Wirtschaftskrise hat man ohne gröbere Auswirkungen überstanden, nicht zuletzt, da das libysche Banken- und Finanzsystem international kaum vernetzt war“, so Bachmann.

Für Libyen ist es zudem ein günstiger Zeitpunkt, um zu kaufen. Inklusive Bezugsrechte werden sie für eine Wienerberger-Aktie rund 14 Euro zahlen müssen. Vor rund zwei Jahren war ein Papier noch rund 50 Euro wert. Warum Wienerberger die Kapitalerhöhung im Ausmaß von 335,8 Millionen Euro trotzdem macht? Es ist eine Art finanzieller Befreiungsschlag. „Damit sind wir nicht mehr von den Banken abhängig“, so Scheuch.

Verpflichtungen gehe man gegenüber Libyen keine ein. Innerhalb der nächsten zwei Jahre darf LIA auch nicht mehr als 15 Prozent an Wienerberger halten. Und wie sieht es mit der politischen Komponente aus? Gaddafi forderte ja erst vor Kurzem, dass die Schweiz aufgelöst werden sollte. „Es ist nicht meine Obliegenheit, das zu beurteilen. Mein Job ist, für die Zukunft von Wienerberger zu sorgen“, so Scheuch.

(c) Die Presse / HR

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2009)

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24 Kommentare
Gast: Avi
17.09.2009 20:10
0 0

Bezugsrechtepreis

Für Aktieninhaber bedeutet diese Kapitalerhöhung, dass ihre Aktie um den Bezugsrechtepreis, der ihrem Depot zugeschreiben wird, fällt. In Summe ein Nullsummenspiel, rein rechnersich.
Der Aktieninhaber zahlt also schon einmal den Bezugspreis für die neuen Aktien mit einem Teil seiner alten Aktien.

Gast: osborne cox
15.09.2009 19:26
0 0

ein schelm der ...

wenn jetzt beim umbau der kaserne güssing zum vorzeigeobjekt vor der landtagswahl im burgenland vermehrt wienerberger-ziegel verwendung finden sollte man dem militärkommando tirol die militär-musik belassen und gleichzeitig die anti-korruptions-staatsanwaltschaft einschalten ;-)

Antworten Gast: mysterium
20.09.2010 22:00
0 0

Re: ein schelm der ...

Der Darabos hat ja dem Gaddhafi zum 50. Revolutionstag mit der ö Militärmusik in Tripolis ein Ständchen gespielt. Dafür durfte das Bundesheer nicht mehr am Volksabstimmungstag den 10. Oktober in Kärnten teilnehmen.

Das nennt man Prioritätensetzung oder Ausverkauf von Österreich an Terroristen samt Paten.

Gast: Konrad
15.09.2009 14:16
0 0

Noch mehr steht uns bevor

Man kann zu dem Geschaeft stehen wie man will. Die Aufregung, dass hier ein auslaendischer Interessent sein Geld in Oesterreich investiert, kann ich nicht recht verstehen. Warum hat nicht eine oesterreichische Bank, ein Frank Stronach, ein Herr Wlaschek oder der OEGB geboten und sich um den Zuschlag bemueht ? Ja warum wohl nicht ? Weil hier nicht zum ersten Mal demonstriert wird, dass es mit dem einstigen Glanz und Gloria endgueltig vorbei ist. Die Staatskasse ist leer, die heimischen Investoren haben die Sorge sich ueber Wasser zu halten. Was wir aber getan haben ist ueber die Jahrzehnte Milliarden ueber Milliarden in die Oelstaaten zu transferieren statt uns spaetestens seit der ersten Oelkrise in 1972 von den Abhaengigkeiten zu loesen. Stattdessen haben wir uns von diversen Gruppen in eine Energiepolitik treiben lassen, bei der der Einkauf von schmutziger Energie aus dem Ausland die geringsten Widerstaende bei den diversen Lobbygruppen verursachte. Atom, Wasser, Kohle - all das wollen wir ja nicht und fuer die alternativen Energien will keiner zahlen. Und aus Mittelost/Nordafrika wird nun quasi mit unserem Geld die Industriekapazitaet, die wir noch haben peu a peu aufgekauft. Heute Wienerberger, morgen Magna, uebermorgen Voest, dann Andritz etc und irgendwann wird dann die Geschaeftspolitik nicht mehr in Wien oder Graz gemacht sondern in Qatar, Tripoli, Riyadh oder Moskau. Wir sollten uns deshalb besser darauf einstellen, dass dies nicht der letzte deal seiner Art war

0 0

Und die Musi spielt dazu...


Hat der (Selbst)Verteidigungsminister Darabos die österreichische Militärmusik zu Freund Gadafis Geburtstag fliegen lassen um diesen Deal gebührend zu feiern?

Hat die Paddei auch was für die Kaffeekasse erhalten?

0 0

denen gehoert schon halb oesterreich!!!

verstehe nicht die "aufregung" hier... ;-)

Gast: Häuslbauer
15.09.2009 03:10
0 0

Gaddafi-Ziegel

Nun weiß ich, womit ich mein Haus NICHT bauen werde.

Gast: pepi
15.09.2009 01:07
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verwechselt er Ziegeln mit Ziegen ????? Nicht dass durch diese Verwechslung ein Weltkrieg entsteht ????

Er ist zwar ein Irrer aber ein Irrer mit viel viel Geld und mit viel viel Macht - Es wäre interessant ob Osama Bin Laden zu Lebzeiten auch ein Paket Aktien eines Ziegelladens gekauft hätte ?
Verwechselt der Gaddafi den Ziegelladen nicht mit einen Ziegenladen ? Nicht dass er dann wieder ein paar Selbstmördern einen Freiflug schenkt und das Ganze nur weil er österreichische Ziegeln mit Ziegen verwechselt hat - man weis ja nie bei Wasserpfeifenrauchende was denen in den Sinn kommt - der hat sicher Ziegelaktien mit Ziegenaktien verwechselt ??

cerumen
14.09.2009 23:24
0 4

Ähnlichkeiten

Schüssels Biographie liest sich wie die Heldenbiographie von Oberst Gaddafi. Vielleicht sollte man den Schüssel zum König von Europa ausrufen. Aber wir wissen ja alle, der Wolfi wollte ja nie an die Macht - wie selbstlos von ihm ...

hw
14.09.2009 22:43
0 0

diplomatie

"..Großaktionäre weigerten sich.." sehr schön umschrieben, wenn man bedenkt wer dann gerufen werden mußte.

0 2

Die ÖVP ist schuld,

dass Gaddafi-Fonds in Österreich sich einkauft!

Antworten Gast: Soeinstuss!
09.08.2010 12:08
0 0

Re: Die ÖVP ist schuld,

wie weiland Bruno Kreisky in Lybien angesehen wurde, wie Alexander der Große!
Er hat die Lybienachse eingefädelt.
Mischi_Masch_Austria sieht das wieder
durch die Rosarote Brille.
Musstu hinfahren, dasstu weißt wo ist Lybia.
Lybien wird sich halb EU kaufen, denn dort in der Sahara hat das Öilgeschäft erst angefangen, bei 90% erbohrten, aber versiegelten Löchern, wo manche arthesisch sprudeln.
Das ÖMV-Projekt betrifft nur die bereits von den Engländern ausgebeuteten Quellen, wellche mit moderner Technik noch einige% hergeben.
Unsere Playboys mit ihren glänzenden
Schmuckstücken tragen natürlich zum Erdölboom Lybiens bei und jedes zusätzliche PS lässt Ghadaffi jubeln.

Antworten Gast: Bravo
15.09.2009 10:59
0 0

Re: Die ÖVP ist schuld,

Blödsinn!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Bis jetzt war immer die FPÖ schuld. also ist sie auch diesmal schuld. Alles klar?

Antworten Fritz
14.09.2009 22:41
1 1

Re: Die ÖVP ist schuld,

Selten so einen Blödsinn gelesen.
Sagen Sie mir, wie die ÖVP verhindern könnte, dass irgend jemand an der Börse Aktien kauft!

Antworten Antworten hw
14.09.2009 22:59
3 0

Re: Re: Die ÖVP ist schuld,

tun sie ihn in den filter ;-)

Gast: bingobongo
14.09.2009 21:30
2 0

Eindeutig,

der Kerl ist ganz einfach geisteskrank.

Max B.
14.09.2009 20:58
0 0

„Es ist nicht meine Obliegenheit, das zu beurteilen. Mein Job ist, für die Zukunft von Wienerberger zu sorgen“

naja. wenn so eine erscheinung (siehe foto) aufgrund privater differenzen allen ernstes bei der UNO die aufteilung der schweiz an die nachbarländer beantragt, sollte das bei bedeutenden business-entscheidungen schon berücksichtigt werden. womöglich kann ein einziges falsches wort zur katastrophe führen...

Gast: hilde
14.09.2009 20:41
0 1

Gadaffi wir wollen Dich als neuen LH von OÖ

Endlich ein LH mit Format. Ich wünschte er würde sich für das Amt bewerben!

Antworten mamba13
15.09.2009 10:57
0 0

Re: Gadaffi wir wollen Dich als neuen LH von OÖ

@ Hilde

ja, Hildchen, dann hättest Du sofort Kopftuchpflicht und die Pappm zu halten, wenn man die Einstellung Muammar al-Gaddafis zu den Frauen kennt.

Zum Thema:
Wenn Wienerbergers Aktionäre verkaufen (und das tun sie!) sehe ich den Grund im Globalisierungswahnsinn der EU!
Jeder kann sich einkaufen in Österreich und wenn er es durch einen "Strohmann" machen lässt!

Die Börsenaufsicht muss hier schnellstens einschreiten, doch sie wird es nicht tun, dazu hat Gaddafi zuviel Macht und Geld!

Salve
mamba13

Gast: ASVG-Sklave
14.09.2009 19:55
1 0

D I E Wienerberger ?

Noch vor wenigen Jahren lobhudelte die österreichische Presse das Paradeunternehmen Wienerberger und dessen grandioses Management. Dürfte nicht viel dahinter gesteckt sein.

Re: D I E Wienerberger ?/ASVG-Sklave

War doch! Allerdings war damals auch noch ein DDr. Erhard Schaschl am "Wienerberger"-Ruder.

Gast: Rommel
14.09.2009 19:47
2 0

Warum kauft er nicht in der Schweiz ein?

Glaube nicht, daß sein Geld gut riecht.

Gast: soned
14.09.2009 19:43
2 0

Wer mit SO EINEM Geschäfte macht, gehört enteignet.

Keinen Millimeter an diesen Irren!

Antworten hw
14.09.2009 22:52
0 0

Re: Wer mit SO EINEM Geschäfte macht, gehört enteignet.

sie können ja kaufen. tun sie es oder reden sie nur?
i glaube sie verstehen nicht ganz was in der welt abläuft. logisch in einen staat, wo wo man auf kosten anderer bestens umsorgt ist, versteht man die härte der welt nicht mehr. das kann ich verstehen. nicht das ich diese härte befürworte, aber sie ist nun mal da.

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