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Wenn sich Spekulanten verspekulieren

26.06.2012 | 18:21 |  von Alexander Weber (Die Presse)

Selbst während der Finanzkrise fanden Hedgefonds Wege, um noch ordentlich Geld zu verdienen. Mit der Schuldenkrise können sie jedoch wenig anfangen.

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Wer sein Geld in einen Hedgefonds steckt, erwartet Gewinne – egal ob die Aktien gerade steigen oder fallen. Mit Leerverkäufen, Hebeln und Termingeschäften stehen den Fonds schließlich alle Möglichkeiten offen. Dafür gelten sie als skrupellose Investoren, die auf der Jagd nach Profiten verbrannte Erde hinterlassen. Auch haftet ihnen der Ruf an, die Schuldenkrise zu verschärfen, indem sie gegen einzelne Länder oder gleich gegen den ganzen Euro „wetten“.

In letzter Zeit haben Hedgefonds jedoch eindrucksvoll bewiesen, dass sie nicht unfehlbar sind. Ganz im Gegenteil: Noch in der vergangenen Woche haben sie ihre Spekulation auf steigende Rohstoffpreise massiv ausgeweitet. Ihre Hoffnung bestand darin, dass die Notenbanken dieser Welt, allen voran die amerikanische Fed, mit Gelddruckprogrammen für Entspannung an der Konjunkturfront sorgen werden.

Die Währungshüter spielten jedoch nicht mit: Fed-Chef Ben Bernanke erteilte einem neuen Programm zum Kauf von Staatsanleihen vergangenen Mittwoch eine (vorläufige) Absage. Das und einige andere schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt reichten, um die Rohstoffnotierungen auf Talfahrt zu schicken. Allein in den vergangenen sieben Tagen hat der „GSCI-Index“ von Standard & Poor's um drei Prozent nachgegeben. Von seinem Jahreshoch im Februar ist er jetzt mehr als 20 Prozent entfernt, womit alle Formalien für einen sogenannten „Bärenmarkt“ erfüllt sind. Dass sich die Rohstoffpreise schnell wieder erholen, darf also bezweifelt werden.

 

Politik „nicht vorherzusagen“

Überhaupt scheinen die Hedgefonds mit der gegenwärtigen Lage wenig anfangen zu können. Schon im Mai verloren sie im Schnitt drei Prozent, wie Daten von Bloomberg zeigen. Im vergangenen Jahr war es die klassische Aktienstrategie, die besonders schlecht abschnitt. Mit ihr verloren Anleger laut Hedge Fund Research im Schnitt 8,4 Prozent, obwohl sie dank möglicher Leerverkäufe auch bei fallenden Kursen Gewinne verspricht.

Bei ihrem jährlichen Treffen in Monaco („Gaim International“) diskutierte die Branche vergangene Woche daher vor allem, wie sie mit der Schuldenkrise umgehen sollte. „Es gibt sicherlich günstige Bewertungen“, sagte dort Ian Prideaux vom britischen Fondsanbieter Grosvenor Estates. „Aber es gibt viel politisches Risiko, das schwer – wenn nicht unmöglich – vorherzusagen ist.“

Weil die meisten Fonds in London oder den USA sitzen, nehmen sie bei Investments in der Eurozone ein Währungsrisiko auf sich. Auch das bereitet ihnen Kopfzerbrechen, denn wegen dem Schlingerkurs der europäischen Staatschefs kann sich kaum einer ein Bild davon machen, wie es mit der Gemeinschaftswährung weitergeht. So lange sich daran nichts ändert, werden die Hedgefonds wohl einen Bogen um Europa machen – so der Tenor in Monaco.

 

Wirbelsturm statt Eurokrise

In den Fokus rücken daher Anlagestrategien, die mit dem gegenwärtigen Umfeld so wenig wie möglich zu tun haben. Ein Investor erzählte, wie er mit dem Handel von Elektrizität zweistellige Erträge erzielt habe. Eine weitere exotische Strategie besteht darin, gegen chinesische Unternehmen zu spekulieren, die gerade mit Korruptionsskandalen kämpfen.

Auch „Katastrophenanleihen“ erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Dabei übernimmt der Investor die Rolle einer Versicherung und kauft eine Anleihe, die regelmäßige Zinsen abwirft. Ob er das eingesetzte Kapital wiedersieht, hängt davon ab, ob eine bestimmte Naturkatastrophe, etwa ein Tornado oder ein Tsunami, eintritt oder nicht. Der größte Vorteil dieser Anlageklasse: Mit Krisengipfeln und Konjunkturdaten hat sie nicht das Geringste zu tun.

Nur wenige lassen sich von der verworrenen Lage auf dem alten Kontinent nicht abschrecken. Zu ihnen gehört George Elliott, Gründer des Hedgefonds Naftilia Asset Management. Der Investmentbanker, der zuvor bei der Société Générale gearbeitet hat, will ausgerechnet mit griechischen Aktien Geld verdienen. 18 Monate habe er damit verbracht, Bilanzen zu studieren und Kontakte zu knüpfen.

„Wenn Griechenland im Euro bleibt, werden sich unserer Ansicht nach unglaubliche Investment-Gelegenheiten bieten“, ist Elliott überzeugt. Und wenn das Land zur Drachme zurückkehrt, könne er die Aktien an der Athener Börse noch günstiger kaufen. Angeblich hat sein Fonds bereits 50 Mio. Euro eingesammelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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14 Kommentare

Daß Herr Weber gar nicht so weit danebenliegt, zeigt die arrogante Präpotenz der hier posternden Banker!

Ein Währungssystem kann nicht mehr gesund sein, in dem mehr als 90% des gesamten Umlaufes nicht mehr der Realwirtschaft dient, sondern der reinen Finanzspekulation!

Denken Sie einmal darüber nur kurz nach, meine Herren Banker !!

Man sollte Ihnen wirklich das Geld wegnehmen, bzw. in Spieljetons umtauschen, mit denen Sie Ihre Spielchen treiben können. Den Wert der Jetons lassen wir dann gegen das reale Geld frei floaten.......

Gast: dreamerinvienna
27.06.2012 11:41
3 0

brauchen wir diese firmen

wer bitte braucht hedgefonds?
sie verursachen krisen
sie verstärken krisen
sie verteuern unser leben
sie spekulieren mit unserer zukunft

hier ist vermögen geparkt, dass man versteuern kann....

2 6

Das Casino dreht sich weiter

Die Planwirtschaft (Politiker, Zentralbänker), bestimmt heute weltweit die Märkte.

Gibt es neues Geld, geht ALLES nach oben (Inflation), gibt es kein neues Geld, geht ALLES nach unten (Deflationsangst).

Aber jedem Gewinner an den Finanzmärkten steht in der Regel ein Verlierer gegenüber.
Die Märkte können sowohl rauf wie auch runter laufen.
Immer wenn sie so laufen, wie es einem Politiker nicht in den Kram passt, sind die "Spekulanten" schuld ??

Eigentlich relativ simpel, oder?


Re: Das Casino dreht sich weiter

das Geld in verschiedenen Assetklassen aufteilen und dann "Buy Low / Sell High"

funktioniert tatsächlich sehr gut, dank des von Ihnen beschriebenen Inflations/Deflations Wechselspieles

0 0

Kann ja vorkommen


6 6

Re.: "Auch haftet ihnen der Ruf an, die Schuldenkrise zu verschärfen, indem sie gegen einzelne Länder oder gleich gegen den ganzen Euro „wetten“."


Ach?! Und die pöhsen Jungs sind deshalb so erfolgreich, weil sie ihre Wetten ganz ohne Gegenparteien abschließen könne, die von der exakt gegenteiligen Entwicklung überzeugt sind.

Ist es das, was die "Presse" uns mit diesem Propagandaartikel verklickern will?

Auch wäre der "Presse" gut zu Gesicht gestanden, sich über die monetäre Potenz von Hedgefonds schlau zu machen. Verglichen mit Banken, Versicherungen und Staatsfonds sind Hedgefonds sprichwörtliche Fliegenkleckse. Aber Hauptsache, man dichtet ihnen "verbrannte Erde" an, als könnte ein Kinderfahrrad im Amazonas einen Flurschaden anrichten.

Das einzige wirklich Gefährliche an privaten Hedgefonds ist ihre Neigung, mit spitzen Bleistiften zu rechnen und die Dinge zu betrachten wie sie wirklich sind. Damit liegen sie nämlich öfters richtig als daneben und sind daher oftmals Vorbild und Wachrüttler für die verschnarchten Dickschiffe der Branche.

Wer die Wahrheit spricht, braucht ein rasches Pferd. Nichts anderes verbirgt sich hinter dem perpetuieren Hääädschfoo-Bashing.

Re: Re.: "Auch haftet ihnen der Ruf an, die Schuldenkrise zu verschärfen, indem sie gegen einzelne Länder oder gleich gegen den ganzen Euro „wetten“."

"Das einzige wirklich Gefährliche an privaten Hedgefonds ist ihre Neigung,"
auf kosten der leute zu leben, die werte schaffen!

5 3

Re: Re.: "Auch haftet ihnen der Ruf an, die Schuldenkrise zu verschärfen, indem sie gegen einzelne Länder oder gleich gegen den ganzen Euro „wetten“."

die Wirtschaftswissen in AT ist allg. nicht sehr hoch.
einfach die Info wo anders herholen.

gefährlich ist allerdings, dass so via Medien falsch und fehlmeinungen verbreitet werden. aber auch egal, ausbaden tuns eh die schlecht "informierten".

Mir kommen die Tränen!


Gast: EFF EFF
26.06.2012 22:08
0 7

Die sichere Spekulation ist für PC-Gamer langweilig.

Gegen den Euro spekulieren Kapitalisten der subventionierten Staaten. Sonst würden sie ihr Giralgeldvermögen nicht zu Negativzinsen in der Schweiz bunkern sondern zu Hause unter der Matratze.
Bei einem Austritts Griechenlands sind für im Ausland gebunkerte Euros Gewinne bis zu 80% drin.
Auch die deutschen Banken bunkern Milliarden aus Portugal, Irland, Griechenland und Spanien bei der Buba. Falls der Euro crasht, werden Forderungen der EZB aus dem kostenlosen Billionenkredit an die Banken in P,G,i,S hinfällig. Die deutsche Allianzgruppe unter Martin Diekmann hat mit ihrem Subunternehmen Pimpco (Kalifornien) doch bereits Deutschland angegriffen.

Investmentbanker spielen mit hohen Umsätzen. Einfaches Abwartbefriedigende die Spielsucht nicht.

Gast: trader1
26.06.2012 19:49
0 8

Komisch

Ich habe in Monaco keinen
Journalisten gesehen :-) und
Es werden ja nur Fachleute
Eingeladen :-)

Re: Komisch

ja fachleute...
solche die aufgrund des limits beim admiral und im casino nicht eingelassen werden.

zahlt wie dort ebenfalls euren beitrag ans 'haus', dann könnt ihr weiterzocken!

Gast: b754
26.06.2012 19:38
2 11

die lüge von der krise

ein raub ungeahnten ausmaßes sonst nichts

0 6

Re: die lüge von der krise

wenn die Leute den Fernseher ausschalten würden, und die Zeitungen nicht lesen, es gäbe in der Tat keine Krise! reine Hysterie, welche irgendwann Real wird!

Hobbyökonom