Wien/Es/Ag. Die Konkurrenz im Internet setzt offenbar auch den ganz Großen der Sportartikelbranche zu: Drei Branchenriesen haben ihre Lieferungen an Händler gestoppt, die deren Ware auch auf den Internet-Handelsplattformen eBay und Amazon anbieten. Gegen den deutschen Hersteller Adidas und die US-Firma Nike liegen deshalb Beschwerden beim deutschen Kartellamt auf. Gegen Asics, einen japanischen Hersteller von Laufschuhen, wurde bereits ein Verfahren aufgenommen. Beanstandet wird, dass diese Praxis den freien Wettbewerb beschränke.
Die offiziellen Begründungen der Sportartikler für den plötzlichen Lieferstopp blieben unterdessen sehr vage: Ein autorisierter Händler müsse „bestimmte Kriterien erfüllen, die u.a. die Kompetenz und die Präsentation der hochwertigen Nike-Produkte betreffen“, gab Nike in einer schriftlichen Stellungnahme bekannt. Händler, die Nike-Produkte auf Amazon anbieten, entsprechen demnach den strengen Kriterien nicht. Was genau mit „Kompetenz“ und „Präsentation“ gemeint sei, darüber wollte man bei Nike auf Anfrage der „Presse“ jedoch keine Auskunft geben.
Asics erklärte den Lieferstopp im Fall eines Händlers, der Klage eingereicht hat, damit, dass dieser sich nicht an die vereinbarten Preisvorgaben gehalten habe.
Zu großes Stück vom Markt
Ein wirklicher Grund für die konzertierte Aktion der Sportartikelhersteller gegen die Onlinehändler könnte sein, dass der Fachhandel durch die billigen Onlinepreise zunehmend unter Druck gerät. Immerhin muss man sich prestigeträchtige Flagship-Stores mit höheren Margen finanzieren, als die Onlinehändler für sich in Anspruch nehmen. Mit dem Wegfall der Flagship-Stores würde, so fürchten jedenfalls die Hersteller, ein Imageverlust einhergehen. Und der Onlinehandel wächst: Mit rund 150Mio. Euro Jahresumsatz hat der Internethandel, den klein- und mittelständische Händler auf eBay und Amazon betreiben, in Österreich mittlerweile einen Marktanteil von 6,7Prozent. „Das ist eine Steigerung von zehn Prozent innerhalb eines Jahres“, sagt Michael Oberweger vom Marktforschungsinstitut Regioplan Consulting. Nicht berücksichtigt sei bei den Zahlen allerdings die Rücklaufquote, die für Onlinebestellungen wesentlich höher sei als für den Verkauf im Fachhandel. An sich sei der Online-Verkauf im Sportartikelbereich eher zubehörlastig. Ersatzteile würden gerne übers Internet bestellt. Auch Fahrräder würden jedoch immer öfter übers Internet bezogen.
Bei Amazon gibt man sich besorgt: „Wir verstehen nicht, dass dem Kunden vorgeschrieben werden soll, wo er seine Produkte bekommen kann“, kommentierte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber im Interview mit der „FTD“ die Aktion der Sportartikelhersteller. Man sei aber gerne bereit, mit Adidas zusammenzuarbeiten, um „sicherzustellen, „dass die Produkte in einem optimalen Umfeld präsentiert werden können“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)
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