Wien/Ag./Red. Die schwächeren Konjunkturaussichten werden nun auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt sichtbar. Laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) sank die Zahl der offenen Stellen im Juni auf den tiefsten Stand seit Juli des Vorjahres. „Angesichts der Eintrübung der Konjunkturprognosen zeigen sich die Unternehmen offensichtlich vorsichtiger, was weitere Neueinstellungen angeht“, so die Behörde. Trotz des Rückgangs liege die Nachfrage nach Arbeitskräften aber auf hohem Niveau. Großen Bedarf habe weiterhin die Zeitarbeit, gut jede dritte Stelle werde aus diesem Bereich gemeldet. Auch im Groß- und Einzelhandel, in der Baubranche, der Gastronomie und im Gesundheits- und Sozialwesen würden zahlreiche Mitarbeiter gesucht. Das Plus, das viele Branchen im Vergleich zum Vorjahr meldeten, schrumpfe allerdings von Monat zu Monat.
Wachstum geht zurück
Experten gehen davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft abschwächt. Zuletzt gingen die Exporte, die Produktion und die Aufträge in der Industrie zurück. Auch die Erwartungen von Anlegern, Analysten und Unternehmern sind schlechter geworden. Wie berichtet, deuteten mehrere wichtige Indizes – etwa vom renommierten ifo Institut – zuletzt auf einen Konjunkturrückgang hin. Laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sank das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal bereits auf 0,2 Prozent real, nach 0,5 Prozent im ersten Quartal. „Die Menschen in Deutschland werden wegen der Krise wieder nervöser. Das schwächt die Konsum- und Investitionsausgaben“, so DIW-Ökonom Ferdinand Fichtner.
Heute, Donnerstag, veröffentlicht die BA die Arbeitslosenzahlen für Juni. Experten rechnen mit einer Stagnation gegenüber dem Mai: Da sank die Zahl der Arbeitslosen auf 2,855 Millionen, den tiefsten Stand seit 20 Jahren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)
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