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Zins manipuliert: Millionen-Strafe für britische Großbank

27.06.2012 | 19:08 |   (DiePresse.com)

290 Millionen Pfund muss die britische Großbank Barclays zahlen, weil sie versucht hat, die Zinsen im Interbanken-Verkehr zu manipulieren.

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Die britische Großbank Barclays muss den Behörden in den USA und Großbritannien 290 Mio. Pfund (363 Mio. Euro) zahlen, weil sie versucht hat, die Zinsen im Interbanken-Verkehr zu manipulieren. Damit habe sich Barclays günstigere Konditionen verschaffen wollen, teilten die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie das US-Justizministerium am Mittwoch mit.

Die Versuche hätten sowohl den europäischen Zinssatz Euribor wie auch den Londoner Libor betroffen. Mit den Manipulationsversuchen habe Barclays versucht, Vorteile im hochkomplexen Derivatehandel zu erschleichen.

Weitere Kreditinstitute betroffen?

Allein 59,5 Mio. Pfund muss Barclays an den britischen Staat zahlen. Die Untersuchungen der Behörden betreffen die gesamte Bankenbranche. Die Behörden gehen davon aus, dass noch weitere Kreditinstitute in mehreren Ländern betroffen sein könnten.

Auf die Zahlung der Summe habe sich die Bank mit den Finanzaufsichtsbehörden FSA in Großbritannien, CFTC in den USA sowie mit dem US-Justizministerium geeinigt, teilte Barclays am Mittwoch in London mit. Die Falschangaben hätten bereits 2005 begonnen, teilte die CFTC weiter mit. Zeitweise sei es täglich zu Falschmeldungen gekommen. Während der großen Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009 habe Barclays auf Weisung des obersten Managements absichtlich niedrige Libor-Meldungen abgegeben, um eine bessere Außenwirkung für die Bank zu erzielen.

Chefs verzichten auf Manager-Boni

Barclays-Vorstandschef Bob Diamond entschuldigte sich für die Vorfälle. "Es tut mir leid, dass einige Leute nicht so gehandelt haben, wie es unsere Unternehmenskultur und unsere Werte vorsehen", sagte Diamond. Weder er selbst noch seine Vorstandskollegen Chris Lucas, Jerry del Missier und Rich Ricci würden für dieses Jahr Manager-Boni annehmen, sagte Diamond. Aufsichtsratschef Marcus Agius sagte, das Gremium nehme die Vorkommnisse extrem ernst.

Die Behörden hatten beim sogenannten Liborsatz - der Zinssatz zu dem sich Banken untereinander Geld leihen - Unregelmäßigkeiten entdeckt. Die britische Finanzaufsicht FSA kam zu dem Schluss, dass die Verfehlungen bei Barclays "ernst und großflächig" gewesen seien. Die Richtigkeit von wichtigen Finanz-Richtmarken wie dem Libor-Satz sei von grundlegender Wichtigkeit für die Finanzmärkte.

(APA)

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3 Kommentare
Gast: Reflector
28.06.2012 10:58
1 0

Gerücht nun bestätigt


Es lag ja schon länger in der Luft.

Abgesehen von der mehr als fraglichen Methode zur Feststellung, muss man sich aber fragen wem es eigentlich nützt wenn Banken den LIBOR nach unten 'korrigieren'.

1.) Den Instituten selber, da ein höherer Ausleihzins für das Institut auch bedeutet, dass man diesem Institut Banken intern nicht mehr traut.

Aber das ist nur eine Randerscheinungen die erst in der Bankenkrise Relevanz hatte.

2.) und das ist der wesentlich wichtigere Grund, dient man damit der billigen Kreditvergabe.
Die meisten Derivate gibt es auf Zinsabsicherungen auf diese Kredite bzw. einfach um zu spekulieren (ohne überhaupt einen dazugehörigen Kredit zu sichern). Die Emittenten dieser CDS sind wieder die Banken, die an diesen CDS Käufen enorm profitierten.
D. h. würde der LIBOR marktwirtschaftlich ermittelt werden, würden viele dieser CDS Verpflichtungen schlagend werden und damit die gefürchtete, ungedeckte CDS Lawine ins Rollen kommen, wo zigfach höhere Forderungen als wirklich im Markt befindliche Kreditsummen fällig werden könnten. Der perfekte Super GAU.

Insofern handelt es sich hier also höchstwahrscheinlich um geduldeten

a.) Betrug
b.) Bandenbildung

denn ohne Absprachen ist ein derartiges System nicht lange überlebensfähig.

Verwunderlich also, dass es dafür im Vergleich zur Dimension des Delikts nur kleine 'Parkstrafen' für hochkriminelle Machenschaften gibt.

Es dürften also nicht nur Banken involviert sein in diesem Spiel ...

Put your money where your mouth is

In GB gibt es - bei aller berechtigter Kritik an vielen Dingen in diesem Land - wenigstens noch eine Kultur der Verantwortung. In AT würden die Manager selbstverständlich ihre Boni behalten.

Notiz am Rande: Rich Ricci als Name für einen Banker - passt genau.

Re: Put your money where your mouth is

Verantwortung? Geht irgendjemand für diesen Betrug ins Gefängniss? Robert Biggs war doch ein frommes Lamm gegen diese Verbrecher.

Hobbyökonom