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Zinskartell: Rekordstrafe für Barclays

28.06.2012 | 16:28 |   (Die Presse)

Barclays muss wegen der Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor 362 Millionen Euro zahlen. Die Ermittlungen gegen die anderen Mitglieder des Zinskartells gehen indes weiter.

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[Wien/JIl] Es geschieht an jedem Vormittag – immer um elf Uhr Londoner Zeit. Eine Auswahl der wichtigsten Banken der Welt gibt bekannt, zu welchen Zinsen sie sich derzeit bei anderen Banken verschulden können. Aus diesen Zahlen errechnet der britische Bankenverband den Libor (London Interbank Offered Rate). Der Libor hat es noch nie auf die Transparente wütender Anti-Banken-Demonstranten geschafft. Dabei hat dieser Referenzzinssatz eine enorme Bedeutung. Der Gesamtwert aller vom Libor beeinflussten Finanzprodukte, Kredite, Hypotheken und Derivate beträgt Schätzungen zufolge 290 Billionen Euro, also 290.000 Milliarden oder 290.000.000.000.000 Euro.

Dank der Größe dieses Marktes können Banken schon mit einem geringfügig manipulierten Libor riesige Gewinne einfahren. Und genau das haben die Großbanken der Welt offenbar getan. Seit Monaten ermitteln die zuständigen Behörden weltweit, und mit Barclays hat die erste Bank gestanden. Das Institut hat sich mit Behörden in den USA und Großbritannien verglichen und zahlt 363 Mio. Euro Strafe. Barclays Geständnis, die Zinsen im Interbanken-Verkehr manipuliert zu haben, ist ein Meilenstein in diesen Ermittlungen. Die Falschangaben bei der Libor-Bestimmung hätten bereits 2005 begonnen, so die US-Regulierungsbehörde CFTC. Zeitweise sei es täglich zu Falschmeldungen gekommen.

Denn der Libor kann sozusagen auch zu Public-Relations-Zwecken eingesetzt werden. Eine Bank, die sich billig verschulden kann, gilt als solide. Und so hat Barclays während des Höhepunktes der Finanzkrise 2007 bis 2009 auf Weisung des obersten Managements absichtlich niedrige Libor-Meldungen abgegeben, um eine bessere Außenwirkung für die Bank zu erzielen. Barclays Vorstandschef zeigte Reue: „Es tut mir leid, dass einige Leute nicht so gehandelt haben, wie es unsere Unternehmenskultur und unsere Werte vorsehen.“ Diamond ließ den Worten sogar Taten folgen: Weder er selbst noch seine Vorstandskollegen Chris Lucas, Jerry del Missier und Rich Ricci würden für dieses Jahr Managerboni annehmen, sagte Diamond. Der kassierte im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung inklusive Boni von rund 21 Mio. Pfund (rund 26 Mio. Euro). Die britische Finanzaufsicht FSA nannte die Verfehlungen von Barclays „ernst und großflächig“. Mehrere britische Politiker stellten Rücktrittsforderungen an Diamond. Premier David Cameron sagte, der Vorstand habe „sehr ernste Fragen zu beantworten“. Oppositionschef Ed Miliband forderte strafrechtliche Ermittlungen.

UBS ist ein „Whistleblower“

Der nun geschlossene Vergleich dürfte aber nur die Spitze des Eisbergs sein. Behörden aus den USA, England, Kanada und der Schweiz ermitteln seit Monaten unter anderem gegen JP Morgan, Deutsche Bank, HSBC, Royal Bank of Scotland und Citigroup.
Die Aufsichtsbehörden lobten nach der Einigung auf einen Vergleich die Kooperationsbereitschaft von Barclays. Die Bank hätte wertvolle Informationen geliefert. Es ist also nicht auszuschließen, dass den übrigen Großbanken noch höhere Strafen ins Haus stehen. Das Schweizer Institut UBS hatte schon im Februar die Flucht nach vorne angetreten und sich vom US-Justizministerium Weko den Status eines „Whistleblowers“, eines Informanten, zusichern lassen. Auch die UBS wird so einer Strafe als Mitglied dieses Zinskartells nicht entgehen – diese dürfte aber niedriger ausfallen als bei den beteiligten Konkurrenzinstituten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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1 Kommentare
Gast: Reflector
29.06.2012 06:39
0 0

Folgeklagen möglich

http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/0,2828,841496,00.html

Eine eventuelle Klagewelle könnte die Banken erschüttern bzw. in die Insolvenz treiben, denn die Summen sind gewaltig.

Und es ist ohneweiters denkbar, dass die Kläger recht bekommen. Wer nämlich den Zinssatzverlauf aufmerksam verfolgte und diese mit der entsprechenden Meldungslage verglich, konnte sich auf drei Finger ausrechnen dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging.

In den letzten Jahren war die Meldungslage gepflastert mit Botschaften wie, dass sich die Banken nicht mehr trauten, das Interbankengeschäft stocke und sich kaum refinanzieren könnten und lieber bei den verschiedenen ZB Tendern um höhere Zinssätze als den LIBOR, EURIBOR liehen.

Das heisst aber nichts anderes, als dass untereinander nichts oder nur für hohe Zinsen (Risiko) geliehen wurde, denn ansonsten hätten diese Meldungen und Leihen nicht stattgefunden.

Und wer nun wieder nach Regulierung der Banken schreit, sollte sich diese 'Regulierung' ansehen wie diese versagte.

Ein Marktplatz für Interbankenzinsen hätte die Sätze wesentlich getreuer abgebildet, denn dann hätten die Summen verbindlich um die zustande gekommenen Sätze verliehen werden müssen.

Zudem hätte man dann sehr schnell gesehen wer wieviel um welchen Satz leihen muss und damit auch ein Bankenfieberthermometer gehabt.

Aber das ist wohl gar nicht erwünscht und will wohl von Politik und Justiz nicht verstanden werden.

Hobbyökonom