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Der Euro als neuer Goldstandard für Europa

29.06.2012 | 18:45 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Die Währungsunion funktioniert, sagt der Ökonom Huerta de Soto: Der Euro diszipliniere die Politik wie einst der Goldstandard. Die EZB müsse zwar vorsichtig sein, eine politische Union sei aber unnötig.

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Wien. Wer hätte das gedacht: Alles, was es brauchte, war eine globale Finanzkrise und plötzlich interessieren sich große Teile der Intelligenzija für das Geldsystem – ein Thema, so spröde wie Diamanten. Plötzlich hat jeder eine Meinung, je nachdem, welche Denkschule er am besten findet: Bewusst oder unterbewusst linkslastige entscheiden sich für den keynesianischen Inflationismus oder gar für eine der neuartigen brutalosozialistischen „Ideen“, die dunklen Internetwinkeln entsprungen sind. Demgegenüber steht die vor der Krise völlig vergessene „Österreichische Schule“, deren bekannteste Vertreter Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek waren.

Die „Österreicher“ gelten als Verfechter des klassischen Goldstandards, in dem Papiergeld zu einem fixen Kurs an Gold gebunden ist und verachten ungedecktes Papiergeld und die Inflation, weil sie zulasten der Massen geht. Der Euro hatte es bei den „Österreichern“ nie leicht. Bis jetzt, da der spanische Ökonom Jesus Huerta de Soto, der als begnadeter Geldtheoretiker gilt, die „Austrian“-Szene geradezu geschockt hat – mit einem Aufsatz, den er „Die Verteidigung des Euro“ nennt.

 

Ein wünschenswertes „Korsett“

De Sotos Argument ist relativ simpel: Der Euro funktioniere sehr ähnlich wie der klassische Goldstandard. Und dies sei auch der Grund, warum keynesianische Galionsfiguren wie Paul Krugman ihn hassen und sich das Ende des Euro mit einer ähnlichen Intensität herbeiwünschen wie weiland Lord Keynes das Ende des Goldstandards bejubelt hat. Denn, so de Soto, der Euro hat den „monetären Nationalismus“ (zumindest in Europa) ein für alle mal beendet. Heißt: Die nationalstaatlichen Politiker haben keinen Zugriff mehr auf die Notenpresse der Zentralbank – sie können ihre Programme nicht mehr via Inflation finanzieren – so wie sie es auch in einem Goldstandard nicht könnten, weil das Papiergeld an Gold gebunden wäre.

Dieses „Korsett“ wird zwar beklagt, ist aber tatsächlich heilsam für aufgeblasene Staatshaushalte und überschuldete Länder. Denn, so de Soto: „Es ist notwendig festzustellen, dass es viel schwieriger ist, den Euro zu verlassen, als es seinerzeit das Verlassen des Goldstandards war.“ So würden die Griechen eine neue Drachme einfach nicht akzeptieren und weiter den Euro nutzen. De Soto übt aber auch herbe Kritik an der Krisenpolitik der EZB und mahnt die Notenbanker, ihr Mandat nicht weiter zu dehnen und zu brechen. Durch billiges Geld aus Frankfurt würde der positive Charakter des Euro, also die Disziplinierung der Politik, nur suspendiert.

Allerdings: „Im Gegensatz zu dem, was mit Dollar und Pfund geschieht, können glücklicherweise in der Eurozone Geldinjektionen nicht mit der gleichen Leichtigkeit vorgenommen werden. Auch kann ein Haushaltschaos nicht unbegrenzt derart ungestraft aufrechterhalten werden“, schreibt de Soto. Die europäische Krisenpolitik sei deshalb nachhaltiger und weitsichtiger als die der angelsächsischen Welt, weil Hilfsgelder nur gegen Reformen ausgezahlt werden und Deutschland sich weiterhin gegen „törichte Vorschläge wie Eurobonds“ stellt. „In jedem Fall ist es wichtig anzuerkennen, dass wir uns an einem historischen Punkt befinden. Vom Überleben des Euro hängt es ab, ob ganz Europa die traditionelle germanische Geldstabilität verinnerlicht und sich zu eigen macht. Aus internationaler Sicht werden das Überleben und die Konsolidierung des Euro zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ermöglichen, dass eine Währung entsteht, die effektiv mit dem Dollarmonopol als Weltreservewährung konkurrieren kann und daher die Fähigkeit Nordamerikas diszipliniert, systemische Finanzkrisen anzustoßen.“

 

Der Euro braucht die politische Union nicht

Den Bestrebungen in Richtung einer politischen Union und „Vereinigten Staaten von Europa“ erteilt der Ökonom eine klare Absage: Der Mechanismus der Währungsunion garantiere bereits, dass Staaten langfristig zu einer soliden Haushaltspolitik gezwungen werden. Diejenigen, die eine komplette politische Union als einzige „Lösung“ propagieren, seien „Eurofanatiker, die sich immer an irgendeinen Vorwand hängen, mit dem sie eine größere Macht und einen Zentralismus zugunsten Brüssels rechtfertigen können“.

De Sotos Fazit: „Weil die Weltwirtschaft dies dringend benötigt, verdienen es Mises und Hayek endlich zu triumphieren – und der Euro (zumindest provisorisch, bis er definitiv durch einen Goldstandard abgelöst wird) verdient es zu überleben.“

Grafik: Die Presse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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89 Kommentare
 
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Zwischem dem Goldstandard und dem Euro, wie er heute schon ist, liegen Welten!

Die EZB hat doch schon etwa eine Billion Euro, für die jede Art von Deckung fehlt, in Umlauf gebracht um damit die Kurse praktisch wertloser Staatsanleihen hoch zu halten! Diese Unmenge Geld findet früher oder später zum großen Teil den Weg in die Realwirtschaft und muss unweigerlich eine Inflation auslösen!

Mit dem ESB, der jetzt gerade von ahnungslosen und willfährigen Politikern beschlossen wird, brechen überhaupt alle Dämme gegen die unendliche Geldvermehrung!

Der Euro, den die Deutschen als Hartwährung einrichten wollten, ist von der Euro-Mehrheit, die das überhaupt nicht will, längst auf den Weg zu einer butterweichen Währung gebracht worden, was das genaue Gegenteil vom Goldstandard ist!

Die gelehrten Ökonomen wollen nicht wahrhaben,

daß ihre alten Geldtheorien keine Gültigkeit mehr haben, soferne sie überhaupt je eine gehabt haben.

Das Geld als Zahlungsmittel für die Wirtschaft ist nur mehr ein Bruchteil von ca. 9% des gesamten Geldvolumens, eine Tatsache, die den inneren Wert der Währung stark beeinflußt und langsam zu einem Auseinanderdriften vom Geld im eigentlichen Sinn und Spielkapital = Jetons für den Casinokapitalismus führt.

Träumer

schön wär's, wenn sich die Euro-Staaten tatsächlich auf die Maastrichtkriterien zurücksparen würden.

Tatsache ist, dass sie das nicht tun werden. Die Schulden steigen massiv weiter. Die Druckerpressen laufen auf Hochtouren. Gold wird seine Kaufkraft halten, der Euro ist Papier, und wird auch so viel Wert sein wie Papier. Der Euro wird über den Teuro zum Zero.

der Euro verdienet es zu überleben,

bis er von einem Goldstandard abgelöst wird heisst auf Deutsch. Die Bürger Europas sollen mit dem Euro gepeinigt werden bis er wertlos ist um dann die neue Weltwährung einzuführen, die die Rothschilds und Rockefellers seit 50 Jahren planen(natürlich unter dem Diktat der Banker, die dann die neuen Feudalherren sein werden und juristisch immun sind!). Schöne neue Welt!

Das wird es nicht spielen!

Es wird mehrere Weltwährungen geben, neben dem "entmachteten" Dollar weiterhin einen starken Euro und bald auch eine eigene asiatische Währung, an der China und Japan schon basteln.

euro als goldstandard

hahaha, lol - ich dachte wir haetten schon eine definition von "grotesk" aber das uebertrifft die bisherige definition bei weitem

Gast: Reflector
30.06.2012 20:00
4 5

Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich


Die Zeiten und das Geld dieser Welt müssen schon sehr lausig sein, wenn man schon den € zum Goldstandardvergleich heranzieht.

Es zeigt nur wie minimalistisch die Ansprüche auch auf diesem Gebiet bereits geworden sind.

Nur weil der € ein wenig Widerstand Seitens D beim Nachdrucken erfährt, wird dieser schon in die Nähe des Goldstandards hochgejubelt.

Die De Sotos der Zukunft werden dann jedem Maturanten der das Hebelgesetz versteht wohl mit Einstein vergleichen.

Wenn man aber noch ein wenig höhere Ansprüche an Vergleiche stellt und sich noch ein wenig Grips unterm Deckel erfreut, sieht man sofort die Tatsache, dass der € genauso eine elendige, versklavende Fiat Schuldgeld Zinseszins Währung ist wie alle anderen dieser Welt es sind.

Weit, weit weg vom Wesen des Goldes und den damit verbundenen gedeckten Scheinen.

Ansonsten würde der IWF ja nicht in seinen Statuten ein Verbot der Golddeckung haben wenn man diesem Verein angehören will.

Und es war auch der Grund warum man die CH um 2000 mit den blöden Nazigold Kampagnen zur Aufgabe der damaligen 25% Golddeckung und zum Verkauf von sehr grossen Mengen Goldes zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt 'bewegte'.

Man hätte dann nämlich anhand des Au gedeckten CHF den Verfall der anderen Währungen noch viel schneller und deutlicher gesehen und dies hätte schon viel früher zu Währungsfluchten aus € und $ geführt.

Als nix für ungut, aber diese These De Sotos entstammt dem Sommerlochrand.

Re: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich

Und Ihr Vergleich hat erst recht einen Holzfuß!

Gold ist derzeit enorm überbewertet, wir stehen vor dem Platzen der Goldblase!

Alle bisherigen Geldtheorien sind zu vergessen, denn noch nie gab es die riesige Diskrepanz zwischen den ca 9% der in der Realwirtschaft zirkulierenden Geldmenge und dem 10fachen davon in der reinen Finanzspekulation + Staatsverschuldungen.

Antworten Antworten Gast: rabe123
30.06.2012 21:32
3 5

Re: Re: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich

Gold kann mit Preis < 1600 USD / oz bei Gesamtkosten der Förderung von 1200-1300 USD nicht "enorm überbewertet sein". Das Verhältnis von Preis / Gesamtkosten ist zb bei Öl oder Kupfer deutlich höher. Die Förderkosten steigen zudem bei Gold stärker als bei anderen Metallen, da Gold der am besten explorierte Rohstoff seit 2000 Jahren ist, wenig neue Funde kommen und die bestehenden Vorkommen stark sinkende Konzentrationen aufweisen. Rein als Rohstoff ist Gold dzt fair bepreist, als Währung deutlich unterbewertet da nicht inflationierbar und schwer besteuerbar.

Re: Re: Re: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich

Ja,ja, alles schön und recht! Es ist noch nicht so lange her, da haben Immobilien auch als "bombensichere" Anlagemöglichkeit gegolten!

Gast: stand2
30.06.2012 18:32
3 2

von Goldstandard keine Spur

Die Geldmengenausweitung bei der EZB hat sich seit Beginn der Krise mehr als verdoppelt.

Die EZB hat Anleihen der südlichen Krisenländer aufgekauft und ihre Bilanzsumme massiv ausgeweitet.

Sicher hat besonders England (Faktor 4) und auch die USA (Faktor 3) eine noch lockerere Geldpolitik betrieben, aber gar so weit liegt die EU nicht dahinter. Und was nicht ist, kann ja noch werden (ESM).

Es ist eine (Solvenz)Krise des Westens. In Japan hat sich die Geldmenge nicht ausgeweitet. Wahrscheinlich ist deshalb der Yen so stark.

Gast: Alexander Simon
30.06.2012 16:30
7 1

Endlich alternative Meinungen!

Sehr geehrter Herr Jilch,
vielen Dank, dass Sie auch Vertreter der Schule der österr. Nationalökonomie zu Wort kommen lassen: Gepriesen wird immer die Vielfalt, geboten wird oftmals bloß Einfalt - etwa "Keynesianer", deren Einschätzungen zwar unterschiedlich, jedoch nicht neuartig sind.

Ihr Artikel, Herr Jilch, ist da eine lesenswerte Ausnahme. Bitte berichten Sie mehr über diese Wirtschaftsschule "Made in Austria".

Freundliche Grüße,
Alexander Simon

Antworten Gast: Österreichische Schule
30.06.2012 19:35
0 6

Re: Endlich alternative Meinungen!

Bevor sie sich für die österreichische Schule stark machen sollten sie mal ein paar blinde Flecken dieser "Pseudowissenschaft" nachschlagen.

http://www.youtube.com/watch?v=8EbK91lPpPY

Gast: Maschmeyer
30.06.2012 16:10
8 3

Gold bleibt Gold der Euro ist FIAT

Sehr geehrter Herr Jilch, wie kann es sein, daß eine Währung ständig "gerettet" werden muß und diese dann trotzdem steigt? Wie kann es sein, daß wir in den Nordländern Europas ständig die Zeche der PIGS bezahlen müssen? Was faseln Sie da von einem "Goldstandard", solch einen Quatsch hab ich noch nie gelesen! Der Goldstandard endete 1971 in Bretton Woods. Die Währungen danach sind allesamt PRIVATGELD und damit FIAT - Währung! Der Wert, der dem Euro für die nahe Zukunft zugemessen ist exakt "ZERO" oder meinen Sie wirklich das sich die Menschen auf Dauer verhohnepipeln lassen?

Antworten Gast: EFF EFF
30.06.2012 16:17
2 2

Wir sind die Lemminge!

Die Presse feiert nur den Untergang und WIR FEIERN MIT.

Huerta de Soto hat nicht Recht, Herr Jilch.

Langer Artikel, absolut lesenswert.

http://ef-magazin.de/2012/06/26/3581-replik-auf-jess-huerta-de-soto-ist-der-euro-fast-so-gut-wie-gold

Gast: Untergetaucht
30.06.2012 15:29
2 1

Apropos „Korsett“unsere Finanzministerin hat auch schon länger nicht mehr Rechenschaft abgelegt.


Aha, schon wieder ein Experte...


....der uns den Tag schönredet.

Falsch! Der Mann liegt weitgehend richtig!!

Die Amerikaner führen vom Anfang an und immer heftiger Krieg gegen den Euro. Sie können nicht unbegrenzt ihren Dollar drucken, ohne seinen Wertverlust zu riskieren, wenn daneben eine transnationale Referenzwährung besteht.

Der Euro wird diesen Angriff glänzend überstehen. In näherer Zukunft wird es daneben noch eine 3. asiatische Weltwährung geben, China und Japan arbeiten offensichtlich schon daran.

Gast: Hutbürger
30.06.2012 14:18
5 2

einfach nur dreist

die Rechnung wird folgen.

Gast: ybq
30.06.2012 11:16
2 2

Der Euro als neuer Goldstandard für Europa!?

Gold hat in der Geschichte oft Währungen gedeckt.
Ihrer Aussage nach deckt der Euro folglich den Euro.

Gast: Zyni
30.06.2012 10:59
6 6

Ziehen wir den Schleier einfach weg

Target 2, Euro, EDM ...lassen wir einfach den ganzen Zauber weg, schauen wir uns die Menschen an, die hinter diesen Mechanismen stehen. Können wir die Leistungskraft eines Spaniers, eines Holländers, eines Iren, eines Österreiches und eines Deutschen angleichen. Innerhalb von sagen wir mal zwei bis vier Jahren. Ja oder Nein? Sonst brauchen wir nichts zu wissen.

Sie haben ein völlig falsches Verständnis von einer transnationalen Währung!

Das Geld ist eben nicht dazu da, durch Kursmanipulationen unterschiedliche Wirtschaftsleistungen auszugleichen !!!!

Antworten Antworten Gast: Zyni
02.07.2012 07:46
0 3

Wenn es nur "Ausgleichen" wäre

tatsächlich hobelt der Euro in den Schwachländern die Realwirtschaft weg und die Starkländer ziehen die innereuropäischen Kapitalströme an. Im Grunde genommen nichts anderes, als die Ausdünnung des Waldviertels.

Falsch! Politiker und ihre "Wirtschaftsexperten" brauchen immer Ausreden!

Und die sind meist fürchterlich blöd !!!

Bitte lesen, Herr Dr. Stöckl. Ist zwar lang, aber lesenswert.

Erklärt gut die Problematik, Huerta de Soto hat eben nicht Recht.

http://ef-magazin.de/2012/06/26/3581-replik-auf-jess-huerta-de-soto-ist-der-euro-fast-so-gut-wie-gold

 
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Hobbyökonom