Die Fondsmanagerin Isabella de Krassny geht auf Hauptversammlungen mit Vorständen nicht gerade zimperlich um. Keiner weiß das besser als ihr Mann, Alain de Krassny. Beide lernten sich Ende der 1990er-Jahre auf einem Aktionärstreffen der Donau Chemie kennen. Ihr Mann übernahm damals die Wiener Chemiefirma über ein Management-Buy-out.
Isabella de Krassny setzte sich gegen das Abfindungsangebot für die Kleinaktionäre zur Wehr und verlangte mehr Geld. Auf einer turbulenten Hauptversammlung drohte sie ihrem späteren Mann mit rechtlichen Schritten: „Ich habe mich durchgesetzt.“ Alain de Krassny war von ihrer Schlagfertigkeit so beeindruckt, dass er sie später heiratete. Es gibt in Österreich kaum ein börsenotiertes Unternehmen, dessen Hauptversammlung die Fondsmanagerin der Wiener Bank Semper Constantia nicht besucht hat. Immer wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt, probt sie den Aufstand – wie jetzt bei der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker.
Haselsteiner mit an Bord?
Am heutigen Mittwoch geht es bei der Hauptversammlung um den Fortbestand der deutschen Firma. „Was bei Praktiker passiert ist, habe ich noch nie erlebt“, sagt die Österreicherin. Dass die Baumarktkette überhaupt noch existiere, sei im Wesentlichen ihr zu verdanken. Denn der frühere Praktiker-Chef Thomas Fox plante einen Insolvenzvertrag. Dann wäre die von de Krassny vertretene Gesellschaft Maseltov vermutlich um einen Teil des Investments umgefallen. „Das hat mir schlaflose Nächte bereitet. Denn ich verwalte ja nicht mein Geld, sondern das Geld von anderen“, sagt die 53-jährige Managerin.
Hinter Maseltov stehen sechs bis sieben Investoren. Die Namen werden nicht bekannt gegeben. Angeblich soll neben Alain de Krassny auch der Sanierer Erhard Grossnigg und Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner an Bord sein. Haselsteiner nimmt dazu nicht Stellung. Maseltov ist mit zehn Prozent größter Aktionär bei Praktiker. Hinzu kommen noch fünf Prozent, die von Fonds Semper Constantia gehalten werden. De Krassny stieg bei Praktiker bei einem Preis zwischen 2,2Euro und 2,5Euro pro Aktie ein. Im Zuge der Turbulenzen ist der Kurs auf 1,29Euro gesunken. Praktiker betreibt mit 20.000Mitarbeitern fast 440Bau- und Heimwerkermärkte in neun Ländern und hat sich mit Rabattaktionen wie „20Prozent auf alles” verhoben.
Im Vorjahr fiel ein Verlust von über einer halben Milliarde Euro an. Seit Monaten streitet sich de Krassny mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat von Praktiker über ein Sanierungskonzept, das mindestens 100Mio. Euro kosten soll. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie sich kurz vor der Hauptversammlung einigen. Denn die Praktiker-Manager wollen einen Eklat mit den Aktionären aus Österreich vermeiden.
Bilanzen als Hobby
De Krassny ist eine Schnäppchenjägerin. Sie ist ständig auf der Suche nach unterbewerteten Unternehmen, die einen hohen Streubesitz aufweisen. „Gibt es einen kontrollierenden Hauptaktionär oder steckt eine starke Bank dahinter, lasse ich die Finger davon.“ Als sie im Herbst 2011 bei Praktiker einstieg, wies die Baumarktkette ein Eigenkapital von 800Mio. Euro auf. An der Börse wurde die Gesellschaft aber nur mit 150Mio. Euro bewertet: „Da musste ich einfach zugreifen.”
Für sie gehört das Studium von Unternehmensbilanzen zu den Lieblingsbeschäftigungen. „Das ist wie ein Hobby. Ich würde es auch machen, wenn ich nichts dafür bezahlt bekomme.“ Mit einem Team von zehn Leuten managt sie in der Semper Constantia mehrere Aktienfonds. Und die Performance kann sich sehen lassen. Der von de Krassny geleitete „SemperShare Austria“ gehörte zuletzt zu den besten österreichischen Fonds.
Börse und Psychologie
De Krassny setzt bei der Veranlagung auf solide und große Unternehmen, daneben hat sie ein bis zwei Wetten laufen – wie derzeit bei Praktiker. Hier soll sich das Investment verdoppeln. Die Fondsmanagerin stieg unter anderem bei der deutschen Solarfirma Roth und Rau ein, als die Aktien 14Euro kosteten. Im Vorjahr wurde das Unternehmen für 22Euro pro Aktie übernommen. „Es gab auch Misserfolge – wie Nokia, doch die verdrängt man.“
Neben Wirtschaft studierte de Krassny Sozialpsychologie. „Das konnte ich am meisten brauchen, denn an der Börse geht ohne Psychologie gar nichts.” Ihre Karriere startete sie beim Austria Börsenbrief und als Vizepräsidentin des Anlegerverbands IVA. Dann arbeitete die langjährig alleinerziehende Mutter von fünf Kindern als Analystin für die Raiffeisen Centrobank. Seitdem ihr Mann mit Haselsteiner 2010 die Semper Constantia Privatbank übernahm, arbeitet sie dort als Prokuristin und Fondsmanagerin. Mittlerweile verkaufte Alain de Krassny die Beteiligung wieder, doch seine Frau ist weiterhin für die Bank tätig.
Praktiker ist die erste deutsche Firma, bei der Isabella de Krassny für Wirbel sorgt. „Sie ist jetzt von der österreichischen Regionalliga in die Champions League aufgestiegen“, sagt IVA-Präsident Wilhelm Rasinger: „Doch dort sind die Sitten rauer. Da kann man ihr nur alles Gute wünschen.”
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2012)
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