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USA: Großbanken machen ihr "Testament"

03.07.2012 | 23:06 |   (DiePresse.com)

Neun Großbanken legen Notfallpläne für den Fall ihres Versagens vor. Der "Letzte Wille" soll weitere Desaster à la Lehman Brothers 2008 verhindern.

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Die Finanzkrise von 2008 steckt den US-Aufsehern bis heute in den Knochen. Nur Steuermilliarden verhinderten damals eine Katastrophe. Das soll es nie wieder geben. Deshalb müssen die wichtigsten Banken nun Pläne für ihre eigene Zerschlagung vorlegen.

Um einer neuerlichen Finanzkrise vorzubeugen, haben neun internationale Großbanken auf Anweisung der US-Finanzmarktregulierer ihr "Testament" gemacht. Die Institute skizzierten in Notfallplänen, wie sie im Falle ihres eigenen Versagens möglichst schnell und schonend abgewickelt werden können.

Auch die Deutsche Bank musste sich Gedanken über ihr Ende machen. Das Frankfurter Institut ist mit seinen US-Tochtergesellschaften eine Größe an der Wall Street.

Die staatliche US-Einlagensicherung FDIC veröffentlichte am Dienstag die sogenannten "Living Wills" - allerdings nur in Auszügen. Sensible Informationen aus den verschwiegenen Banken bleiben den Aufsehern von FDIC und der Notenbank Fed vorbehalten.

Die Notfallpläne sollen ein weiteres Desaster à la Lehman Brothers verhindern: Beim Zusammenbruch der US-Investmentbank im September 2008 herrschte Chaos und Verunsicherung. Nur das Eingreifen des Staates verhinderte damals einen Kollaps des gesamten Finanzmarkts.

Neben der Deutschen Bank gehörten die britische Barclays sowie die Schweizer Häuser Credit Suisse und UBS zu den Finanzfirmen, die ihr "Testament" machen mussten. Aus den USA selbst reichten die Bank of America, die Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley sowie JPMorgan Chase ihre Unterlagen ein.

Hintergrund der neuen Regelung ist die schiere Größe der Finanzriesen. Sie sind derart verschachtelt aufgebaut und untereinander vernetzt, dass Außenstehende kaum mehr durchblicken. Die Abwicklung von Lehman Brothers etwa dauert bis heute an.

Der "Letzte Wille"

Mit dem "Letzten Willen" soll von Anfang an Klarheit über den inneren Aufbau und die Geschäftsbeziehungen der Banken herrschen. Auch soll klar sein, welche Personen und Gremien im Fall der Fälle die Entscheidungen treffen und ausführen. Der öffentlich zugängliche Teil der Unterlagen enthält allerdings nur sehr vage Andeutungen, wie die eigentliche Abwicklung letztlich vonstattenginge.

Die Aufsichtsbehörden wollen nicht noch einmal in die Verlegenheit kommen, Banken mit Steuermilliarden retten zu müssen. Die "Living Wills" sind ein zentraler Bestandteil der von Präsident Barack Obama vorangetriebenen Finanzmarktreform, dem "Dodd-Frank Act".

Insgesamt sind etwa 125 Banken bis Ende 2013 verpflichtet, einen Notfallplan vorzulegen. Besonders große Institute hatten ihre Dokumente bereits bis zum Montag einreichen müssen. Ein Bankrott dieser als systemrelevant bezeichneten Finanzkolosse hätte besonders schwerwiegende Konsequenzen.

Die Aufsichtsbehörden haben nun 60 Tage Zeit, die Unterlagen durchzuschauen und zu prüfen, ob sie den Vorgaben entsprechen. Sie können sonst nötigenfalls weitere Informationen anfordern. FDIC und Fed hatten das "Banken-Testament" im vergangenen Jahr endgültig beschlossen.

(APA/dpa)

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7 Kommentare
Gast: Fprester
04.07.2012 11:55
0 0

Schonungslose Aufdeckung des harten Eigenkapitals

Eine geordnete Abwicklung beim Konkurs einer Grossbank ist das eine. Noch besser ist es, für einen genügenden Eigenkapitalpuffer zu verfügen, der auch grössere Verluste/Abschreibungen aufzufangen gestattet. Praktisch alle Grossbanken sind bezüglich Eigenkapital derart schwach auf der Brust, dass schon relative kleine Verluste (2 bis 3% der Bilanzsumme) zum Untergang führen können. Im Konkursfall ist es nur noch das harte Eigenkapital, das verlustdeckend ist.

Die Schweizer Nationalbank hat diesen Weg begangen. Sie hat die harten Eigenkapitalquoten der beiden Grossbanken UBS und CS schonungslos aufgezeigt und verlangt eine deutlich höhere Eigenkapitalunterlegung und zwar sofort. Was von den Banken als Eigenkapital ausgewiesen wird, enthält viele "weiche" Eigenkapitalpositionen die im Konkursfall nicht verlusttragend sind.

Gast: Matze
04.07.2012 10:35
0 0

Wer hätte das gedacht...

Guter Ansatz (auch wenn er von der FED kommt). Man kann nur hoffen dass die EU hier nachzieht. Und gleich auch klare Rahmenbedingungen für Staaten in dieser Materie schafft. Das wäre ein klares Zeichen, dass man nicht Milliarden in schwarze Löcher schleudert, mit dem Resultat dass man weder das Geld wiedersieht noch irgendetwas damit bewirkt.

Leider gehen wir in good old Europe einen anderen Weg...

Gast: trader1
04.07.2012 09:21
0 0

na klar ...

man kann einen krieg von anfang bis zum sieg ganz genau planen, fallen wird niemand und die bürolkraten werden mit dem testatement in den händen den krieg gewinnen ....
die dummheit der leute ist grenzenlos :-)

Gast: kassenschalter
04.07.2012 08:43
1 0

klare trennung

bankentagesgeschäft (kontoführung,häuslbauerkredit,bausparen,...) verstaatlichen.alle anderen bankster mit ihren zockereien den bach runter gehen lassen.

Gast: Analytiker666
03.07.2012 23:57
1 0

"Sensible Informationen aus den verschwiegenen Banken bleiben den Aufsehern von FDIC und der Notenbank Fed vorbehalten."

Gut, dass die FED weiss, wie die Notfallpläne der Banken sind.
Erleichtert deren Besitzern das strategische Agieren.
Wobei deren Besitzern gehören sicher ohnehin die Großbanken.
Daher müssten diese ohnehin wissen, wie das Tesatament ablaufen wird...

Gast: Analytiker der Lage
03.07.2012 23:47
3 0

"Die Institute skizzierten in Notfallplänen, wie sie im Falle ihres eigenen Versagens möglichst schnell und schonend abgewickelt werden können."

Too big to fail is too big to exist.

Gast: IOR
03.07.2012 23:43
0 0

USA: Großbanken machen ihr "Testament"

Gott will es!?

Hobbyökonom