Wien/Stef. Wie man eine ernste Situation recht freundlich umschreibt, zeigte Peter Havlik am Freitag. Das Umfeld für die Staaten Südost- und Osteuropas sei derzeit „etwas ungünstig“, erklärte der Vizechef des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw).
Das gilt vor allem für jene Nationen, die mit dem angeschlagenen Griechenland wirtschaftlich eng verbunden sind. Dazu zählen beispielsweise die Staaten des früheren Jugoslawien sowie Bulgarien. Entsprechend senkte das wiiw seine Prognose für das Wirtschaftswachstum. Das Institut erwartet, dass Kroatien, Serbien und Slowenien 2012 in die Rezession schlittern werden (siehe Grafik). Im Februar waren die Wirtschaftsforscher noch von einem Aufschwung in Serbien und Kroatien sowie einem kleineren Minus für Slowenien ausgegangen.
„Die Eurokrise schwebt als großer Unsicherheitsfaktor über der ganzen Region“, sagt Havlik. Davon abschotten können sich am besten jene Länder Osteuropas, die der Ökonom als „Peripherie“ bezeichnet: Türkei, Russland, Ukraine.
Auch eine Lösung für die düsteren Aussichten in der EU und den angrenzenden Ostländern hat das wiiw parat: Die Sparpolitik solle „abgeschwächt beziehungsweise aufgegeben werden“. Bleibt die Frage, woher das Kapital dafür kommen soll. Bereits jetzt leihen Investoren vielen verschuldeten Staaten Geld nur noch – wenn überhaupt – gegen hohe Zinszahlungen. Solle eben die EZB einspringen und die Länder mit Liquidität versorgen, meint Havliks Kollege Leon Podkaminer. Zu höherer Inflation müsse das „nicht notwendigerweise“ führen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)

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