Historisches Zinstief: "Perfektes Umfeld für Gold"

Das aktuelle niedrige Zinsniveau sowie die hohe Gold-Nachfrage in China und Indien werden den Goldpreis nach oben treiben, sagt Gold-Experte Stöferle.

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(c) APA (Robert Jäger)

"Negative Realzinsen bedeuten ein perfektes Umfeld für Gold", sagte am Mittwoch Erste-Group-Goldexperte Ronald-Peter Stöferle anlässlich der Präsentation des aktuelle Goldberichts "In Gold we trust" der Bank. Erst am Donnerstag vergangener Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf ein historisches Tief von 0,75 Prozent gesenkt (mehr dazu...). Der Goldpreis werde daher innerhalb der nächsten zwölf Monate über 2000 Dollar je Feinunze steigen, lautet Stöferles Prognose. Momentan finde zwar eine "normale und gesunde Korrektur" statt, von einer Trendumkehr könne aber keine Rede sein. Nach dem Allzeithoch im Herbst 2011 (1920 Dollar je Feinunze) befindet sich der Goldpreis aktuell bei 1590 Dollar je Feinunze.

Und Erste-Group-Experte Stöferle ist überzeugt: Angesichts der Nullzinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve, die bis Ende 2014 fortgesetzt werden soll, sei das Fundament für weitere Goldpreisanstiege gelegt. Die hohe Staatsverschuldung lasse der US-Regierung momentan auch kaum Spielraum. Der Anteil des US-Budgets, der für Zinszahlungen zu verwenden sei, würde sich bei einem gestiegenen Zinsniveau dramatisch erhöhen.

China und Indien sind weiter goldhungrig

Für weiter steigende Preise spreche auch der Goldhunger der Schwellenländer China und Indien. Bereits 70 Prozent der Goldnachfrage entfallen auf Schwellenländer, die Hälfte davon auf China und Indien. An diesem Trend werde sich in absehbarer Zeit nichts ändern, sagte Stöferle. Denn der steigende Wohlstand der beiden Länder gehe mit einer wachsenden Sparquote einher. Sowohl China als auch Indien würden eine hohe Goldaffinität aufweisen.

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Der Zusammenhang zwischen niedrigem Zinsniveau und hohem Goldpreis lasse sich laut Stöferle auch historisch belegen. So lag während der 20-jährigen Gold-Baisse in den 1980er- und 1990er Jahren das Realzinsniveau bei durchschnittlich vier Prozent. Im Vergleich dazu waren in den 1970er Jahren, als der Goldpreis boomte, die Realzinsen in 54 Prozent aller Monate im negativen Bereich gelegen. Ähnlich sieht die Situation heute aus. Seit dem Jahr 2000 waren 51 Prozent aller Monate im Minus - ein optimales Umfeld für Gold.

"Gold ist keine eierlegende Wollmilchsau"

"Gold ist keine eierlegende Wollmilchsau", gab Stöferle aber auch zu bedenken. Gold sei angesichts der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrisen nicht als die Lösung aller Probleme zu betrachten. Deshalb empfiehlt er Anlegern zwischen fünf und zehn Prozent Gold im Depot zu halten - als eine Art Depotversicherung.

Stöferle wies zudem darauf hin, dass ein deutliches Steigen der Realzinsen auf drei bis vier Prozent nach 2014 wohl nur eines bedeuten kann: "Dann kann man sich von Gold wieder verabschieden".

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