Physisches Gold ist so gefragt wie nie

11.07.2012 | 18:24 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Die Zentralbanken und die asiatischen Investoren treiben den Goldpreis in die Höhe. Die physische Nachfrage steigt und steigt, Papiergold-Derivate verlieren an Bedeutung.

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Wien. Der Goldmarkt spaltet sich: Während die Preisfindung noch immer hauptsächlich von Papiergold beeinflusst wird, gewinnt physisches Gold immer mehr an Bedeutung. Papiergold inkludiert alle Derivate auf Gold – wie Termingeschäfte, mit denen die Option erworben wird, zu einem fixen Zeitpunkt Gold zu erwerben oder zu verkaufen. Diese Geschäfte werden in der Regel aber nur in Papiergeld abgewickelt – physisches Gold in Barrenform wechselt kaum den Besitzer. Papiergold-Investments sind also nur eine Spekulation auf den Goldpreis. Wer aber eine echte Versicherung in unsicheren Zeiten sucht, der greift zum physischen Metall und nicht zu Derivaten.

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„Das Nachfrageverhältnis Papiergold zu physischem Gold lag vor wenigen Jahren noch bei fünf zu eins. Jetzt steht es schon zwei zu eins für physisches Gold“, sagt Ronald Stöferle. Der Gold-Experte der Erste Group hat am Dienstag seinen sechsten „Goldreport“ vorgestellt, der in der Branche als Standardwerk gilt. Auf 120 Seiten seziert Stöferle den globalen Goldmarkt und zerlegt so manchen Mythos, den auch Goldfans gerne verbreiten. Wie die Mär, dass der Goldpreis nicht unter die Produktionskosten einer Unze sinken kann.

„Das ist das größte Missverständnis im Goldsektor“, sagt Stöferle. „Die jährliche Goldproduktion von knapp 2600 Tonnen ist für die Preisfindung relativ unbedeutend.“ Sie steht einem globalen Goldbestand von rund 160.000 Tonnen gegenüber. Entscheidend für den physischen Goldmarkt ist, wie sich die aktuellen Halter dieses Goldes verhalten: Behalten sie das Metall oder verkaufen sie? Nicht die Gesamtmenge allen Goldes ist von Bedeutung, sondern wie viel am Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt erhältlich ist. „Manche Eigentümer würden bereits nach einem geringen Preisanstieg verkaufen. Viele andere erst in deutlich höheren Preissphären“, erklärt Ronald Stöferle.

Die Entscheidung, Gold auf dem aktuellen Preisniveau nicht zu verkaufen sei deshalb ähnlich wichtig wie die Entscheidung, Gold zuzukaufen. „Bei einem Preis von 5000 Dollar pro Unze würde das Altgoldangebot ein Vielfaches der Jahresproduktion betragen. Dies erklärt auch, wieso das vielzitierte Golddefizit eine Mär darstellt und es keine Knappheit geben kann“, so Stöferle. Gold muss fließen – tut es das nicht und wird es gehortet, ist dies ein Zeichen für akuten Stress im Finanzsystem. Und genau das erleben wir gerade: Seit 2009 ist das Angebot an Altgold trotz stark gestiegener Preise nur unwesentlich gewachsen. Die Nachfrage aber schon: 2011 wurden weltweit 3450 Tonnen Gold gekauft. China und Indien alleine machen bereits die Hälfte dieses Marktes für physisches Gold aus.

(c) DiePresse

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„Perfektes Umfeld für Gold“

Die Menschen verhalten sich nicht unähnlich den Zentralbanken. Der Beschluss der europäischen Notenbanken Ende der 90er, die Goldverkäufe zuerst zu drosseln und dann komplett einzustellen, hatte den aktuellen Gold-Bullenmarkt ausgelöst. Inzwischen sind die Zentralbanken seit mehr als zwei Jahren auf der Netto-Käuferseite zu finden. Vor allem aufstrebende asiatische Länder kaufen, was sie bekommen können. Stöferle geht davon aus, dass China über „weit mehr“ Gold verfügt als die offiziell angegebenen rund 1000 Tonnen.

Die seit dem Platzen der Dotcom-Blase laufende inflationäre Geldpolitik aller wichtigen Zentralbanken tut ihr Übriges. Dazu kommen die zusätzlichen Gelddruckprogramme seit Ausbruch der akuten Krise 2008. Der Goldpreis bewegt sich aber schon seit 2002 praktisch parallel zur Ausweitung der Bilanzsumme der Zentralbanken (siehe Grafik). Wenn eine Notenbank „Geld druckt“, dann kauft sie für dieses frische Geld Wertpapiere, die dann ihre Bilanz aufblähen. Die Bilanzsumme der Bank of England ist zum Beispiel seit 2007 um gewaltige 362 Prozent gewachsen. Und weil weder steigende Zinsen noch ein Ende der Notfall-Gelddruckprogramme in Sicht sind, sieht Stöferle weiterhin ein „perfektes Umfeld für Gold“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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146 Kommentare
 
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per 13.7.2012: Goldbarren 1oz

Kaufen 1326,00 steuerfrei
Verkaufen 1291,00 steuerfrei

d.h. der Goldpreis muß zumindest mal um 3% steigen damit ich ohne Verlust verkaufen kann.

Antworten Gast: ich verstehe die Leute nicht
13.07.2012 10:55
0

Re: per 13.7.2012: Goldbarren 1oz

Ja, ist Ihnen die 3 Prozent Handelsspanne nicht die "Versicherung" wert, dass ihr Geld in etwas Beständigem angelegt ist? BTW: Die 3 Prozent kompensieren sich in kurzer Zeit durch die Inflationsabsicherung, weil alle anderen Alternativen um diesen Betrag verlieren. Sie können natürlich alternativ in Sparbücher, Aktien oder Anleihen anlegen. Wenn jedoch der Euro crasht haben Sie gar nichts mehr. Wenn er nicht crasht, haben Sie hohen Inflationsverlust bzw. Kursschwankungsrisiken. Und Nebengebühren fallen auch überall an: Von der KeSt bis zu den Handelsspannen bei Wertpapieren.-- Was um Himmelswillen wollen Sie?

Re: Re: per 13.7.2012: Goldbarren 1oz

Gold ist nicht beständig. Der Wert schwankt sehr stark und ist wie bei jedem Ding, das man kaufen kann, davon abhängig, was jemand anderer dafür zahlen will.

Die 3% Spanne und die Tatsache, dass die diversen Fachleute die zu Gold raten meistens am Handel mit Gold verdienen, sind eigentlich recht gute Gründe, die Finger davon zu lassen.

Gast: @goldenen Kälber
12.07.2012 18:54
0

heart of gold

von Neil Young fällt mir bei solchen Erörterungen ein.

Antworten Gast: uhjemine
12.07.2012 21:08
0

Re: heart of gold

Das kommt davon wenn man gerade ein paar Brocken Englisch versteht: Da geht jeder Zusammenhang verloren. Nur noch das Wort "Gold" schafft einen Übergang zum Forum und dem Thema. Ein Kurs bei eine VHS scheint angebracht.

Gast: Die europäischen Brotkriege
12.07.2012 16:16
5

Physisches Gold ist so gefragt wie nie

Jeder der in Zeiten wie diesen, ein paar Kilo Gold sein Eigen nennen darf, wird sich zukünftig darüber glücklich schätzen, damit die notwendige Munition kaufen zu können.

Der Goldpreis ist in den letzten Monaten gefallen...


.....siehe Goldpreisentwicklung:

http://www.finanzen.net/rohstoffe/goldpreis

Mehr braucht man zu diesem Artikel nicht zu sagen!

Re: Der Goldpreis ist in den letzten Monaten gefallen...

Goldpreis Januar 2005:
354,33 EUR
Goldpreis Juni 2009:
675,55 EUR

Goldpreis Juni 2011:
1062,49 EUR
Goldpreis Juni 2012:
1276,17 EUR


Antworten Gast: gast1984
12.07.2012 14:34
3

Re: Der Goldpreis ist in den letzten Monaten gefallen...

Na und!

Weil sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet...


.....Nichtgenügend, setzten!

Antworten Antworten Antworten Gast: gast1984
12.07.2012 15:41
3

Re: Weil sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet...

Ach Enrico, sie sind doch nur genervt weil sie 2009 nicht gekauft haben!
SSKM!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: machmuss verschiebnix
12.07.2012 21:46
0

Re: Re: Weil sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet...

... im Nov. 1999 hätte man kaufen sollen, wer jetzt ins Gold
geht, der ist seinem eigenen Geld Feind.

Re: Re: Weil sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet...

oder weil er gar nicht imstande ist, gold zu kaufen. vermutlich einer vom typus "große klappe, nichts dahinter"..

Gast: ADVOCATUS DI
12.07.2012 12:35
0

CHART READING

Der Presse Journalist Nikolaus JILCH sollte einen einfachen Kurs in Chart-Reading absolvieren, weil:
Der Goldkurs von Physischem Gold ist de facto seit etwa 2 Monaten-UNVERÄNDERT, das gilt inklusive dem heutigen Tag bis etwa 12h Ortszeit!
In diesen 2 Monaten schwankt der Kurs regelmäßig zwischen den Eckwerten von 1550 und 1650US$/Feinunze!!
Also Herr JILCH eine einfache Frage, auch für einen Edelmetall-AMATEUR, wie kommen Sie denn darauf, dass Gold aktuell-SO GEFRAGT SEI, WIE NIE ZUVOR??!!
Ich lerne gerne als Rohstofftrader, und bitte daher um Information darüber, wie Sie diese Aussage generiert haben??

Antworten Gast: Alan G.
12.07.2012 13:29
7

Re: CHART READING

Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Der Artikel beginnt doch mit der Erklärung, was der Unterschied zwischen "Papiergold" und "physischem Gold" ist. Und dass die Preisfindung am Markt für Papiergoldderivate stattfindet. In anderen Worten: Der Kurs, auf den sie täglich starren, ist NICHT der Kurs von physischem Gold (das generell mit rund 50 Dollar Premium gegenüber Spot/Unze gehandelt wird - mancherorts auch mehr).

Goldinvestoren traden nicht, sie halten.

Antworten Antworten Gast: ADVOCATUS DI
12.07.2012 14:46
0

Re: Re: CHART READING

Noch einer, der auf geschwätzige Weise kundtut, er wüßte, wie der Edelmetallhandel/Gold funktionierte!!
Die Charts, die ich und andere Trader, auch institutionelle wie die Händler von Banken und Finanzhäusern "täglich anstarren", zu denen, haben unwissende Angeber wie Sie-GAR KEINEN ZUGANG, können Sie folgen, Alan G.??!!
Eine ganz harmlose Frage zum Abschluß: Welche Mengen Gold/Silber/Kupfer haben Sie denn in den ersten 2 Quods 2012 disponiert, im eignen Handel oder im Auftrag von Kunden!!
Ah-wie überraschend-NULL-MENGEN, wir verstehen, Sir!!
Und jetzt: Gehen Sie zurück in den Sandkasten, und spielen mit Ihresgleichen!!

Antworten Antworten Antworten Gast: Alan G.
12.07.2012 15:27
4

Re: Re: Re: CHART READING

Warum gleich so aggressiv Herr Trader? Beantworten Sie mir bitte: Haben Sie auch nur den kleinsten Barren Gold/Silber/Kupfer "disponiert" oder sind sie, so wie 99,7 % des "Goldmarktes" mit cash settlements beschäftigt. Sie müssen begreifen, dass Goldtrader und Halter von physischem Gold miteinander soviel zu tun haben wie Inflation und Hyperinflation: Das Wort, sonst nichts.

In anderen Worten: Wenn ihr Spaß endet weil die physische Nachfrage den Papiergoldmarkt zum explodieren bringt, geht der Spaß für die Halter von physischem Gold erst richtig los. Bis dahin gute Unterhaltung!

Re: Re: Re: CHART READING

Auf ihre spezial intraday-charts hat doch jeder Zugriff der sich um 20€ bei einer Forex Plattform einkauft.

Und wieviel physisches Gold haben sie Im besitzt? Ohhh wie überraschend, Null. Und jetzt:: Gehen sie zurück zu ihrer Schafherde.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: ADVOCATUS DI
12.07.2012 15:43
0

Re: Re: Re: Re: CHART READING

Eine Antwort noch, und dann beenden wir diese lächerliche Farce:
WIEVIEL: Sehr viel mehr, als Sie sich vom Einkommen Ihres ganzen Arbeitslebens werden je leisten können!!
Und jetzt trocknen Sie Ihre "Neides und Zornestränen", festeht wie laut Sie auch immer die Trommel schlagen, Sie bleiben bloß der, der Sie sind: Ein spätpupertärer Wichtigtuer, ohne eine einzige Unze Gold im Eigentum, wohl bekomms!!

Wie man die kommende Krise überleben kann ...

Vor einem Jahrzehnt noch haben die Staaten dieser Erde sich gar nicht schnell genug von ihren Goldreserven trennen können und selbige zu einem Spottpreis im Vergleich zu heute auf den Markt geworfen – und heute kaufen dieselben Staaten (natürlich von unserem Geld) dasselbe Gold zum SSSP (Super-Spekulanten-Sonderpreis) wieder zurück. Das nenne ich ein ganz schlechtes Geschäft.
Im Fall der allgemeinen Währungskrise wird das Gold – egal, ob verboten oder nicht – kaum vonnutzen sein, weil ein Bauer nicht mehr den Bedarf nach Gold wie etwa nach dem Zweiten Weltkrieg hat, sondern wahrscheinlich einen nicht mehr produzierten Traktorreifen braucht. So können wir nicht mehr Gold gegen Lebensmittel eintauschen, und wahrscheinlich auch nicht mehr andere Güter, weil Gold in der Bevölkerung mittlerweile viel zu verbreitet ist. Das Einlagern von Lebensmitteln ist wegen ihrer Verderblichkeit und wegen der Begehrlichkeiten anderer auch nicht zu empfehlen. Es steht daher zu befürchten, daß Waffengewalt ein Überlebensmittel sein wird ...

Re: Wie man die kommende Krise überleben kann ...

Vermutlich werde ich und viele andere die nächste Krise so überleben wie schon die vergangenen: Indem wir uns einfach nicht darum kümmern.
Hätte ich von der Finanzkrise 2008 nicht in den Medien gelesen/gehört, wüsste ich gar nichts davon.
Und genauso läuft es jetzt weiter. Wer in Ruhe seinen Job macht, der ist davon ziemlich unabhängig. Egal ob gerade ein Staat nicht zahlen kann und einen Schuldenschnitt braucht oder irgendwelche Immobilieninvestoren draufkommen, dass die gekauften Papiere nicht viel wert sind.

Antworten Gast: Bärenfalle...
12.07.2012 18:49
0

Re: Wie man die kommende Krise überleben kann ...

Was auch egal ist .. oder glaubt irgendwer die 200 Atommeiler in Europa mitsamt ihren aktiv zu kühlenden Abklingbecken in unverbunkerten Blechhallen in Europa kühlen sich ab Wirtschafts- und Netzkollaps selber ?

Vom Netzkollaps waren wir die letzten Monate ja auch etliche Male nicht mehr weit entfernt.

Aber der echte Österreicher macht sich ja lieber Sorgen um die Gefahren des Passivrauchens.

Oder ob er für sein Unzerl ein Sackerl Kartoffeln vom Bauern bekommen wird.

Wird er nicht, der Hof gehört nämlich der Bank und der Rest "etwa: Entfall der Geschäftsgrundlage") steht im Kleingedruckten des Kreditvertrages.

Mir scheint die wahren Folgen eines Systemkollapses innerhalb eines Landes mit 5 Millionen Menschen mehr als der Acker in einer Krise hergibt (wer daran zweifelt bitte selber nachrechnen) sind noch nicht so ganz in den Köpfen (auch der Goldbugs) angelangt.

So .. i geh jetzt Cabrio putzen.

Weil in 100 Jahren sind wir alle tot.
So oder so ;)


Re: Re: Wie man die kommende Krise überleben kann ...

Abgesehen davon, dass auch ohne Krise viele Höfe der Bank gehören: Was würde die Bank mit vielen überschuldeten Höfen tun, die praktisch niemand braucht? Die wären nichts wert.

Antworten Gast: Hans im Glück
12.07.2012 13:15
0

Re: Wie man die kommende Krise überleben kann ...

Leider haben die Bauern sich in den letzten Jahren bis über beide Ohren verschuldet.

Wenn es soweit ist werden viele in den Konkurs getrieben.

Mit dem richtigen Geld kann man dann dem Bauern des Vertrauens unter die Arme greifen und eine Partnerschaft eingehen, die für beide Seiten vorteilhaft sein wird.

Antworten Antworten Gast: EFF EFF
12.07.2012 15:26
1

Re: Re: Wie man die kommende Krise überleben kann ...

Jetzt musste ich doch einmal schmunzeln.
Der Bauer schiebt dem Banker höchstens eine Mistgabel in den Arsch. So blöd sind Bauern nicht.

Antworten Antworten Antworten Gast: Bärenfalle...
12.07.2012 18:51
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Re: Re: Re: Wie man die kommende Krise überleben kann ...

Da kommt der Anwalt mit einer Busladung bewaffneter Security und der Dorfpolizei und sie haben 24h die Hütte zu räumen.

Also in einem Rechtsstaat zumindest.

In der 2 und 3 Welt geht es diesbezüglich etwas härter zu wenn die Bauern verschwinden sollen um einer CO2 Ausgleichsplantage zu weichen.


 
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