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EuGH: Sieg für Bauern - Schlappe für Monsanto & Co.

12.07.2012 | 13:30 |   (DiePresse.com)

Europas Bauern dürfen Saatgut aus alten, amtlich nicht zugelassenen Pflanzensorten herstellen. Das ist ein Rückschlag für die Agrarkonzerne.

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Europas Bauern dürfen selbst Saatgut aus alten, amtlich nicht zugelassenen Pflanzensorten herstellen und vermarkten - regional und in geringen Mengen. Die umstrittene EU-Richtlinie verbiete dies nicht, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem am Donnerstag verkündeten Urteil. Die EU-Kommission muss jetzt das Vermarktungsverbot alter Sorten aufheben und die Mitgliedstaaten auffordern, dem zu folgen.

Nach der Saatgutrichtlinie der EU, die der EuGH heute allerdings bestätigte, müssen alle Sorten, die in den Handel kommen, in einem kostspieligen Verfahren zugelassen und in einem amtlichen Register eingetragen werden. Bäuerliche Saatgut-Netzwerke erfüllen diese Voraussetzungen für die Zulassung ihrer alten Sorten zwar nicht, regional dürfen sie die Sorten aber handeln, verwies der EuGH auf eine Ausnahmeregel.

Im Ausgangsfall war das bäuerliche französische Netzwerk Kokopelli vom industriellen Saatgut-Hersteller Graines Baumax aus Frankreich auf 50.000 Euro Schadenersatz verklagt worden, weil die Bauern mit amtlich nicht zugelassenem Saatgut handelten.

"Wer Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt"

Das Urteil ist laut "n-tv.de" eine empfindliche Schlappe für Saatgut- und Agrarkonzerne wie Monsanto, Bayer oder Syngenta, die mehr als zwei Drittel des weltweiten Saatgutmarktes beherrschen. Für Heike Schiebeck vom österreichischen Zweig der Kleinbauern-Vereinigung Via Campesina ging es in dem Verfahren um viel: "Wer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt", zitiert sie laut "n-tv.de" den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger.

Die Bauern würden durch die Saatgut-Kataloge der Agrarkonzerne immer mehr in die Abhängigkeit von diesen getrieben, sagt Schiebeck. Denn das Saatgut der Konzerne benötige für eine optimale Produktion spezielle Dünger und Pestizide. Bauern, die sich darauf eingelassen haben, würden fünfmal mehr für Dünger und Spritzmittel ausgeben, als für das Saatgut selbst, so Schiebeck "laut "n-tv.de".

"Wir brauchen die alten Saatgutsorten"

Zufrieden ist sie aber trotzdem nicht. "Das reicht uns nicht aus. Wir wollen mehr Spielraum für Handel und Tausch", sagt sie im APA-Interview. Altes Saatgut werde in eine Nische verdrängt. Der geografische und quantitative Umfang falle zu gering aus. "Das ist völlig unverständlich, weil Saatgut immer schon um den ganzen Erdball wanderte - in Europa gäbe es ansonsten nur Rüben und Erbsen." Die Mengenbeschränkung für altes Saatgut belaufe sich auf 0,3 bis 0,5 Prozent einer ähnlichen registrierten Art, so Schiebeck.

Das Registrieren der bäuerlichen Sorten sei viel zu teuer, argumentiert Schiebeck: "Wir brauchen die alten Saatgutsorten, die sich gut anpassen können - auch wegen der Klimaveränderung. Die neuen Sorten können das nicht, funktionieren nur mit viel Input, wachsen nur mit Pestiziden und chemischem Dünger."

"Erfolg im Kampf David gegen Goliath"

"Das Urteil ist ein fast unglaublicher Sieg für Landwirte, die Artenvielfalt und den Verbraucher", zitiert "Spiegel Online" Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringsdorf, den Chef der deutschen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. "Das ist ein großer Erfolg im Kampf David gegen Goliath".

(APA/AFP/phu)

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59 Kommentare
 
12
Gast: Peter otto
27.07.2012 14:31
0 0

EuGH

Stop Monsanto, BASF, Bayer, KWS, Saat AG, Syngenta, Dupont und Dow für eine Genfreie Zukunft!!!

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Wieder einmal ein Beitrag gelöscht, in den nix Böses gestanden ist ...


Hallo???

Wen schmerzt denn da der Hinweis auf die Bemühungen des Vereins Arche-Noah so sehr?

www.arche-noah.at

Die kämpften seit Jahren gegen das Verbot und dort gibt es seit langem altes Saatgut und das Gemüse schmeckt dann auch nach was.
Das Canceln kann doch nicht mit den Raiffeisen-Beteiligungen am Kurier zusammenhängen - das hieße dann nämlich mit Kanonen auf Amöben schießen!


3 0

"wen

dem menschen verboten wird für sich selbst zu sorgen, ist er nicht mehr herr seiner selbst!" zitat aus robin hood und sehr passend. ich frage mich, warum die presse diese meldung so versteckt - hat wohl nichts mit raiffeisen zu tun?

2 0

"wen

dem menschen verboten wird für sich selbst zu sorgen, ist er nicht mehr herr seiner selbst!" zitat aus robin hood. irgendwie passen!

Kontext

Im Zuge der mannigfaltigen Gefährdungen unserer Grundrechte, Demokratie und unserer Lebensweise, die erste gute Nachricht in diesem Jahr.

6 0

warum wird das als Rückschlag für die Agrarkonzerne gewertet?

es ist auch nicht als Sieg für die Landwirtschaft zu bewerten, sondern ganz einfach, dass bestehendes Recht bestehendes Recht bleibt und glücklicherweise ein Versuch, bestehendes Recht zu unterlaufen, abgewendet werden konnte.
Die Konsequenz daraus ist aber, dass solche Versuche unmöglich gemacht werden müssen.
Durch Aufklärung, durch entsprechende Gesetze, die dverbieten, dass solches jemals eingeschränkt werden könnte.

Re: warum wird das als Rückschlag für die Agrarkonzerne gewertet?

Bestehendes Recht - nämlich das Saatgut zu verwenden, das man selbst für das richtige hält - könnte kein Großkonzern der Welt einschränken.

Gesetze, die Sie nun als Lösung vorschlagen, haben diese Problematik erst erzeugt:
"Nach der Saatgutrichtlinie der EU, die der EuGH heute allerdings bestätigte, müssen alle Sorten, die in den Handel kommen, in einem kostspieligen Verfahren zugelassen und in einem amtlichen Register eingetragen werden. ..." und
"...Das Registrieren der bäuerlichen Sorten sei viel zu teuer..."

Im Ergebnis ist es immer der Gesetzgeber, der in seinem permanenten Drang den Markt zu kontrollieren den Markt sukzessive zerstört und damit Monopole begünstigt.

Antworten Antworten Gast: foodhood
15.07.2012 00:05
0 0

Re: Re: warum wird das als Rückschlag für die Agrarkonzerne gewertet?

Das der Gesetzgeber die Monopole begünstigt liegt daran, daß der Gesetzgeber durch diese Monopolisten "bezahlt" bzw. unterhalten wird.Es gibt Gesetzesvorlagen die durch die Industrie und den Monopolen Druckreif dem Gesetzgeber zur Abstimmung vorgelegt wird und Ruckzuck verabschiedet wird. Nicht umsonst nennen wir uns immer noch BRD (Bananen Republik Deutschland).Wer das meiste Bakschisch zahlt fährt hier am besten!

0 0

Re: Re: warum wird das als Rückschlag für die Agrarkonzerne gewertet?

das heißt anders, die Politiker, die dieses Befürworten, sind korrupt.
Ich meine die Saatgutzulassung in dieser teuren Form und den Ausschluss der alten erprobten durch ein teures, nicht bezahlbares Verfahren, und die Monopolisierung da nur einige wenige Firmen dies betreiben können usw)

Auch wenn sie (die Politiker) selbst es nicht so sehen.

Da werden aber viele Bauern ordentlich "Angfressn" sein

Einfache Arbeit, vom Saatgutherstelle und der chem. Industrie mit der Stopuhr vorgegeben, ohne Hirn halt. Die Landwirte die ihren Beruf und die Qualität ihrer Produkte als etwas besonderes erachten werden jubeln.

gut so

die meist amerikanischen Saatguthersteller haben kein Gewissen

und keinerlei Verantwortung gegenüber der Menschheit

keine Gnade

3 0

Re: gut so

Monsanto ist aus Amerika,
Bayer jedoch aus Deutschland
und Syngenta aus der Schweiz. ;)

Monopolisierung

Saatgut, daß nicht von alleine wächst (so wie natürliche Sorten) sondern mit erheblichen chemischen Aufwand zum wachsen gebracht wird ist ein Verbrechen an der Menschheit und gehört verboten.
Alteingesessene Sorten die nicht patentierbar sind zu verbieten ist genau so ein Verbrechen.
Das sollte sich die EU einmal klar machen, nicht ob Bananen gerade sein müssen oder krumm sein dürfen.
Diese Konzerne sind Weltgefährdend !

Gast: Gast 2012
12.07.2012 17:37
9 0

die unkontrollierbare Verfilzung von Politik und Wirtschaft

zeigt sich auch hier. Zwei Drittel des Saatgutmarktes beherrschen einige wenige Konzerne. Die Politik hat dazu die entsprechenden Gesetze geschaffen. Daselbe Spiel bei den Pflanzenschutzmitteln, auch hier beherrschen wenige Konzerne den Markt. Mit dem ESM-Vertrag schaffen die Politiker eine neue alles beherrschende Bank gegen die der kleine Bürger keine Chance hat. All das ist nur möglich weil der Bürger kein Mitspracherecht hat und immer stärker von direkten Entscheidungen ausgeschlossen wird. Das Vertrauen in die Politik ist nicht mehr gegeben!

Gast: Korrupter
12.07.2012 16:49
17 0

Monsanto ist Dreck

Wacht endlich auf.

3 0

Re: Monsanto ist Dreck


Verbrecher.


Re: Re: Monsanto ist Dreck

Und warum sollte der werte Gast ein Verbrecher sein?

2 0

Re: Re: Re: Monsanto ist Dreck

ich nehme an, ann89 meint Monsanto damit

ich verstehe das ganze nicht

1. gibt es tatsaechlich nur 3 saatguthersteller und alle sind skrupellose gen-manipulierer nur zum zweck noch mehr gewinne zu machen?

1a. gibt es keine alternativen oeko saatguthersteller order mehr lokale kleinere unternehmen?

1.b. wenn dies so ist, warum hat noch keine wettbewerbs oder gesundheitsbehoerde der welt etwas dagegen unternommen (bitte jetzt nicht mit lobbying und korruption antworten, das hat der tabakindustrie auch nicht geholfen)

1.c. warum gibt es keine erfolgreichen ngo getriebenen gegenkampagnen.

2. gibt es irgendetwas gutes an dem modernen konzernsaatgut.

3. warum interessiert sich keine partei dafuer. die gruenen, oevp....?

Antworten Gast: Simone Helferich
13.07.2012 14:13
1 0

Re: ich verstehe das ganze nicht

In Amerika sitzen die Verbrecher überall mitten drin. George H.W. Bush hat z.B. zugelassen, daß Lebensmittelfirmen nicht verpflichtet sind, gentechnisch manipulierte Stoffe bei ihren Produkten anzugeben. Momentan verklagt Monsanto den Staat Vermont, weil die Staatbewohner dies eben verlangen und Monsato hat eindeutig etwas dagegen.
Die FDA in Amerika ist auch von Zionisten kontrolliert, die die Welt unter ihre Kontrolle bringen wollen. Das ist kein Geheimnis.

Re: ich verstehe das ganze nicht

1a, Ja die drei Hersteller haben 99% des Marktes und nutzen das voll aus. Monsanto verklagt z.b. in den USA Bauern deren Felder durch Monsanto Saaten kontaminiert wurden auf zahlung von Linzensgebühren. Die Bauern nutzen kein Monsanto, nur deren Nachbarn.
1. b. Monsanto wird durch die US-Regierung geschützt. Bei den anderen beiden liegt ebenfalls der Verdacht nahe das diese durch Regierungen geschützt werden.
1c. Weil keiner ein chance hat. die drei haben nahezu 100% aller Patente an Pflanzen und Saatgut.
2. Nein gibt es nicht. Zumal Monsanto dazu übergeht sogenannt Terminatorsaat zu verkaufen. Die wachsen 1 Jahr und gehen dann ein, vermehren kann man die Saat nicht.
3. Das weis der Teufel.

1 0

Re: ich verstehe das ganze nicht

es ist ja eigenartig und höchst bedenklich, dass die Kartellbehörde hier noch nicht, oder besser noch nie tätig geworden ist.

Oder gehören die auch zum Klüngel?

6 0

warum gibt es keine erfolgreichen ngo getriebenen gegenkampagnen.

Also so wie die NGO's normalerweise arbeiten, dürften sie eher von irgendeinem US-Dienst engagiert sein! Da geht es natürlich nicht, daß man Aktivitäten setzt, die evtl. Monsanto schaden könnten!

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Re: warum gibt es keine erfolgreichen ngo getriebenen gegenkampagnen.

weil die vermutlich auch zum Klüngel gehören

7 1

EuGH: Sieg für Bauern - Schlappe für Monsanto & Co.

na mal sehen, wann dieses Urteil wegen was auch immer, aufgehoben werden wird !?

Voriges Jahr noch vernahm man aus Brüssel, dass Genmais unbedenklich sei und überall vorerst als Futtermittel eingesetzt werden sollte ..... in einigen Monaten wird es neue Kennzeichnungspflichten bedürfen um genau diesen heute augenscheinlichen Erfolg, adsurdum führen zu können.
Darüber wird halt dann auch nirgendwo berichtet, und damit hat sichs auch schon.

Hauptsache, das Volk ist heute zufrieden das es etwas lesen darf was eigentlich schon gestern wieder ermöglicht wurde ;-)

Oder glaubt wirklich jemand, dass sic hsolch Kionzerne derart einfach geschlage ngeben und LEute wie Pröll jun. Berlakovic oder Gio Hahn mitdurchfüttern wenns keine ERFOLGSCHANCEN GÄBE ??

Gast: Stadtfarmer Okin
12.07.2012 15:52
16 0

Danke EuGh!

Danke aber auch an Vereine wie die Arche Noah, die sich vehement gegen derartigen Schwachsinn zur Wehr gesetzt haben. Wo kommen wir hin, wenn wir die Verantwortung für die Wurzeln der Nahrungsmittelversorgung rein wirtschaftlich orientierten Konzernen überlassen. Vor allem: wozu?
Ein großer Sieg gegen die Dummheit und die Gier!

 
12

Hobbyökonom