Der unerwartete Abgang von Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke schürt beim angeschlagenen Autobauer Opel wieder Ängste vor einem Kahlschlag. Der Bochumer Betriebsrat warnte am Freitag vor einer erneuten Diskussion über Werksschließungen - Bochum galt schon vor dem unerwarteten Rückzug Strackes als einer der ersten Streichkandidaten bei dem defizitären Autobauer, der an teuren Überkapazitäten leidet.
Insider sind überzeugt, dass die US-Mutter General Motors einen Nachfolger inthronisieren wird, der härter durchgreift. Als heißester Kandidat für den Chefposten gilt derzeit Strategievorstand Thomas Sedran. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung werden auch Opel-Produktionsvorstand Peter Thom Chancen eingeräumt. Das Management der Opel-Mutter habe nicht mehr daran geglaubt, mit Stracke an der Spitze die Wende bei Opel zu schaffen, berichtete das Boulevardblatt unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Gnadenfrist für Bochumer Werk
Stracke war zuletzt von seinen ursprünglichen Plänen abgewichen, den Standort Bochum 2015 dichtzumachen. Im Gegenzug für einen Lohnverzicht der Arbeitnehmer wollte er dem Werk zwei Jahre Gnadenfrist einräumen. Gespräche mit den Gewerkschaften und Betriebsräten sollten im Oktober abgeschlossen sein.
Quer durch die Parteien und Bundesländer werden Zweifel laut, ob Stackes Kompromiss-Plan - der Investitionen statt Kündigungen vorsah - nun noch Gültigkeit besitzt. So appellierte etwa der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) am Freitag Opel, den bisherigen Kurs nach dem Stracke-Rücktritt fortzusetzen. Die offensive Strategie müsse beibehalten werden: "Wir werden als Politik darauf achten, dass die Opel-Standorte in ihren Interessen nicht gegeneinander ausgespielt werden."
Die IG Metall stellt sich bereits auf eine 180-Grad-Wende in der Unternehmensstrategie ein. Gewerkschafts-Chef Berthold Huber sagte am Freitag: "Für die IG Metall, Betriebsräte und Opel-Beschäftigte ist nur ein Zukunftskonzept tragfähig, dass keine Schließung von Standorten vorsieht und die Belegschaften mit ihrer Kompetenz beteiligt." Es gehe um nicht weniger als die Zukunft von Opel insgesamt. Der Chef des Betriebsrats Bochum, Rainer Einenkel, warnte vor einer "Kahlschlagpolitik": "Wir brauchen dringend eine Öffnung der außereuropäischen Märkte und eine neue Modelloffensive", unterstrich der Arbeitnehmervertreter.
Experten kritisieren Betriebsräte
Experten sehen in der Haltung der Arbeitnehmervertreter seit Jahren einen Grund für die Misere bei Opel. Wolfgang Meinig von der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag: "Ich verzweifele an der Hartnäckigkeit der Betriebsräte, die Personalbestände zementieren wollen. Denn das kostet in letzter Konsequenz sehr viele Arbeitsplätze." Opel fährt seit Jahren Verluste ein. Wegen der Absatzkrise in Europa leidet der Hersteller zudem unter enormen Überkapazitäten.
(APA/dpa)
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