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Opel steht ein harter Sanierungskurs ins ruinöse Haus

13.07.2012 | 18:28 |   (Die Presse)

Opel-Chef Stracke musste gehen, weil die Absätze dramatisch einbrechen. GM verliert die Geduld mit dem europäischen Sorgenkind und glaubt nicht mehr an einen Wachstumskurs mit Standortgarantien.

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Berlin/Gau. Mit Adam Opel hat alles begonnen, vor 150 Jahren. Mit dem Opel Adam soll ein Neustart gelingen. Große Hoffnungen setzt man in Rüsselsheim auf den eleganten Kleinwagen, der Anfang 2013 in den Handel kommt. Neue Modelle, hohe Investitionen: Karl-Friedrich Stracke wollte vor allem durch Wachstum sanieren und überredete Ende Juni den Aufsichtsrat zu seinem Konzept.

Überkapazitäten sollten gefüllt werden, indem einige Modelle künftig in Europa statt in Südkorea produziert werden. Dafür war keine Rede mehr von Werkschließungen und Stellenabbau. Im Gegenteil: Betriebsräte und Politiker wurden mit Standortgarantien bis Ende 2016 zufriedengestellt. Das sollte Aufbruchsstimmung vermitteln, neues Vertrauen schaffen, die durch Negativschlagzeilen schwer angeschlagene Marke stärken.

Keine zwei Wochen später ist Stracke als Opel-Chef Geschichte. Er wird von Konzernmutter General Motors aufs Abstellgleis einer „Sonderaufgabe“ verschoben, womöglich gar nach Russland verbannt. Und damit dürfte auch sein mühsam ausgehandelter Plan trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht mehr gelten. Stattdessen erwartet Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer einen scharfen Wind aus Übersee: „Jetzt kommt die knallharte Sanierung. Mitarbeiter werden rausgeschmissen, Werke geschlossen.“ Sogar der komplette Rückzug aus Europa sei denkbar – das Ende der Marke Opel?

 

Fünf Chefs in zehn Jahren

Fest steht: Führungswechsel haben in Rüsselsheim eine unrühmliche Tradition. In den vergangenen zehn Jahren haben die Opelaner fünf Chefs kommen und gehen sehen. Auch Strackes Abgang kommt nicht überraschend, aber überraschend plötzlich. Nicht einmal einen Nachfolger gibt es, GM-Vize Stephen Girsky übernimmt interimistisch die Geschäfte. Als Favorit gilt der neue Strategievorstand Thomas Sedran. Der 47-Jährige ist ein ehemaliger Unternehmensberater – also einer, dem harte Einschnitte vertraut sind.

Was hat Stracke den Kopf gekostet? Vermutlich die katastrophalen Verkaufszahlen. Schon im Vorjahr brachen die Absätze um 20 Prozent ein, der Verlust betrug 573 Mio. Euro. Und die Talfahrt geht weiter: Im ersten Halbjahr gingen wieder um acht Prozent weniger Fahrzeuge von den Opel-Bändern. Die Eurokrise allein kann nicht schuld sein. Denn im konsumfreudigen Heimmarkt Deutschland sind die Rückgänge noch höher, und im krisengebeutelten Südeuropa geht es Opel noch schlechter als der Branche im Schnitt.

In Detroit ist man mit der Geduld am Ende. 14 Mrd. Dollar hat GM in den vergangenen zehn Jahren in Europa verbrannt. Der Druck kommt von der Öffentlichkeit: Immer noch gehören, als Spätfolge der Notverstaatlichung von 2009, über 26 Prozent der GM-Anteile dem Staat. Für amerikanische Steuerzahler und Aktionäre liegen die Dinge klar: Sie hören oft von der Schließung unrentabler Autowerke in den USA. Deshalb haben sie kein Verständnis dafür, dass dieses Thema in Europa tabu ist – und sie dafür büßen sollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)

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2 Kommentare

Genau meine Meinung, Hr. Fremdschämer...

Da es offensichtlich nicht geklappt hat - mit dem Kommentar, schreibe ich nochmal in leicht veränderter Form:

Bereits seit längerer Zeit verfolge ich das "Trauerspiel" in den Medien und die Mutmaßungen von gewissen Leuten. Was der Hr. Dudenhöfer erzählt, tritt meist NICHT ein. Insbesondere die Medien sollten sich etwas zurückhalten und nicht gleich jeden unnötigen "Schmarrn" berichten. Vor allen sollte sensibler mit Informationen umgegangen werden. Es wäre es sinnvoll, zu schauen, woher diese Informationen kommen!!
Opel wird von allen schlecht geredet. Dass jedoch sehr gute Autos (meiner Meinung deutlich bessere Qualität als VW, Seat Skoda, Ford Kia, Hundai, u.v.m.) gebaut werden, kommt durch die Dummschwätzerei der oben genannten (und anderer) nicht bei den Kunden an.

Und noch was. Aufgrund der derzeitigen Wirtschaftslage sollten Kunden auch bedenken, WAS sie kaufen. Asiatische, oder doch lieber regionale Produkte - im Hinblick auf die hiesige Arbeitsplatzsicherung?
Opel hat z.B. in Wien-Aspern ein großes Motoren- und Getriebewerk und sichert dort etwa 1.500 Arbeitsplätze!

Herr Dudenhöffer

ist ungefähr so qualifiziert wie meine Erbtante, wenn es um das Automotive-Business geht: Er kennt keine Entscheidungsgremien und deren Besetzung bei GM, hat keine Ahnung von den Strategien und ( so wie auch viele Schreiberlinge) keine Ahnung von Wirtschaftsrecht. Ein Aufsichtsratsvorsitzender einer AG KANN nicht gleichzeitig CEO sein-er würde sich dann selbst kontrollieren (das geht nur in der öst. Politik :-) ohweh, so viel geistige Liftverschmutzung in diesen Tagen...

Hobbyökonom