Marissa Mayer wird neue Chefin des US-Internetkonzerns Yahoo. Mayer, die bisher für den Konkurrenten Google arbeitete, ist bereits der dritte CEO von Yahoo binnen einem Jahr. Sie nimmt am Dienstag ihre Arbeit auf, wie Yahoo am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte. Sie fühle sich "geehrt" und sei "überglücklich", erklärte Mayer am Montag. Über Twitter teilte die frischgebackene Yahoo-Chefin mit, dass sie und ihr Ehemann im Oktober Nachwuchs erwarten. Ihr Mutterschutz werde sich nur auf wenige Wochen beschränken und sie werde auch während dieser Zeit arbeiten, schrieb Mayer. Sie habe diese Mitteilung dem Yahoo-Direktorium bei den Vertragsgesprächen natürlich nicht vorenthalten.
Im Mai war ihr Vorgänger Scott Thompson, der vom Ebay-Bezahldienst PayPal gekommen war, nach knapp sechs Monaten im Amt wegen eines Streits über seine akademische Ausbildung zurückgetreten. Er hatte Carol Bartz abgelöst. Sie wurde im September entlassen, da es ihr nicht gelang, dem Unternehmen neuen Schwung zu verleihen.
Überraschende Entscheidung
Mayer war eine der ersten Mitarbeiterinnen bei Google und maßgeblich an der Entwicklung der Google-Suchmaschine beteiligt. Ihre Ernennung kommt überraschend. Weithin war erwartet worden, dass Yahoos Interims-CEO Ross Levinsohn den Posten übernimmt.
Die nun bestellte Chefin war Mitarbeiterin Nummer 20 bei Google. Sie fing vor 13 Jahren bei der aufstrebenden Internetfirma an und verantwortete lange Zeit das wichtige Suchmaschinen-Geschäft. Sie gilt als verantwortlich für das schlichte Design der Website. Zuletzt leitete die 37-Jährige die Geo-Dienste und lokalen Services bei Google. Sie habe eine "fantastische Zeit bei Google gehabt", sagte Mayer der "New York Times", die als erstes über den Wechsel berichtet hatte. Es sei aber letztlich eine "ziemlich einfache Entscheidung" gewesen, den neuen Job anzutreten. Yahoo sei schließlich eine der besten Marken im Internet.
Yahoo auf absteigendem Ast
Nach den ersten Berichten von der Ernennung Mayers stieg der Kurs der Yahoo-Aktie um 3,3 Prozent. Nach Einschätzung von Analysten braucht der Konzern nun vor allem Stabilität: Der Internet-Pionier steht im überlebenswichtigen Werbegeschäft unter enormen Druck - ausgerechnet vonseiten Googles. Bei der Internetsuche hatte sich Yahoo bereits mit dem Software-Konzern Microsoft verbündet.
Laut "New York Times" hat Marissa Mayer erst am Montagnachmittag per Telefon gekündigt. Sie war neben den zwei Gründern Larry Page und Sergey Brin sowie dem langjährigen Konzernchef und jetzigen Verwaltungsratsvorsitzenden Eric Schmidt eines der wenigen bekannten Gesichter von Google.
(APA/dpa)


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