Microsoft und die EU, das bleibt eine höchst angespannte Beziehung. Nachdem der EU-Gerichtshof in Luxemburg vor einigen Wochen eine hohe Geldbuße wegen zahlreicher Verstöße gegen das EU-Wettbewerbsrecht in fast voller Höhe bestätigt hatte, gab es am Dienstag den nächsten Rüffel. Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gab die Eröffnung eines neuen Verfahrens bekannt. Der Softwarekonzern habe ein gegenüber der Kommission gegebenes Versprechen gebrochen. Im Dezember 2009 schwor Microsoft, fortan in seinem Betriebssystem Windows stets ein Bildschirmfenster zu installieren, das seinen Kunden die Wahl alternativer Browser ermöglicht.
Auf diese Weise ersparte sich Microsoft eine weitere Geldbuße. Denn die Wettbewerbshüter argwöhnen, dass Microsoft durch die automatische Vor-Installation des hauseigenen Browsers klammheimlich die Konkurrenz abwürgen will.
Alles nur ein Versehen?
Eine salomonische Lösung. Doch ab Februar 2011, als Microsoft das Service-Pack-1 für Windows7 einführte, war der Auswahlbildschirm plötzlich weg. „Als Ergebnis davon haben rund 28 Millionen Benutzer diesen Bildschirm nicht mehr gesehen“, kritisierte Almunia. Zudem hatte Microsoft weiterhin nach Brüssel gemeldet, sich an die Regeln der Vereinbarung zu halten.
Am Dienstag jedenfalls entschuldigte sich Microsoft und gab bekannt, dass ihm ein Versehen unterlaufen sei. Ob das stimmt oder nicht, dürfte allerdings weniger wichtig sein als die Vorbildwirkung, welche die einst gütliche Einigung zwischen Kommission und Microsoft auf andere Vereinbarungen hat. Almunia kündigte nämlich an, fortan vergleichbare Abkommen mit der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor's und dem französischen Elektrizitätskonzern EDF unter die Lupe zu nehmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)
Inflation, Hyperinflation oder Deflation?Mag. Zareh Mossessian, Trainer der Wiener Börse Akademie
Wenn Ökonomen irren ''Nach Öl bohren? Verrückt''
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet
UrlaubÖsterreicher im EU-Ranking voran