Der börsenotierte Anbieter von Mautsystemen, die Kapsch TrafficCom, plagt sich mit Problemen in Südafrika. Dort hätte die Firma bereits im April eines „unserer wirklich großen Projekte“ in Betrieb nehmen sollen, wie Firmenchef Georg Kapsch am Dienstag sagte. Die Opposition brachte jedoch eine Verfassungsklage gegen das Mautsystem ein. Bestenfalls erfolgt die Inbetriebnahme nun im August. Schlechtestenfalls gar nicht.
Mehrere hundert Mitarbeiter seien in Südafrika beschäftigt, erklärt Kapsch. Hinzu kommt die Investitionssumme, deren exakte Höhe der Firmenchef nicht verraten will. Als Folge belastet die Verzögerung die Bilanz von Kapsch TrafficCom. Im Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen operativen Gewinn von 42,2 Mio. Euro – nach 48,9 Mio. Euro im Vorjahr. Der Nettogewinn reduzierte sich von 28,4Mio. Euro auf 27,5Mio. Euro. Der Umsatz erhöhte sich um mehr als ein Drittel auf 549,9 Mio. Euro.
Hohe Forschungsinvestitionen
Firmenchef Kapsch, seit Kurzem auch neuer Präsident der Industriellenvereinigung, spricht von einem „erfolgreichen Jahr“. Der Gewinnrückgang sei nur zum Teil durch die Verzögerung in Südafrika zu erklären. Vielmehr wirkten sich auch hohe, bereits verbuchte Investitionen in Forschung und Entwicklung auf das Ergebnis aus. Die gesamte Kapsch-Gruppe, zu der TrafficCom 55Prozent des Umsatzes beiträgt, investierte im abgelaufenen Geschäftsjahr 84,8 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung.
Die Aktie des Unternehmens legte am Dienstag leicht zu und notierte bei 60,2 Euro. Kapsch betonte bei der Bilanzkonferenz, dass sich die Aktie für „kurzfristige Spekulationen“ nicht eigne. Er empfehle Aktionären, das Papier langfristig zu halten. Der Vorstand will der Hauptversammlung eine Dividende von 90 Cent vorschlagen – um zehn Cent weniger als im vergangenen Jahr. Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr will Kapsch nicht abgeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)
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