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Warum Investoren der Republik Österreich Geld schenken

17.07.2012 | 18:30 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Seit Anfang der Woche erleiden Anleger auch bei zweijährigen Staatsanleihen nominelle Verluste. Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung ziehen Investoren Geld aus Südeuropa ab und borgen es Österreich.

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Wer Geld verleiht, erhält dafür Zinsen. Das ist eine Grundregel des marktwirtschaftlichen Systems. Seit einigen Monaten wird diese Regel bei Staatsanleihen Österreichs sowie anderer mittel- und nordeuropäischer Länder jedoch auf den Kopf gestellt. Denn die Investoren müssen mitunter negative Nominalzinsen hinnehmen: also Geld bezahlen, um Geld verleihen zu dürfen.

In Österreich traf das bislang nur auf Papiere mit einer kurzen Laufzeit von sechs Monaten oder einem Jahr zu. Seit Anfang der Woche liegen aber auch erstmals die Zinsen zweijähriger Staatsanleihen im negativen Bereich. Der Grund dafür ist die allgemeine Verunsicherung der Investoren in Europa. „Anleger investieren ihr Geld nicht mehr im Ausland – vor allem nicht mehr in den Ländern der südeuropäischen Peripherie“, sagt Jörg Angele, Analyst bei Raiffeisen Research. Sobald italienische oder spanische Anleihen abreifen – das einst verliehene Geld also am Ende der Anleihenlaufzeit vom Staat zurückbezahlt wird –, ziehen österreichische Investoren ihr Geld aus diesen Ländern ab und investieren es hierzulande.

 

Gut für Norden, schlecht für Süden

Nach heimischen Anleihen gibt es somit sukzessive mehr Nachfrage, weshalb die Zinsen stetig sinken und inzwischen zum Teil im negativen Bereich angekommen sind. Gleichzeitig gibt es in den südlichen Euroländern immer weniger Nachfrage nach Anleihen, weshalb die Zinsen steigen. Für die Staaten ist das ein Problem, da sie die Rückzahlung ihrer Altschulden nur durch neue Schulden finanzieren können. Um diesen Druck zu lockern, warf die EZB in den vergangenen Monaten mehrmals die Notenpresse an und gab den europäischen Banken günstige Finanzspritzen, die diese zum Teil in Staatsanleihen investierten. Indirekt finanziert die EZB so die Staatsschulden Südeuropas.

Für die heimischen Negativzinsen ist die EZB-Geldschwemme kein direkter Grund. Dies wäre für die Banken auch kein Geschäft, da sie der Zentralbank Zinsen in Höhe des Leitzinses (derzeit 0,75 Prozent) zahlen müssen. Allerdings sorgte eine andere Entscheidung der EZB für mehr Nachfrage nach Staatsanleihen sicherer Länder: So zahlt die Zentralbank seit einigen Wochen für sogenannte Übernachteinlagen gar keine Zinsen mehr. Dies führte dazu, dass viele Investoren ihr Geld aus Frankfurt abzogen und neue Anlagemöglichkeiten suchen.

Doch warum investiert jemand überhaupt in eine Anlage, für die er negative Zinsen zahlen muss? Dafür gibt es mehrere Gründe, so Angele. Manche Investoren – etwa Pensionsfonds – sind verpflichtet, einen Teil des Geldes in besonders sicheren Anleihen zu halten. Da sie sich aufgrund des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus nicht zu lange binden wollen, beißen sie in den sauren Apfel und kaufen eben die kurzfristigen Staatsanleihen Österreichs, die sogar negative Zinsen bringen.

 

Keine Alternativen mehr

Aber auch für Anleger, die nicht heimische Anleihen kaufen müssen, kann es – wenn sie Sicherheit suchen – kaum weitere Alternative geben. So könnten sie zwar ihr Geld auch einfach bei einer Bank deponieren. Geht diese jedoch in Konkurs, ist das Geld verloren (die staatliche Einlagensicherung gilt für institutionelle Anleger in der Regel nicht). Daher gehen die Investoren das Risiko nicht ein. Diese Einschränkungen gelten auch für Übernachteinlagen bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, da auch diese über eine Geschäftsbank erfolgen müssen.

Und warum nutzt der Staat die Negativzinsen nicht, um Geld aufzunehmen und teurere Altschulden zurückzuzahlen? „Theoretisch wäre das möglich“, heißt es bei der Bundesfinanzierungsagentur. Allerdings ist bei der Planung der Schulden nicht nur der Zins entscheidend, sondern auch die Laufzeiten. „Der Staat will jedes Jahr etwa gleich viel zurückzahlen, um kein Klumpenrisiko zu bilden“, so Angele. Durch ein plötzliches Ausgeben vieler kurzlaufender Anleihen mit negativen Zinsen würde diese Planung durcheinandergeraten. Zudem würde eine Ausweitung des Anleihenangebots auch Auswirkungen auf die Zinsen haben – sie würden steigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)

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9 Kommentare
Gast: klaus3
18.07.2012 19:38
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Noch

vor einem Jahr war nach Meinung unserer Regierung unser Land nahe dem Bankrott.

Fonds, die gezwungen sind, um jeden Preis Staatsanleihen zu kaufen, reichen als Erklärung für Österreichs negativen Zinssatz nicht aus!

Eine bessere Erklärung ist, dass die Anleger überzeugt sind, dass es den Euro in seiner heutigen Form nicht mehr lange geben wird.

Nach dem Euro-Zusammenbruch werden sich Deutschland, die Niederlande, Finnland und wahrscheinlich auch Österreich zu einem Hartwährungsblock zusammenschließen und einen "Nordeuro" als gemeinsame Währung einführen.

Diese neue, stabile Währung würde dann gegenüber heute stark aufwerten, wodurch die Verluste, die in ein oder zwei Jahren mit Anleihen dieser Hartwährungsländer (nicht nur zweijährige, sondern auch solche mit längerer Laufzeit haben einen sehr niedrigen Zinssatz) gemacht werden, mehr als ausgeglichen würden!

Gast: Turnaround girl
18.07.2012 11:02
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Die Titel müsste lauten: Warum der Staat nicht selbst Geld schafft.

- im Text müsste dann die Geldschöpfung des Staates beleuchtet werden, warum der Staat so abhängig von Anderen ist.

Gast: Gruftmaus
18.07.2012 09:40
1 1

NOCH ist Zeit

Waffen kaufen, Selbstversorgung anstreben, Wehrgemeinschaften bilden, einbunkern.
Bald gehts los.

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Finanzielle Repression, nennt man diese Politik


WER bitte investiert noch in den PIIGS Staaten, wenn er damit rechnen muss, dass er dort vielleicht einen großen Teil des Kapitals in einer Währungsreform verliert?
Diese Länder sind dem Tod geweiht, so lange sie im Euro sind.

Der Staat finanziert sich bei uns zu unmoralisch niedrigen Zinsen, weil die Investoren ratlos sind.

Wer denkt, dass die Regierungen ihr Schuldenproblem bald im Griff haben, der sollte so weiter tun. Wer jedoch denkt, dass Regierungen weiter an Vertrauen verlieren und uns immer weiter da hineinreiten, der sollte ein wenig Gold besitzen und damit den Regierungen das Vertrauen entziehen.

Negative Realzinsen sind Diebstahl am Sparer und daher unmoralisch. Aber es passt zu diesem System.


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Pensionsfonds verschenken Geld an Staat

Spätestens jetzt müßt jedem Privaten klar sein, dass es besser ist selbst für die Pension vorzusorgen und nicht über eine Pensionskassa (die dem Staat Geld schenkt).

Vorsorge mit Bankkonten, Staatsanleihen und Bargeld macht aber auch für Private keinen Sinn, wenn es zum Euro-Crash kommt.

Daher unbedingt in die Wohnung / Eigentumshaus investieren oder Rohstoffe kaufen (Heizmaterial, Lebensmittel, Gold/Silber, Schmuck) oder in Bildung & Kinder investieren oder das Geld einfach ausgeben und ein schönes Leben führen.

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Re: Pensionsfonds verschenken Geld an Staat

Von Immobilien, die man nicht selbst nutzt, würde ich abraten. Da wird sich der Staat mit Sicheheit über Zwangsanleihen zuerst vergreifen.

Besser sind da schon Diamanten. Die kann man gut verstecken und die sind, im Gegensatz zu Gold, sehr klein und leicht, wenn man einmal genug hat und wo anders hin geht.

Re: Diamanten

gute Idee !
Die können Sie dann im Notfall bei mir gegen ein paar Kilo Gemüse tauschen.

Gast: 1. Parteiloser
17.07.2012 19:32
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Lebens- und Pensionsversicherungen müssen in Staatsanleihen anlegen!

Nur so können sich die Staaten Europas, in Verbindung mit der EZB, überhaupt noch finanzieren.

Es gibt aber viel zu viel Geld, welches angelegt werden muss, also gehen die Zinsen in den nominellen negativen Bereich, real waren die Zinsen schon länger negativ.

Das muss einfach nur heftige Verluste für die Inhaber von Lebens- und Pensionsversicherungen bedeuten. Wenn das so weiter geht, dann können wir um Durchschnitt von min. 10% p.a. ausgehen. In 6 Jahren haben diese Sparer dann 50% vom Ersparten verloren!

Das ganze Spiel ist auch genauso geplant und genau deshalb hat die EZB auch die irre Geldschöpfung betrieben. Es geht darum diese Wert von Privat indirekt auf die Staaten umzuleiten und so den umfassenden Zusammenbruch der Eurostaaten zu verhindern. Weil aber die Staaten immer noch steigende Staatsausgaben haben, schneller steigend als das Wirtschaftswachstum und die Teuerungsrate, so wird es auch keine Lösung sein sondern nur eine Verzögerung des Zusammenbruchs.

Es geht in der Eurozone schon um Staatsschulden, welche auch offiziell die 10 Billionen Schallmauer durchbrechen werden. Das einnahmenseitige Sparen wird Europa den Rest geben, weil die produktive Realwirtschaft, zur Versorgung der Gesellschaft, vollkommen demontiert wird.

Das Beamtendespotentum in Europa, samt deren kranken Planwirtschaften (Förder- und Frühruhegenusswahnsinn) wird Europa ins Elend führen.

Hobbyökonom