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Das "Googirl" muss Yahoo retten

17.07.2012 | 18:30 |   (Die Presse)

Yahoo angelt sich mit Marissa Mayer schon die dritte Chefin in einem Jahr. Das Google-Urgestein ist nicht die einzige Frau, die derzeit im Silicon Valley ganz nach oben kommt.

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Von wegen es gibt keine Frauen in der Technik. Im Silicon Valley übernehmen Chefinnen das Ruder. Jüngstes Beispiel: Marissa Mayer. Wäre ihre Geschichte nicht wahr, Frauenbeauftragte rund um die Welt müssten sie erfinden. Sie beginnt im Jahr 1999, als sie als erste Entwicklerin beim Internetkonzern Google anheuerte. Und sie erreichte Montagnacht ihren vorläufigen Höhepunkt: Die 37-jährige Mathematikerin verlässt Google und wechselt an die Spitze von Yahoo.

Sie soll nun das Unternehmen retten, das sie in den vergangenen 13 Jahren von der digitalen Spitze vertrieben hat. Als sie bei Google anfing, führte der Konzern gerade Nutzerumfragen durch, erinnert sich die Informatikerin mit dem Spezialgebiet Künstliche Intelligenz: „Damals kannten die Menschen den Unterschied zwischen Yahoo und dem Internet nicht.“

Tatsächlich war das von Jerry Yang und David Filo gegründete Unternehmen lange Jahre die erste Adresse im Internet. Mit dem Aufstieg von Google und zuletzt auch Facebook änderte sich das aber schlagartig. Heute zehrt der Konzern in erster Linie von seinem bekannten Namen. Zwar kommen immer noch 700 Millionen Nutzer auf die Seite. Dennoch kämpft das Unternehmen mit einer wachsenden Bedeutungs- und Orientierungslosigkeit. Einst mit 100 Milliarden Dollar bewertet, waren die Anteile an der Börse zuletzt nur noch einen Bruchteil davon wert.

 

Mitarbeiterin Nummer zwanzig

Zum schlingernden Kurs des Internetveteranen passt auch das Sesselrücken in der Chefetage. Mayer ist der fünfte Yahoo-Boss in fünf Jahren, der dritte allein im vergangenen Jahr. Der Vor-Vorgänger, Scott Thompson, stolperte zuletzt über Fehler im Lebenslauf. Im Mai trat der frühere eBay-Manager wegen falscher Angaben über sein Studienfach zurück. Eigentlich galt es im Silicon Valley als ausgemacht, dass Interimschef Ross Levinsohn zum permanenten Vorstandschef ernannt werden soll.

Doch Yahoo entschied sich für Mayer und landete, zumindest in den Augen der meisten Beobachter, damit einen Coup. Denn Mayer ist nicht irgendeine Google-Mitarbeiterin, bis Montag trug sie den Dienstausweis mit der Nummer zwanzig. Als langjähriges Google-Mitglied kennt sie die großen und kleinen Geheimnisse des Yahoo-Konkurrenten in- und auswendig.

Und sie hat, was Yahoo am dringendsten fehlt: Ein Händchen für Menschen. Egal, ob es dabei um die Entwicklung der Talente ihrer Mitarbeiter oder um den größten Nutzen für die Kunden geht. Bei Google war Mayer unter anderem mitverantwortlich für die puristische Suchmaske des Konzerns, trieb Produkte wie Google News, Bilder oder Gmail voran. Zuletzt war Mayer zur Chefin des Geschäfts mit ortsbezogenen Diensten und Karten ernannt worden.

 

Googles sympathisches Gesicht

Als sympathischstes Gesicht des Datensammlers aus Mountain View vertrat das „Googirl“ den Konzern oft nach außen. Doch in den Kreis der engsten Führungskräfte schaffte sie es unter dem Google-Gründer Larry Page, mit dem Mayer drei Jahre lang liiert war, bis zuletzt nicht. „Wir werden ihre Talente bei Google vermissen“, streute Page am Dienstag Rosen.

Mayer ist nicht die erste Frau, die in der Technikwelt zuletzt in die erste Reihe getreten ist. Meg Whitman ist Chefin von Hewlett Packard, Ginni Rometti führt IBM, Padmasree Warrior steht an der Spitze von Cisco, und mit Sheryl Sandberg verlor Google erst jüngst eine Mitarbeiterin an Facebook.

 

Debatte über schwangere Chefin

Für die größte Aufregung in den US-Medien sorgte Mayer aber dennoch nicht mit ihrem Jobwechsel, sondern mit einer Mitteilung, die sie nur wenige Stunden später via Twitter verbreitete: „Noch eine gute Nachricht – @zackbogue und ich erwarten einen Jungen!“, schickte sie in den digitalen Äther. Anfang Oktober soll der Sohn von Mayer und ihrem Mann, Zachary Bogue, auf die Welt kommen. Sie werde sich nur die ersten Wochen nach der Geburt Urlaub gönnen, sagte sie dem US-Magazin „Fortune“, „und ich werde durchgehend arbeiten“.

Yahoo hat es bitter nötig. Der Anteil des Unternehmens am Werbemarkt wird bis 2014 auf bescheidene acht Prozent rutschen, prognostizieren die Marktforscher von eMarketer. Google und Facebook teilen sich dann fast 40Prozent der Anzeigengelder. Man darf gespannt sein, ob es Marissa Mayer gelingt, das Ruder in zwei Jahren herumzureißen. Und ob sie – angesichts der Halbwertszeit ihrer Vorgänger – dann noch bei Yahoo an Bord sein wird.

Auf einen Blick

Marissa Mayer übernimmt die Führung beim schlingernden Internetkonzern Yahoo. Zuletzt war die 37-Jährige eine der wichtigsten Führungskräfte bei Google. Für Aufregung sorgte die Tatsache, dass Mayer trotz bevorstehender Geburt den Spitzenposten annahm.
Yahoo
erhält damit den fünften neuen Chef in nur fünf Jahren. Das Unternehmen kämpft mit sinkendem Umsatz, Bedeutungs- und Orientierungslosigkeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)

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2 Kommentare
Gast: UKW
18.07.2012 01:04
0 0

Auweh, ich fürchte "Googirl ist" seeexistisch

Jetzt kann es sich nur noch um Stunden handeln, bis die prüde Genossin Heinisch-Hoschek mit ihrem Anstandswauwau anrückt.

Gast: Garst
17.07.2012 21:15
4 0

Hüstel, lieber Redakteur, googeln sie bitte nach was Googirl noch bedeutet

und dann ändern sie schnellstens die Überschrift. ;)

Hobbyökonom