Paris/Wien/Dpa/Stef. Als die privaten französischen Telekomfirmen Bouygues und SFR in den vergangenen Tagen ein Sparprogramm ankündigten, haben sie möglicherweise nicht mit der Ministerin für Digitale Wirtschaft gerechnet. Sie werde „nicht akzeptieren“, dass die Unternehmen Stellenstreichungen nutzten, um im Preiskampf auf dem Mobilfunkmarkt zu bestehen, sagte Fleur Pellerin und zitierte die Firmenchefs zu sich.
Pellerin genießt in dieser Sache die volle Rückendeckung des Präsidenten. François Hollande hatte bereits zuvor die Streichung von 8000 Jobs beim Autobauer Peugeot Citroën als „inakzeptabel“ bezeichnet. Er forderte eine „Neuverhandlung“ des Sanierungsplanes und warf dem Fahrzeughersteller vor, den Abbau der Arbeitsplätze bewusst erst in seiner Amtszeit verkündet zu haben – und nicht bereits unter seinem Vorgänger, Nicolas Sarkozy. Ende Juli will Hollande einen Hilfs- und Sozialplan für die Autoindustrie vorstellen.
Peugeot klagt über Steuerlast
Bouygues beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter und will bis zu einem Zehntel davon abbauen. Für SFR arbeiten 10.000 Menschen. Wie viele von ihnen ihren Job verlieren werden, ist unklar. Das Unternehmen hat lediglich angekündigt, in zwei Jahren eine Mrd. Euro einsparen zu wollen.
Peugeot ließ in Richtung Hollande verlauten, dass neben der zuletzt sinkenden Nachfrage nach Fahrzeugen auch die hohen Lohnkosten sowie die Steuerbelastung Mitgründe für die geplanten Kündigungen seien. Die Körperschaftsteuer in Frankreich beträgt 35Prozent, der Vergleichswert in Österreich liegt bei 25 Prozent.
Es sei „zu einfach“, den hohen Lohn- und Steuerkosten die Schuld zu geben, entgegnete Hollande. Er räumte in einem TV-Interview am Wochenende aber ein, dass Frankreich ein Wettbewerbsproblem habe.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)
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