Wegen der Übernahme der Krankenkosten von Beschäftigten kommt jetzt ein neuer, vehementer Vorstoß aus der Wirtschaft. Deren Vertreter wollen nicht mehr länger hinnehmen, dass die Unternehmen mit ihren Beiträgen zur Unfallversicherung nicht nur Arbeitsunfälle, sondern auch immer mehr Freizeitunfälle zahlen. Der ÖVP-Wirtschaftsbund mit Generalsekretär Peter Haubner macht sich zur Entlastung der Unternehmen für eine eigene Pflichtversicherung der Arbeitnehmer für Freizeitunfälle stark. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) steht voll hinter diesen Bestrebungen. „Von mir wird alles unterstützt, was der Beseitigung dieser Ungerechtigkeit dient“, versichert er im Gespräch mit der „Presse“, „aber da gibt's mehrere Varianten.“
„Finanzierung sicherstellen“
Der Wirtschaftskammer-Präsident macht klar, dass für ihn eine Neuregelung der Abgeltung der Krankenkosten für Freizeitunfälle von Arbeitnehmern unabdingbar ist. „Ich möchte eine Diskussion, die eine langfristige Finanzierung sicherstellt“, bekräftigt Leitl. Und weiter: „Wir möchten dort, wo es sich um Freizeitunfälle handelt, einen fairen Ersatz haben.“ Derzeit wird die gesetzliche Unfallversicherung im Wesentlichen aus Beiträgen der Dienstgeber mit 1,4 Prozent der Lohnsumme gespeist.
Leitl wie auch Haubner verweisen darauf, dass inzwischen die Zahl der Arbeitsunfälle rückläufig ist – im Gegensatz zu den Freizeitunfällen. Diese machen nach deren Angaben inzwischen 88 Prozent der Fälle aus, für die die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt aufkommen muss, während der Anteil der Arbeitsunfälle bei zwölf Prozent liegt. Gleichzeitig klagen Österreichs Unternehmen seit langer Zeit über die hohe Belastung durch die Lohnnebenkosten.
„Für diese Freizeitunfälle erhalten wir ein schändlich niedriges Entgelt“, kritisiert Leitl. Er führt als Beispiel einen Arbeitnehmer an, der sich jetzt im Sommer beim Grillen daheim stärkere Brandverletzungen zuzieht. Die Kosten in einem Unfallkrankenhaus machten dafür pro Tag 12.000 Euro aus.
147 Euro refundiert
Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) erhalte dafür von einer Gebietskrankenkasse, also von der gesetzlichen Krankenversicherung, lediglich 147 Euro refundiert. „Damit können wir uns nicht abfinden“, stellt er klar.
Für ihn ist eine eigene verpflichtende Versicherung der Arbeitnehmer für Freizeitunfälle eine mögliche Variante. Die Wirtschaft könne sich „auch andere Lösungen vorstellen“. Fest steht für Leitl, dass es eine finanzielle Entlastung der Unternehmen geben müsse: „Dafür brauchen wir – in welcher Form immer – einen Ausgleich.“
Leitl, der zugleich auch Obmann der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) ist, weiter: „Ob das andere Dinge sind, ist nicht unsere Aufgabe, sondern derjenigen, die uns das Geld schuldig sind.“ Der ÖVP-Wirtschaftsbund führt jedenfalls ins Treffen, dass sonst im Rahmen der Fürsorgepflicht das private Risiko von Beschäftigten finanziell zusehends an die Betriebe „ausgelagert“ werde.
Wirtschaft fordert Versicherung für alle Freizeitunfälle
22.07.2012 | 18:00 | Von KARL ETTINGER (Die Presse)
Diskussion um Selbstbehalte im Gesundheitswesen: Der Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) erhöht den Druck zur „fairen“ Abgeltung der Krankenkosten der Arbeitnehmer.
134 Kommentare
Ich fordere das es uns allen gut geht, weil
der kommt ja nicht auf die Idee zu sagen:„Geht's uns allen gut, geht's der Wirtschaft gut“.
klassenkampf
die arbeitnehmer stehen mit dem rücken zur wand, und die wirtschaft drückt noch weiter ananstelle lösungen anzubieten, will sie die schwachen noch weiter pressen
glauben sie wirklich das merkt man nicht
glauben sie wirklich, dass das frieden schafft
man könnte auch verzichten
man muss ja nichts riskieren, man kann ja auch zu hause bleiben. dann hat aber auch die wirtschaft nichts davon.was will er denn, der herr präsident?
Leitl der Populist der WK ..
Ich weiss nicht was Hrn Leitl immer wieder zu solch' WK-Populismus veranlasst? Hat die WK keine echten Sorgen oder ist das die Meinung seiner Mitglieder?Re: Leitl der Populist der WK ..
die aussagen vom leitl sind gar nix im vergleich zu den klassenkämpferischen Parolen der AK/ÖGB Partie...endlich einmal ein paar athmosphärische Außerungen die den Unternehmern aus der Seele sprechen!
Re: Re: Leitl der Populist der WK ..
... wenn Unternehmer so aus der Seele sprechen, kann das einem nur leid tun ...... mein Mitleid haben solch' Sprechende jedenfalls ...
Re: Re: Re: Leitl der Populist der WK ..
Mal die Augen schließen und sich folgendes vorstellen:Sie sind Arbeitnehmer, zahlen brav Sozialversicherungsbeträge; unter anderem einen Beitrag zur Unfallversicherung von dem sie nichts haben; der auch nichts mit ihrem Arbeitsverhältnis zu tun hat, weil er Freizeitunfälle ihres Arbeitgebers abdeckt....
Was würden Sie dazu sagen?
Re: Re: Re: Re: Leitl der Populist der WK ..
. mal die Augen schließen und sich folgendes vorstellen:Bin Arbeitgeber, zahle nicht brav meine Sozialversicherungsbeiträge für meine Mitarbeiter, unter anderem, genau den Beitrag zur Unfallversicherung nicht ...
Wer verursacht den größeren volkswirtschaftlichen Schaden? Die 0,4% meiner Belegschaft, die riskanten Hobbies fröhnt, oder die ca. 8% der Arbeitgeber die "geordnet" in Ausgleich gehen?
Zur Diskussion stehen ca. 30€ (je Arbeitnehmer - 1 mal Arbeitnehmer) zu mindestens 1000€ (Arbeitgeber mal Arbeitnehmer) ...
Diskutieren wir bitte weiter, wenn die Arbeitgeber in eine verpflichtende Konkursversicherung einzahlen ... (Stichwort: Bau)
Und das hat nix mit ideologischer Verblendung zu tun, nur mit Statistik ...
Re: Re: Re: Re: Re: Leitl der Populist der WK ..
sie haben das Problem einfach nicht erkannt bzw. mein Posting nicht verstanden.Themenverfehlung, setzten 5!
Zu kurz gedacht
Dem Grunde nach muss man ja diskutieren, aus welchem Grund der Arbeitgeber Lohnfortzahlung leisten sollte, wenn sich der Kocher Karli am Sonntag bei Würschtelgrillen die Hand verbrannt und die Wellenreiter Nicole im Urlaub beim Surfen den Fuß gebrochen hat und beide dann im Krankenstand sind.So fängt das schon einmal an.
Von irgendwelchen nebbichen Unfallversicherungsbeiträgen einmal abgesehen.
Augenauswischerei
Es wird doch niemand ernsthaft glauben, dass bei Einführung einer Selbstversicherung für Freizeitunfälle die Versicherungspflicht von 1,4% bei der AUVA niedriger wird. Sowas kommt höchstens zusätzlich auf uns zu, damit die Versicherungen noch mehr verdienen.?
ich würde das nicht als "augenwischerei" bezeichnen. es geht hier (wie auch oft in dieser diskussion schon geschrieben) um einen punkt, der unzähligen Unternehmern aus der Seele spricht! und das sicher nicht grundlos (und ums verdienen der versicherungen gehts hier eher nicht)„Dafür brauchen wir – in welcher Form immer – einen Ausgleich.“
ja, genau, was sich der unternehmer spart soll er den arbeitnehmer geben, damit er sich versichern kann. also ein nullsummenspiel?aber vielleicht will die wirtschaft den verwaltungsauswand erhoehen (2x einzahlen, statt 1x) oder ein neues geschaeftsmodell kreieren, da sind zwangsversicherungen sicher toll.
Augenauswischerei
wattt?
sehr informativ und überzeugend...Re: wattt?
Bisschen raufscrollen, dann sehen Sie, dass ich nur zu früh gedrückt habe. Kann Ihnen sicher nicht passieren, oder?mal so nachgerechnet...
Bei einem Bruttogehalt von € 2000 kostet der UV Beitrag € 28.
Wenn man davon ausgeht, dass die Aufteilung Arbeitsunfall zu Freizeitunfall so 20 zu 80 ist (meine Schätzung nach dem Erlebten im privaten Umfeld; empirisch daher nicht belegt) werden aufgerundet nur € 6 für die ursprünglich vorgesehene Widmung verwendet.
Eine adäquate private Unfallversicherung kostet so ca. 10 € im Monat. (und auch nur 12 und nicht 14 mal im Jahr!)
Bleiben also ca. 12 sagen wir mal 10 Euro die sich die Gesellschaft, also Arbeitgeber UND Arbeitnehmer ersparen würden. Ich nehme hier absichtlich beide Berufsgruppen in ein Boot, da es glaub ich eine Win-Win Situation geben kann wenn beide an einer gemeinsamen lösung arbeiten würden.
Bleibt nur die Frage was derzeit mit den "unnötigen" € 10 passiert. Die Antwort kennen glaub ich alle hier: unnötiger Verwaltungsaufwand, Überkapazitäten bei Spitäler (siehe Kitsse und Hainburg, oder neues KH Mödling usw.) und nicht zu vergessen zu bezahlende Politiker - ALLER Parteien!
leitl fordert also
dass die menschen nicht mehr ski fahren sollen, nicht mehr mit dem rad fahren sollten, also keine ski ausrüstung kaufen, nicht mehr liftkarten kaufen, auch keine fahrräder mehr kaufen sollten - das lässt sich auf alle freizeitaktivitäten ausweiten, wer sie nicht ausübt, der kauft dann auch keine produkte mehrauch der besuchg eines kinos, eines restaurants wäre demnach ungünstig, am betsn nur zu hause sitzen
ob da die wirtschaft dann begeistert wäre, wenn keiner mehr irgendwas konsumiert, weil er ja zu hause sitzen muss??
leitl ist nicht mal in der lage 1 und 1 zusammen zu zählen - der helle wahnsinn
Re: leitl fordert also
nein, das fordert leitl nicht.Re: Re: leitl fordert also
im prinzip schon, weil so dumm ist keiner, dass er sich ski, skischuhe und skianzug kauft, wenn er das zeug nie nutztalso wer keinen sport ausübt kauft schlussendlich auch keine sportartikel
aha versicherungen für unfälle bei freizeitbetätigungen
aha versicherungen für unfälle bei freizeitbetätigungen wie sport, um nicht den ganzen tag faul am sofa zu sitzen oder im büro am schreibtisch hinterm computer zu sitzen ist also eine ungerechtigkeit, wenn sich daran dann auch unternehmen beteiligenwas wird es kosten wenn alle couchpotatos dann krankheitsbedingt monatelang im betrieb ausfallen
die unternehmer drücken sich wo immer es geht beim steuerzahlen, auch hier gehört dann eine neue gerechtigkeit eingeführt
der leitl ist eine katastrophe
88% sind Freizeitunfällen.
Beim Hackeln tut sich fast keiner mehr weh, aber bei den immer aufwendiger und gefährlicher werdenden Sportarten....
zum beispiel gibt es viele die gar nicht versichert sind, da sollte man den leitl man inhaftieren, dann nachsehen ob er das klaeren kann und wenn nicht, wieder inhaftieren, bis es klappt! einfach wegen der gesetze!Der nutzt das Sommerloch ganz gewaltig
um seine heisse Luft abzusondern.
Aber es ist viel einfacher, Hr. Zwangsvereinsdoppelpräsident, weg mit allen Zwangsvereinen und Pflichtversicherungen und lassen wir die Pflicht zur Versicherung, so wie beim KFZ und schon löst sich das Problem von ganz alleine und die Beiträge werden auch wesentlich geringer, bei besserer Leistung sein.
Allerdings lösen sich dann auch die unendlich vielen Versorgerpöstchen, die eben derart viel Geld verschlingen, dass es eben nicht mehr zu einer adequaten Leistung selbst bei exorbitant hohen Beiträgen reicht, eben auch in Luft auf.
Aber in der letzten Legislaturperiode hat die SPÖVP ja gerade die in Europa eigentlich vebotenen Zwangsmitgliedschaften gerade noch rechtzeitig in den Verfassungsrang gehoben, damit die Posterln, eben die auch sie gleich in Doppelfunktion bekleiden, gesichert sind.
Also, machens den Vorschlag diese abzuschaffen, dann dürfens den Mund auch wieder aufmachen, ansonsten - Kusch!
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