Die Preise von Sojamehl, Weizen, Sojabohnen und Mais sind in den letzten sechs Monaten um 33 bis 76 Prozent gestiegen. Der Getreidepreis hat am Wochenende den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren erreicht. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch die schwere Trockenheit in den USA, die einen erheblichen Einfluss auf die Weltmärkte haben. Dort ist bereits mehr als ein Drittel der Maispflanzen verdorrt.
Aufgrund des knappen Angebots werden die Preise weiter steigen, sagte der Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). „Beim Weizen wird die Situation zusätzlich verschärft durch eine Dürre in Russland“, so Leschus. Auch Rohstoffspekulanten springen an den Börsen auf den Zug auf. Mittel- bis langfristig ist keine Entspannung zu erwarten. „Die Weltbevölkerung steigt, ebenso das Risiko von Missernten durch den Klimawandel“, meint Leschus. Durch den höheren Wohlstand in den Schwellenländern essen die Menschen dort zudem häufiger Fleisch und warme Mahlzeiten. Das erhöht den Bedarf an Futtermitteln. In den USA wird darüber diskutiert, weniger Mais als Bio-Rohstoff für Kraftstoffe einzusetzen und stattdessen zu verfüttern.
Notstand in vielen US-Regionen
In den USA hat sich die Trockenperiode zuletzt verschlimmert. Laut Landwirtschaftsminister Tom Vilsack handelt es sich um die schwerste Dürre seit fast 25 Jahren. 61 Prozent des US-Territoriums sind davon betroffen. In vielen Gebieten hat es seit acht Wochen nicht mehr richtig geregnet. Am schlimmsten ist die Situation im „Corn Belt“ im Mittleren Westen, wo der meiste Mais in den USA angebaut wird.
Landwirtschaftsminister Tom Vilsack rief bereits in rund 1300 Landkreisen in 29 Bundesstaaten den Notstand aus.
Bereits jetzt steht fest, dass 38 Prozent der Maisernte schlecht bis sehr schlecht ausfallen werden. Bei Sojabohnen sind es 30 Prozent. Besonders hart trifft es auch die Viehzüchter.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)
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