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Supermärkte rücken Banken zu Leibe

22.07.2012 | 18:16 |  v (Die Presse)

Die britischen Großbanken bekommen Konkurrenz aus fremden Branchen. Der Einzelhändler Marks & Spencer wird bald Girokonten anbieten. Durch diverse Vorkommnisse hat das Ansehen der großen Geldhäuser extrem gelitten.

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Als die teilverstaatlichte Lloyds Banking Group in der Vorwoche hunderte Filialen verkaufte, hagelte es Kritik. Für 632 Außenstellen gibt es bloß 350 Mio. Pfund (448,8 Mio. Euro) sofort sowie bis zu weitere 400 Mio. Pfund über die nächsten 15 Jahre. Ein schlechter Deal sei das, sowohl für Lloyds als auch für den Steuerzahler, beklagten Insider. Und weil die Filialen nun nicht mehr an der Börse notiert sind, kaschiere der Staat auch noch sein mieses Geschäft, da die Preisentwicklungen nun nicht mehr nachvollzogen werden könnten. Schatzkanzler George Osborne verteidigte sich: Es gehe nicht nur um die sofortigen Verkaufseinnahmen, sondern auch um die Schaffung eines weiteren großen Wettbewerbers.

Das Unternehmen, das neben den großen Geldhäusern Lloyds, Royal Bank of Scotland, HSBC, Barclays und Santander den britischen Markt aufmischen soll, ist die Co-operative Group (Co-op), die größte Konsumgenossenschaft der Welt. Mit dem Kauf der Filialen hat Co-op nun einen Marktanteil von sieben Prozent an allen britischen Girokonten. Damit nimmt ein weiterer Wettbewerber den Kampf mit den großen Platzhirschen auf, die über Jahre das Geschäft dominiert haben. Insbesondere Unternehmen, die bisher nicht gerade für ihre Finanzdienstleistungen bekannt gewesen sind, haben zuletzt vermehrtes Interesse für das Geschäft mit Bankkunden gezeigt. Der Zeitpunkt dafür scheint günstig.

 

Schlechtes Image der Banken

Durch diverse Vorkommnisse hat das Ansehen der großen Geldhäuser in Großbritannien extrem gelitten. Mit der Finanzkrise ab 2007 zeichnete sich nach und nach das Bild, die Branche verspiele das Geld ihrer Kunden und bereichere sich auch noch auf Steuerkosten. Durch Verkaufsskandale an Kunden und zuletzt auch noch die Manipulation des Libor verschlechterte sich das Image der Branche weiter. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergab im Juni, dass 63 Prozent der Briten keiner der Banken ihres Landes vertrauen. Dabei war die Libor-Manipulation zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Schlagzeilen.

Die Befragten bewerteten auch ihr Vertrauen gegenüber verschiedenen Unternehmensformen. Genossenschaftlich organisierte Banken erhielten dabei einen deutlich besseren Wert als an der Börse notierte Gesellschaften. „Genossenschaften verbinden kommerzielle Leistung mit sozialen und umweltschonenden Werten. Sie sind ein Teil der Lösung zu den britischen Wirtschaftsproblemen“, sagt Ed Mayo, Generalsekretär der Co-op.

Sein Unternehmen, das mit den Lloyds-Filialen 4,8 Millionen neue Kunden bekommt, veröffentlichte kürzlich auch einen Geschäftsbericht, der sich gegenüber der wirtschaftlichen Lage in Großbritannien sehen lassen kann. Obwohl Co-op 70 Prozent seines Geschäfts im kriselnden Einzelhandel macht, konnte die Genossenschaft mit 1,5 Prozent Wachstum 2011 nun im vierten Jahr in Folge stärker wachsen als die britische Wirtschaft allgemein. Die Hoffnung ist, das überwiegend positive Image der Bewegung nun auf den Finanzsektor zu übertragen. Dies versuchen auch andere Unternehmen.

 

„Keine versteckten Gebühren“

Der Einzelhandelsgigant Marks & Spencer etwa bietet ab Oktober erstmal Girokonten an. Das Ziel ist, den eigenen Supermarktkunden ein integriertes Paket aus Shopping, Spar- und Versicherungsprodukten anzubieten. Colin Kersley von Marks & Spencer erklärt: „Girokonten sind der natürliche nächste Schritt für uns. Die exklusiven Vorteile können die Kunden nun mit einem transparenten Konto verbinden, das keine versteckten Gebühren hat.“

Der von George Osborne erwünschte Wettbewerb könnte weiter belebt werden. Die Finanzregulierungsbehörde Financial Services Authority verkündete vor Kurzem, zahlreiche bisher erfolglose Anträge auf Genehmigung zum Bankengeschäft erneut prüfen zu wollen. Es gehe darum, britische Kunden mehr Auswahl zwischen Anbietern zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, könnte wohl auch Staatseigentum unter Wert verkauft werden.

Auf einen Blick

In Großbritannien steigen immer mehr Unternehmen aus anderen Branchen in das Bankgeschäft ein. Der Zeitpunkt für den Angriff auf die etablierten Finanzkonzerne ist günstig. Seit der Finanzkrise und nach Auffliegen der Zinsmanipulationen hat sich das Image der britischen Großbanken deutlich verschlechtert. Laut einer Umfrage von Yougov vertrauen 63 Prozent der Befragten keiner der Banken ihres Landes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

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4 Kommentare
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I owe my soul to the company store ...

Warum nicht gleich die Kunden als Leibeigene an die Handelsketten verkaufen?

Gast: Michel Lemont
23.07.2012 08:51
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Ein spannendes Experiment

Ich finde die Entwicklung durchaus spannend. Das Bankkonto ist die Drehscheibe einer Kundenbeziehung über die alles läuft. Wie nun branchenfremde Anbieter wie Co-op mit Cross Selling und den Anforderungen eines regulierten Marktes in Zahlungsverkehr umgehen werden, darauf darf man gespannt sein. Nutznießer sind jedenfalls die Kunden, die sich über kostenlose Konten und Billigservices freuen dürfen.
Schlußendlich bleibt nur die Frage: wollen Sie, dass Ihr Einzelhändler Ihr Zahlungsverhalten durchleuchten kann?

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Re: Ein spannendes Experiment

Wer mit "Co-Op", "Cross Selling" und sonstigen Bullshit-Bingo-Wörtern um sich wirft, darf sich nicht wundern, daß das Publikum spätestens bei "Nutznießer sind jedenfalls die Kunden" in heftiges Gelächter und darauffolgenden Aggressionsschub verfällt.

Schreib Dir das hinter die Löffel, Vertriebsfuzzi: wer "Cross Selling" sagt, hat niemals den Nutzen des Kunden im Sinn. Niemals.

Gast: Cooles Banking beim Trafikanten
23.07.2012 08:43
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In sehr naher Zukunft wird jeder Trafikant das Bankenservice ausführen

So wie die Postdienstleistung von Trafikanten übernommen wurde, so wird es den Banken in sehr naher Zukunft auch gehen-
deren Dienstleistung kann in Zukunft jede(r) schnell ausführen:
Das bisherige Bankengeschäftsmodell ist ohnehin simpel, fast zu simpel, betrachtet man das dürftige Wissen der Bankleute, scheinen diese es trotzdem nicht zu verstehen. Das Bankengeschäftsmodell könnte immer jede(r) schnell ausführen.
Das alte Bankengeschäftsmodell führt aber erwiesen immer auf Kosten des Kunden zum Zusammenbruch. Es ist eigentlich nur einseitig. Daher wird dieses durch Innovation ersetzt werden:

Eine neue Bankingsoftware wird gratis jedem gegeben werden, diese wendet ein neues, innnovatives Bankinggeschäftsmodell an. So simpel, dass es auch jede(r) Banker versteht.

Da das System ausser dem Trafikanten keine Mitarbeiter, gar Infrastruktur benötigt, wird Geld enorm günstig den Kunden zugänglich gemacht werden. Das System ist dezentral aufgebaut. Sicherheit schafft das intelligente System selbst, das System wird siogar sicherer als das bestehende sein. Die meisten vorhandenen Bankseiten sind ohnehin technisch längst Jahre überholt.

Die Trafik selbst ist dann nichts anderes als eine Ladestation. Das eigentliche Banking machen die Kunden selbst untereinander.

Warum Trafiken? - Trafikanten sind sympathisch, müssen nicht per Rettungsschirm gerettet werden.
Mit der neuen Software wird das alte Kreditmodell abgelöst werden. Dann geht zu den alten Banken ohnehin keiner mehr hin.

Hobbyökonom