Nach dem Kauf neuer Steuersünder-CDs durch Nordrhein-Westfalen erwartet die deutsche Steuergewerkschaft mehr Selbstanzeigen von mutmaßlichen Steuerhinterziehern, die ihr Geld in der Schweiz angelegt haben. "In den nächsten Wochen ist mit einem wirklich deutlichen Anstieg zu rechnen - bundesweit dürften nicht nur hunderte, sondern tausende Selbstanzeigen eingehen", sagte Gewerkschaftschef Thomas Eigenthaler der Essener WAZ-Mediengruppe (Montag-Ausgaben). Die meisten Anzeigen würden zunächst aber wohl einige Zeit auf sich warten lassen.
Viele mutmaßliche Steuerhinterzieher hätten vor ihrer Offenbarung noch Beratungsbedarf, daher baue sich die Welle der Selbstanzeigen zeitversetzt zu den Meldungen über CD-Ankäufe auf, sagte Eigenthaler. "Die Betroffenen ziehen besser erst einen Fachmann zurate - sonst kann der Schuss nach hinten losgehen."
Finanzminister übt Kritik
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat den Ankauf von Bankkundendaten scharf kritisiert. Es sei "scheinheilig, wenn ein sozialdemokratischer Finanzminister erzählt, er stelle Steuergerechtigkeit her, indem er flächendeckend mit Kriminellen zusammenarbeitet und zudem nur einen verschwindend kleinen Teil der Steuersünder erwischt", sagte er der "Bild"-Zeitung. Dagegen mache das Steuerabkommen mit der Schweiz CD-Ankäufe in Zukunft überflüssig und stelle auf legale Weise sicher, dass alle deutschen Steuerhinterzieher in der Schweiz zahlen müssten.
Laut WAZ-Gruppe beobachten die Finanzministerien und Oberfinanzdirektionen einiger deutscher Bundesländer seit Mitte Juni vermehrte Selbstanzeigen zu bisher unbekannten Konten in der Schweiz. Nordrhein-Westfalen hatte von Anfang Juni bis Anfang Juli 93 Selbstanzeigen gemeldet.
(APA/AFP)
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