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Libor-Skandal: Böses Erwachen in Brüssel

25.07.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Kommission schließt erstaunliche Rechtslücke: Das Herumtricksen an Zinssätzen gilt derzeit in der EU nicht als Marktmanipulation.

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Brüssel/Go. Die Europäische Kommission schlägt als Reaktion auf die Manipulation wichtiger Zinsindizes wie Libor und Euribor strafrechtliche Normen vor. Künftig sollen alle „Handlungen, durch die die Berechnung einer Benchmark manipuliert wird“, von allen EU-Staaten strafrechtlich verfolgt werden. Das soll auch dann gelten, wenn durch solche „falschen oder irreführenden Angaben“ nur eine Einflussnahme „bezweckt“ wird.

Einfach gesagt soll also nach Vorstellungen der Kommissare Michel Barnier (Binnenmarkt) und Viviane Reding (Justiz) schon der Versuch einer Manipulation mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden.

Acht Monate Funkstille

Dieser Vorstoß, die Richtlinie und Verordnung über Marktmissbrauch zu novellieren, legt eine erstaunliche Rechtslücke offen: Derzeit ist in der EU das Herumtricksen an wichtigen Indizes für Zinsen oder die Preise von Öl, Metallen und anderen Rohstoffen keine Marktmanipulation. Die Kommission gibt das selber zu. Sie sei „zum Schluss gelangt, dass eine direkte Manipulation von Benchmarks nicht in den Anwendungsbereich der beiden vorgeschlagenen Gesetzgebungsakte fällt“, heißt es in den einleitenden Bemerkungen zu den Novellen.

Das ist sehr erstaunlich. Denn die Kommission nimmt selber spätestens seit März 2011 an den Ermittlungen gegen zahlreiche Banken teil, die den Libor und den Euribor manipuliert haben dürften. Acht Monate später legte sie Neuerungen für die beiden genannten Rechtstexte zur Marktmanipulation vor („Die Presse“ vom 18.Oktober 2011). Die Kenntnis der Kommissionsbeamten der Generaldirektion Wettbewerb von offensichtlichen schweren Problemen bei der Ermittlung floss aber nicht in diese Gesetzesvorschläge ein. Das wirft kein gutes Licht auf die hausinterne Kommunikation der EU-Behörde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2012)

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2 Kommentare
Gast: Reflector
25.07.2012 23:15
4 0

Ein Schelm wer Böses denkt


Dafür ist aber die Gurkenkrümmung, mit der man unliebsame Kleinkonkurrenz zugunsten grosser Saathersteller bevorzugte, oder der Traktorsitz (ähnlicher Hintergrund) und natürlich allseit aufs Auge gedrückte, geliebte EnergieNichtSpar Umweltvernichtungslampen mit Leichenhallenlichteffekt, genau geregelt, dafür sorgten ja auch grosse Industrielobbies, dass das passiert.

Da kann man natürlich bei unwesentlichen Themen wie EURIBOR, CPI, BIP Wachsttum, Staatsstatistiken (Arbeitslosenzahl, Verschuldung siehe GR) und weiteren kleineren, unbedeutenden Kennzahlen schon ruhig mal etwas nachlässiger sein.

Warum wohl? Naja, wäre schon peinlich, wenn man die offensichtlich getürkten Zahlen GRs und sicherlich auch Italiens zum € Beitritt da als Beispiel nimmt und dann evtl. sogar jemanden vielleicht noch aus den eigenen Reihen dafür bestrafen müsste ...

Jahrelange Manipulation als "Trickserei" zu verharmlosen ist wahrlich eine Sauerei

Dies ist der helle Wahnsinn, wieder mal gibt es noch kein Gesetz und wieder mal war der "Ehrenkodex" für die Katz.
Kein Gesetz, keine strafbare Handlung, also bloß eine harmlose Trickserei bei der die Schadenshöhe überhaupt nicht feststellbar sein wird.

Hobbyökonom