Dublin/Dow/Sat. Irland ist zurück auf dem Kapitalmarkt. Bei der Auktion am Donnerstag kauften die Anleger irische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf und acht Jahren. Für fünfjährige Papiere musste Irland Zinsen von 5,9 Prozent bezahlen. Zum Vergleich: Spanien zahlte vergangene Woche einen halben Prozentpunkt mehr. Zwar hat Irland bereits zu Beginn des Monats dreimonatige Anleihen an den Mann gebracht, die Auktion von langfristigen Anleihen drückt aber das wachsende Vertrauen der Anleger in den irischen Staat aus.
Irland schlüpfte 2010 unter die schützenden Hände der EFSF. Gegen Reformen wurden Hilfsgelder im Ausmaß von 85 Mrd. vereinbart. 67,5 Mrd. davon wurden bereits ausbezahlt. Irland gilt als Musterstaat unter den Problemländern der Eurozone. In ihrem letzten Bericht fand auch die Troika lobende Worte. Das Reformprogramm werde „gut umgesetzt“. Freilich war die Situation in Irland auch eine gänzlich andere als etwa in Griechenland.
Die hohen Wachstumsraten im letzten Jahrzehnt verschafften der irischen Wirtschaft den Spitznamen „Keltischer Tiger“. Der öffentliche Schuldenstand betrug 2007 lediglich 25 Prozent. Eine platzende Immobilienblase setzte dann aber die Banken unter Druck. Der Staat sprang ein. 2010 betrug das Budgetdefizit so rund 31 Prozent. Daraufhin explodierte auch die Staatsverschuldung, sie vervielfachte sich auf ein Niveau von heute 116,1 Prozent des BIPs.
Es scheint aber aufwärts zu gehen. Für heuer erwartet der IWF ein Wachstum der Wirtschaftsleistung von 0,5 Prozent. Nächstes Jahr sollen es bereits zwei Prozent sein. Dann will Irland auch wieder ohne Hilfe von EU und IWF auskommen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)
WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet
UrlaubÖsterreicher im EU-Ranking voran