Nürnberg/Wien/Es/Ag. Eine deutsche Studie wirft die Frage auf, ob männliche Arbeitslose von den Behörden diskriminierend behandelt werden. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat herausgefunden, dass Jobcenter männlichen Hartz-IV-Empfängern fast doppelt so häufig die Bezüge kürzen wie weiblichen. Vor allem Frauen mit Kindern werden seltener sanktioniert, wenn sie zum Beispiel eine zumutbare Beschäftigung ablehnen.
Aber auch kinderlose Singlefrauen werden weniger hart angepackt. Eine fundierte Begründung für dieses Ergebnis können die deutschen Studienautoren Joachim Wolff und Andreas Moczall vorerst nicht liefern. Die Hypothese, dass „Männer mit Jobcentern weniger kooperieren als Frauen“, müsse noch bestätigt werden.
Auch in Österreich werden deutlich mehr arbeitslose Männer als Frauen sanktioniert. Zwar gibt es für die mit Hartz-IV-Beziehern vergleichbare Gruppe der Langzeitarbeitslosen, die Mindestsicherung beziehen, noch keine vergleichbaren Daten. Eine geschlechterspezifische Auswertung liegt aber bei der Gesamtheit der Arbeitslosen vor. Und auch hier zeigt sich, dass die Frauen im Vorteil sind. Von den rund 887.500 im Jahr 2011 beim AMS arbeitslos Gemeldeten wurde rund 5700 Frauen und 12.800 Männern wegen Arbeitsverweigerung oder Ablehnung von bestimmten Beschäftigungs- und Schulungsangeboten die Unterstützung entzogen.
Wenn man mitrechnet, dass zehn Prozent weniger Frauen als Männer arbeitslos gemeldet sind, dann betraf die Sperre 1,5 Prozent der arbeitslosen Frauen und 2,5 Prozent der arbeitslosen Männer. Dazu kommen noch Sperren wegen versäumter Kontrollmeldungen: 7,9 Prozent der Männer, aber nur 4,1 Prozent der Frauen wurden sanktioniert, weil sie unentschuldigt den Besprechungsterminen beim AMS ferngeblieben waren.
Pfuschen Männer häufiger?
Auch beim AMS hat man sich über die Gründe, die hinter den Diskrepanzen zwischen Männern und Frauen stecken, noch keine Gedanken gemacht. „Es könnte daran liegen, dass Männer häufiger in Branchen arbeiten, in denen gepfuscht wird, in der Baubranche zum Beispiel“, sagt Ernst Haider vom AMS. „Aus diesem Grund lehnen wohl mehr Männer eine angebotene Beschäftigung ab.“
Studie. Männliche Hartz-IV-Bezieher (vergleichbar mit der Mindestsicherung in Österreich) werden für regelwidriges Verhalten von Jobcentern fast doppelt so oft bestraft wie Frauen. Auch in Österreich greift das AMS bei Frauen weniger oft zu Sanktionen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)
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