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Die Europäer verzichten auf Kaffee

27.07.2012 | 18:26 |  STEFAN RIECHER (Die Presse)

Starbucks, der weltgrößte Kaffeeverkäufer, expandiert in den USA und in Asien. In Europa läuft das Geschäft nicht rund. Schuld sei die Eurokrise, meint der Firmenchef.

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Wien. Starbucks ist Howard Schultz und Howard Schultz ist Starbucks. 1983 eröffnete der gebürtige New Yorker eine Handvoll kleiner Espressobars in Seattle. Der Rest ist ein Stück Wirtschaftsgeschichte: Heute ist Starbucks die weltgrößte Kaffeehauskette mit mehr als 120.000 Mitarbeitern. Nahezu euphorisch präsentierte der Ex-Footballstar der North Michigan University über viele Jahre eine Erfolgsbilanz nach der anderen.

Donnerstagabend jedoch, bei einer Telefonkonferenz zur Quartalsbilanz, klang Schultz' Stimme besorgt, nahezu ein wenig brüchig: Von einer „großen Herausforderung“ sprach der Firmenchef, von einer Veränderung des Konsumverhaltens, die „Grund zur Sorge“ sei. Das treffe vor allem auf Europa zu, erklärte der 59-Jährige und fügte hinzu: „Die wirtschaftliche Lage wird sich möglicherweise noch verschlechtern.“

Weltweit erzielte Starbucks im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 3,3 Mrd. Dollar (2,7 Mrd. Euro). Das ist ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zur Vergleichsperiode des Vorjahres. Der Gewinn erhöhte sich um ein Fünftel auf 333 Mio. Dollar. Damit verfehlte Starbucks die Erwartungen der Analysten nur geringfügig. Trotzdem brach der Aktienkurs des Konzerns am Freitag um mehr als zehn Prozent ein.

Das Problem ist Europa, jene Region, in der Starbucks zwar nur ein Zehntel seiner 17.000 Filialen betreibt, in die das Unternehmen aber große Hoffnung setzte, um seinen Expansionskurs fortzusetzen. Hier halbierte sich der operative Gewinn auf 2,6 Mio. Dollar, die Umsatzrendite beträgt weniger als ein Prozent. Der Vergleichswert in Amerika liegt bei 20 Prozent.

 

Starbucks sperrt Filialen in Europa zu

Die dramatische Verschlechterung des Ergebnisses in Europa könnte schon im vierten Quartal (Starbucks' Geschäftsjahr endet per Ende September) zu einem operativen Verlust in der Region führen, deutete Schultz an. Als Folge werde der Konzern schnellstmöglich unprofitable Filialen in der Eurozone schließen. Wo das der Fall ist und um wie viele Geschäfte es sich handelt, will der Firmenchef nicht verraten. In Österreich betreibt der Kaffeeverkäufer zwölf Geschäfte, in Deutschland knapp 200.

Die Gretchenfrage ist freilich, ob tatsächlich die Eurokrise Schuld an der Entwicklung trägt, oder ob das Konzept des relativ teuren Kaffees zum Mitnehmen für Europa einfach nicht geeignet ist. Schultz ist von Ersterem überzeugt und beruft sich auf die bisherige Unternehmensgeschichte. Seit dem Markteintritt auf dem „alten“ Kontinent erhöhte Starbucks seinen Marktanteil und den Umsatz stetig – mit Ausnahme des Jahres 2009, als die Weltwirtschaftskrise dem Unternehmen nicht nur in Europa zu schaffen machte.

Ein völliger Rückzug aus Europa kommt für den Kaffeehausbetreiber jedenfalls nicht infrage. Doch dass die Wachstumsziele verfehlt wurden, zeigt sich am Beispiel Österreich: Als die US-Firma zu Beginn des Jahrtausends den Schritt in die Alpenrepublik mit großer Kaffeehaustradition wagte, war von einer Neueröffnung pro Monat die Rede. Ende vergangenen Jahres erlegte sich Starbucks ein neues Ziel auf: Langfristig bis zu 25 Standorte, also in etwa eine Verdoppelung.

Die Zukunft für Starbucks scheint demnach in Amerika und Asien zu liegen. Knapp 1000 Filialen will Schultz im heurigen Geschäftsjahr in Nord- und Südamerika eröffnen, ein „paar hundert“ Standorte in der Region „Asien und Pazifik“. In China betreibt die US-Firma bereits jetzt 280 Verkaufsstellen – mehr als in jedem anderen Land, in dem Englisch nicht die Muttersprache ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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98 Kommentare
 
12 3
Gast: Presseleser
30.07.2012 07:00
0 0

Die Europäer verzichten auf schlechten Kaffee


So müßte die Überschrift lauten.


Gast: Segafredo-Fan
30.07.2012 03:47
0 0

Das teure Starbucks-Gesöff

mag zwar ein Hit im Vergleich zu den US-"Kaffee"wässerchens sein, hat jedoch keine Chance gegen die qualitativ selektive Wiener Kaffeekultur!

Gast: Lukas
29.07.2012 23:07
0 0

die Europäer lieben Kaffee

aber nicht das Gesöff von Starbucks welches die Amis Kaffee nennen.

Starbucks

ist bei uns - auch im Vergleich zu den amerikanischen Preisen - zu teuer.

Gast: Hanna Fontana
29.07.2012 11:33
0 0

Die Überschrift is a Bleedsinn !


1 0

In Europa gibt es meist eine eigene Kaffeehaus- Kultur

Da haben es die Amis eben nicht so leicht.

Gast: E.T.
28.07.2012 19:57
1 0

Ich denke das System ist einfach zu teuer

In Ländern, wo viele andere Shops Kaffee anbieten, wie eben Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, etc... da gehe ich davon aus, dass eine zusätzliches Service-to-go mit dem Hauptprodukt Kaffee nur eine zusätzliches Angebot bieten kann. Aber, vor allem, da auch das Preisniveau relativ hoch ist, keine Verdrängung der anderen schafft und somit nicht so expandieren kann, wie in Städten, wo weniger Möglichkeiten vorhanden sind. So etwa gibt es in Vancouver fast ausschließlich Starbucks und diese an jedem Eck. Mir selbst ist die bei uns vorhandene Vielfalt allerdings lieber.

0 1

Re: Ich denke das System ist einfach zu teuer

Das Starbucks Konzept baut auf einer unbegrenzten Ausweitung der Geldmenge mit billigsten Konsumkrediten, wo Leute auf Pump und von staatlichen Förderungen leben und auf den Preis nicht achten müssen.

NUR diese Zeiten gehen in Europa zu Ende.

Gast: luder
28.07.2012 18:33
1 0

Schuld sei die Eurokrise, meint der Firmenchef

Na Gott sei Dank ist die Eurokrise für irgendetwas gut. Wir werden von Starbucks erlöst und der Firmenchef hat seine Argumentationslinie :)

0 0

Re: Schuld sei die Eurokrise, meint der Firmenchef

und natürlich seinen fetten Bonus.

Gast: Querulant
28.07.2012 18:10
4 1

Starbucks als Verkäufer von Kaffee zu bezeichnen ist an sich schon ein Paradoxon


Gast: Kaffeejunkie
28.07.2012 18:05
3 1

Starbucks = Dünne Suppe mit Kaffeegeschmack


Gast: Das Traumschiff
28.07.2012 18:01
7 0

Eulen nach Athen

Gerade in Wien, mit einer jahrhundertelangen Kaffeehaustradition braucht Starbucks ebenso wenig wie die Italiener jemanden der ihnen Zeigt, wie man Spaghetti Bolognese zubereitet oder Pizza bäckt. Ich habe hier in Wien meinen Bräunerhof und viele andere hervorragende Kaffeehäuser, die Tradition atmen, wo mir ein leicht grantelnder Herr Ober meine Melange mit einem Buttersemmerl serviert. Brauch ich einen Starbucks? G'schloder aus Pappbechern...

Antworten Gast: habenichts
29.07.2012 11:14
1 0

Re: Eulen nach Athen

... und als würde man in frankreich eine amerikanische vinotheken-kette errichten.

Gast: kahve 334
28.07.2012 17:46
7 0

Starbucks in Chicago, gut, in New York, gut - bei uns in Europa: nicht gut. Starbucks, nein danke.


Gast: Kaffebeobachter
28.07.2012 17:31
3 0

Der eine ist eben kein Kaffee

Sparbacks oder Illy, der Vergleich macht sie sicher.

Gast: Cafehaus Pepi
28.07.2012 17:30
6 0

Verzicht auf Starbucks

Die Europäer verzichten nicht auf Kaffee, sie verzichten auf Starbucks.

0 0

Klare Sache....

Die Leute haben keinen "Pfeffer" mehr, kaufen sich lieber selber eine Espressomaschine und sind sowieso abgeneigt gegen was neues.
Die meisten Leute hier kennen Starbucks eh nur vom hoerensagen und dabei solls auch bleiben.

Ich zumindest habe auf Kaffee noch nie verzichtet.

Ich verzichte aber grundsätzlich auf Starbucks. Ich gehe ja auch nicht zu H

"Das Problem ist Europa"

seit wann ist denn die existenz von geschmacksnerven ein problem?

andernorts könnt ihr halt euer abwaschwasser teuer als kaffee verkaufen. aber das ist ein problem der dort lebenden menschen und nicht eines der europäer!

Sie verzichten nicht...

...sie mögen halt nur keinen amerikanischen Kaffee mit irgendwelchen Sirupen drin. Zumindest der Großteil nicht - beim Kaffee sind Europäer eben konservativ.

Starbucks spricht hierzulande nur Jugendliche und Studenten an. Und die können sich den Starbucks eben nur selten leisten.

Antworten Gast: Skydings
28.07.2012 17:46
2 0

Re: Sie verzichten nicht...

Es gibt auch unter den jungen Leuten welche die gerne Kaffee trinken und denen gerade deswegen Starbucks gestohlen bleiben kann. Wer keine altehrwuerdigen Kaffeehäuser will, der kann doch zu Blaustern und Co schauen.

Re: Re: Sie verzichten nicht...

Wer lesen kann ist im Vorteil. Bei Starbucks habe ich die Möglichkeit meine persönliche Kreation zu mischen. Und nicht in einem Pappbescher sondern in einem Porzellanhäferl. Das Ambiente gefällt nicht nur mir, sondern auch sehr vielen anderen Menschen. Das Lokal bei der Oper ist immer voll. Und dort gibt es sehr viele Stammgäste. Diese primitiven Aussagen und Kommentare sind doch nur nachgeplappere von Typen die keine Ahnung haben.

Re: Re: Sie verzichten nicht...

Oh, das bestreite ich gar nicht! Das kann durchaus sein.

Mir fällt halt einfach nur auf, dass beim Starbucks meistens junge Leute lange sitzen ;). Voll sind die Filialen nämlich meistens - anscheinend wird aber zuwenig konsumiert.

0 1

Re: Re: Re: Sie verzichten nicht...

Man kann dort lange sitzen, aber der Kaffee heißt nichts.

Gast: Su Nuraxi
28.07.2012 15:06
3 0

Ich hab mir vor einem halben Jahr eine ordentliche Espresso-Maschine gekauft.

Seither gibt es den beinahe besten Kaffee (für meinen Geschmack) bei mir zu Hause. Noch besser ist er nur noch in einer italienischen Bar.

 
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Hobbyökonom