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Großbanken: Aus für die „Lizenz zum Zocken“?

30.07.2012 | 18:51 |  Von Josef Urschitz (Die Presse)

Die Zerschlagung der großen Universalbanken ist kein Tabu mehr: Nun können sich auch US-Bankmanager und der deutsche konservative Finanzminister Schäuble die Einführung eines Trennbankensystems vorstellen.

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Das ist der Alptraum jedes Finanzministers: Eine Großbank gerät durch schiefgelaufene Spekulationsgeschäfte in Schieflage. Eine Insolvenz würde andere Institute mitreißen und die gesamte Volkswirtschaft an den Rand des Abgrunds bringen. Die in den vergangenen Jahren weltweit hundertfach praktizierte Antwort darauf: Der Staat springt ein und rettet die Bank mit Milliarden an Steuerzahlergeld. Denn die Bank ist „too big to fail“, niemand kann es sich leisten, den Koloss untergehen zu lassen.

Fazit: Die Politik befindet sich permanent in Geiselhaft der Finanzinstitute. Und Großbanken haben sozusagen die Lizenz zum Zocken: Sie können extreme Risken im Bewusstsein eingehen, dass sie im Ernstfall von den Steuerzahlern „herausgehauen“ werden.
Ideen zur Beendigung dieses sehr marktfernen Zustands (die Insolvenzdrohung im Falle einer Fehlentscheidung ist ein zentrales marktwirtschaftliches Regulativ gegen zu hohe Risikobereitschaft) gibt es zuhauf. Mit deren Realisierung sieht es aber eher düster aus.

Die wichtigste betrifft die Wiedereinführung eines Trennbankensystems, wie es bis zur Jahrtausendwende Standard war: Großbanken würden in dem Fall zerschlagen und in das risikoarme traditionelle Bankgeschäft (Einlagen und Kredite) sowie das riskantere Investmentbanking (Vermögensverwaltung, Wertpapierhandel, Begleitung von Börsengängen et cetera) aufgeteilt.

Die Idee dahinter: „Verzockt“ sich die Investmentbank, dann kann man sie in Konkurs schicken, ohne Millionen Sparer und Kreditnehmer zu gefährden. Zu hohes Risiko müssten dann wieder, wie es sich im Kapitalismus gehört, die Aktionäre übernehmen. Und nicht unbeteiligte Steuerzahler. Die Idee hatte bisher einen kleinen Schönheitsfehler: Sie wurde überwiegend in salonlinken und alternativen Zirkeln diskutiert und hatte wenig Chance auf Realisierung. Doch jetzt beginnen Dämme zu brechen: In Deutschland kann sich plötzlich der konservative Finanzminister Schäuble die Einführung eines Trennbankensystems „vorstellen“, und der Chef des weltgrößten Versicherungskonzerns, Munich Re, spricht sich offen dafür aus, den „Konstruktionsfehler des Systems“ namens Universalbank zu beseitigen.

Banker mit Occupy-Slogan

In den USA beginnen die Banker praktisch selbst, den Occupy-Slogan „Zerschlagt die Banken“ zu skandieren. Ex-Citigroup-Chef Sanford Weill beispielsweise hat vorige Woche massiv für die Wiedereinführung eines Trennbankensystems plädiert. Das ist ein wenig pikant, denn Weill selbst war eine der treibenden Kräfte hinter der Abschaffung des Trennbankensystems im Jahr 1999.

Es gibt also gute Chancen, dass dieser offensichtliche Fehler im Bankensystem doch korrigiert wird. Wenngleich die Motive eher unterschiedlicher Natur sind: Während Schäuble für den Fall weiterer europäischer Großbankenpleiten um seine Staatskasse fürchtet, haben Weill, Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard und die US-Hedgefondsmanager, die neuerdings für eine Großbankenzerschlagung eintreten, eher eigennützige Motive: Sie glauben (nicht ganz zu Unrecht), dass die unklare Situation der Universalbanken deren Aktienkurse zu sehr unter Druck gebracht hat. Anders ausgedrückt: Dass die Summe der Einzelteile von Citigroup, JP Morgan Chase, Bank of America oder Deutsche Bank an der Börse wesentlich mehr wert wäre als die Banken als Ganzes.
Tatsächlich notieren die meisten Großbanken an den Börsen derzeit deutlich (um bis zu 50 Prozent) unter ihren Buchwerten. Der endgültige Druck zur Zerschlagung der Universalbanken könnte also aus diesen Instituten (beziehungsweise aus deren Aktionärskreisen selbst) kommen.

Das Trennbankensystem, das die Vermischung von traditionellem Bankgeschäft und Investmentbanking untersagte, war in den USA übrigens nach der ähnlich gelagerten Wirtschaftskrise in den Dreißigerjahren geschaffen worden. Und hatte fast 70 Jahre gehalten, bevor es 1999 einer Über-Deregulierung zum Opfer fiel.

Auf einen Blick
Die Aufteilung von Großbanken in das traditionelle Geschäft (Einlagen und Kredite) und das riskantere Investmentbanking ist kein Tabu mehr. Investmentbanken, die sich verspekuliert haben, könnten dann ohne große volkswirtschaftliche Schäden in Konkurs geschickt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31. Juli 2012)

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54 Kommentare
 
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Wer wird das je verantworten?

Da stellen sich wohl jedem gesetzestreuen Bürger auf dieser Welt die Haare auf, und er fragt sich: Wer von all den "Volksvertetern" wird jemals die Verantwortung dafür tragen und Konsequenzen zu spüren bekommen, dass da mit der mutwilligen Aufhebung des Trennbankensystems die Länder dieser Welt systematisch ausgeraubt wurden und das Geld einfach in Richtung der Kapitaleigentümer dieser Welt verschoben wurde? Und praktisch als Schaumkrönchen darauf haben eben diese Verbrecher dann auch noch die Einkünfte aus Kapitalerträgen quasi steuerfrei und vor allem frei von SV-Beiträgen gestellt.
Das war gründliche Zusammenarbeit der Lobbyisten mit den "Volksabzockern" auf der ganzen Welt, nicht nur in den sogenannten kapitalistischen Ländern. Nicht zufällig verschwinden auch die meisten unserer sogenannten "angesehenen Spitzenpolitiker"; weche sich nur allzu häufig als "Leistungsträger" verstehen, nach Ende ihrer zumeist beschämenden Karrieren in Richtung der Geldhäuser oder zumindest Stiftungen. Siehe auch sogenannte Sozialrechtsexperten und Sozialminister in D. Und dort haben auch gerade die Grünen mit einem sogenannten Herrn Schröder die Krebsgeschwüre namens Hedge-Fonds zum Wuchern gebracht. Hier sollte einmal aufgeräumt und zur Verantwortung gezogen werden! Un dwie für alle Strasers und Grassers dieser Welt gilt auch hier für alle sich angesprochen Fühlenden die Unschuldsvermutung!

Re: Wer wird das je verantworten?

Und wenn man darangeht, diese Lobbyisten ausfindig zu machen und per Namen anzusprechen, ist man sofort ein widerlicher Verschwörungstheoretiker.....

Antworten Gast: Ggrufti
31.07.2012 11:25
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Re: Wer wird das je verantworten?

Sie haben sich getaeuscht. Hier gilt die Rettungsgasse.

Gast: Angespeister
31.07.2012 09:56
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Geldregal muss staatlich sein

Wie kommt es, das der Staat sich bei den Banken verschuldet, die Geld aus der Luft schöpfen?

Herny Ford:

Wenn die Leute wüssten, wie das Geldsystem funktioniert, gäbe es eine Revolution, noch vor morgen früh.

Dieser Ausspruch ist noch immer gültig, und das die meisten Leute es noch immer nicht wissen, liegt an den Schulen, Medien, "Experten", und natürlich am Gesetzgeber, der diesem kriminellen System Beihilfe leistet.


Henry Ford hat noch viel mehr gesagt und geschrieben!

Er hat aber alle diese Aussagen nach massiven Drohungen wieder zurückgenommen! Das muß man auch dazusagen.

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Den Bankstern ist das vollkommen egal,

Wenn sie in einer getrennten Bank zocken und diese geht pleite, sind sie morgen in der nächsten neuen Zockerbude.

Den Verlust tragen ohnehin nur die Aktionäre.
Nur WER sind diese Aktionäre?
Natürlich Anlagefonds, Pensionsfonds, Versicherungen, etc.


Trennbanken

Die Idee ist grundsätzlich zu begrüssen, nur auch reine "Häuslbauerbanken" kommen in Schieflagen, in Spanien resultiert die Bankenschieflage aus dem Platzen der Immobilienbubble, die Baufinanzierung wäre aber eindeutig ein Geschöftszweig der "Häuslbauerbank".


Glass-Steagall Act

1933 in den USA in Kraft getreten die Investmentbanken von den Geschäftsbanken zu trennen, warum dauerte das in Europa mehr als 70 Jahre um diese vernünftige Idee umzusetzen ?! Sind wir resistent unsere Lehren aus den Kriesen zu ziehen ?

Der Weg in die falsche Richtung

die Verluste der Großbanken müssen erst recht wir Steuerzahler übernehmen. Sinnvoller wäre eine Haftung der teilweise überbezahlten Manager. Damit würde ihre Gier ein wenig verringert werden.

Gast: Vernunftwende
31.07.2012 08:21
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Das Trennbankensystem kann aber auch nur funktionieren wenn sowohl Investmentbanken als auch Eigentümern(!) jegliche Hebeleung untersagt wird d.h. es dürfen KEINE Kreditgelder zum Spekulieren verwendet werden.

Wie man das verhindern will - Eigentümer nimmt Kredit zum "Hausbauen" auf, gibt das Geld aber seiner Investmentbank und hofft auf Rückzahlung durch 25 % Zinsen p.a. - ist mir nicht ganz klar.

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die große bank die dann aus mehreren kleinen banken besteht... das problem sind die absprachen zwischen den banken UND die gier der banker. die sollten zurück zum ursprung gelangen. das eigentliche kerngeschäft einer bank (geld borgen / geld aufheben). wie man in wall street sagt: die 3/6/3 Regel - charge 3% for the money you keep - 6% for the money you lend - and try to be by 3:00pm already at the golf course!!!


Warum wurde das nicht bereits durchgezogen ?????

Auf was wartet unsere Regierung noch???? Die Zeit des mündigen Steuerzahlers ist gekommen und dieser wird sich erheben, den aufrechten Gang lernen und MITBESTIMMEN was mit seinem Geld passieren und was keinesfalls passieren darf. Zockerbanken mit Superboni-Managern gehören sicherlich nicht zu jenen, die die Interessen des normalen, brav seinen Obulus abliefernden Steuerzahlers vertreten- sie zu retten wäre gegen jede Vernunft, Too big to fail ?????? Na sicherlich nicht- auch das Regulativ des Misserfolges muss schlagend werden und jene treffen, die diesen Misserfolg zu verantworten haben.

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Die Banker wussten ganz genau, warum sie das Trennbankensystem vor dem Platzen der Börsenblase noch schnell aufhoben


Wer bitte sollte einem dieser Zockervereine noch Kaptal zur Verfügung stellen?

superclever

diese finanztypen sind so was von superclever, das ist schon bemerkenswert. zuerst lassen sie deregulieren, dann erschwindeln sie virtuelle fantasiegewinne, nachdem sie diese eingesteckt haben und wahrscheinlich in realwerte umgewandelt, stürzt die blase in sich zusammen und die probleme werden mit (zukünftigem) steuergeld gebügelt. jetzt machen die selben typen auf zahm und wollen sich über die regulierung wieder aktiengewinne verschaffen. die kann es ja nur geben, weil die verluste von den steuerzahlern aufgefangen wurden. und die politiker hängen am selben tropf und leben gut davon.

Antworten Gast: kleinermaxi
31.07.2012 12:11
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Re: superclever

Was soll da superclever sein?

100 Tausende (gut bezahlte) Arbeitsplätze bei westlichen Banken gehen verloren und Bankaktionäre haben bis zu 90% ihres Einsatzes verloren.

Da ist nichts geplant, das sind alles Getriebene, die nur noch Angst haben.

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Re: superclever

So läuft das eben.
Die breite Masse wird von ganz wenigen abgezockt. Politiker holen sich dabei natürlich ihren Anteil.


Spätestens seit 2008 war jedem Politiker bekannt, dass dies der erste konstruktive Schritt ....

zur Bereinigung des Finanzmarktes wäre.

Die Politgrößen treffen sich fast wöchentlich - offenbar um das Buffet abzugrasen.

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Na dann bin ich ja beruhigt

Ich frag mich nur warum das keinen europäischen Politiker in letzten 4 Jahren eingefallen ist?

Gast: b754
30.07.2012 19:57
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zeit wirds


wie soll das in dieser Situation

funktionieren?die profitablen Teile werden abgespalten und dürfen wieder fröhlich Geschäft machen während die Leichen in eine Bad-Bank ausgelagert werden die der Steuerzahler finanzieren darf?

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Re: wie soll das in dieser Situation

machen sie sich keine sorgen das ganze geld bleibt e in der familie.und die heisst ROTHSCHILD

Gast: banking2
30.07.2012 18:44
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Trennbanken

Nach dem Börsenkrach 1929 führten die Amerikaner das Trennbankensystem ein.

Nach 70 Jahren hob Clinton es wieder auf, weil amerikanische Banken gegenüber den europ. Universalbanken durch die fortschreitende Globalisierung benachteiligt waren.

Die Amerikaner sind dem schlechten Beispiel der Europäer gefolgt. Warum sind die Europäer dem guten Beispiel der Amerikaner nie gefolgt?( nicht in 70 Jahren). Ach ja, ich weiß, man macht natürlich das Gegenteil von denen da drüben.

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Re: Trennbanken

ausgerechnet Clinton, die Lichtgestalt der Linken gegen den Bösen Bush.

Schon interessant, wie die Welt da spielt.
Achja, die Lichtgestalt Obama hat sogar den Friedensnobelpreis bekommen.

Re: Re: Trennbanken

Und Clinton war es ja auch, der die Immobilienblase zwar nicht erfunden, dafür aber kräftig aufgeblasen hat.......

Re: Re: Re: Trennbanken

17und4, Ihr (schlüpfriger?) Kommentar ist offensichtlich dem gestrengen Auge des Zensor zum Opfer gefallen !

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Re: Re: Re: Re: Trennbanken

ich habe ihn ohnehin schon um drei Sätze gekürzt,
da hat mich die Formulierlust gepackt

 
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