Nach der Pleite der deutschen Mutter schlitterte am Donnerstag auch Neckermann Österreich in die Pleite, wie "DiePresse.com" berichtete. Nun sorgt der Versandhändler mit seiner Homepage "neckermann.de" erneut für Aufsehen. Denn der Humor der Werbesprüche ist nicht jedermanns Geschmack. "Insolvent. Na und?", wirbt Neckermann um die Treue seiner Kunden. Die Begründung: "Sie wollen schließlich kein Geld bei uns bestellen, sondern Ware".
Und weiter: "Sie haben momentan wenig Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt." Der entstandene Paketstau werde sich in den nächsten Tagen auflösen und Bestellungen würden nun wieder regulär ausgeliefert werden, versichert der Versandhändler im Internet. "Bitte halten Sie uns die Treue!", klingt es fast schon flehentlich.
Der Niedergang von Neckermann
2006 war die 1950 gegründete Neckermann Versand AG zu Neckermann.de geworden, nachdem 1995 der eigene Online-Shop gestartet war. Die Umbenennung stand für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel. Der Großteil der Anteile wurde 2007 an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgte. Nach der Arcandor-Pleite im Jahr 2010 unternahm Sun Capital auch die übrigen Anteile.
Nach hohen Verlusten kündigte die Unternehmensleitung heuer an, jede zweite Stelle zu streichen, das sind fast 1400 Jobs. Der Betriebsrat versuchte bei den Verhandlungen möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Doch die Gespräche scheiterten, Neckermann.de stellte den Insolvenzantrag.
300 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet
In Österreich sind 300 Mitarbeiter von der Zahlungsunfähigkeit betroffen. Sie wurden vorsorglich beim AMS zur Kündigung angemeldet. "Ziel der Geschäftsführung ist es, das Unternehmen ohne Mitarbeiterabbau in eine erfolgreiche Zukunft zu führen", hieß es. Das bei Gericht eingereichte Sanierungskonzept sehe die Aufrechterhaltung des laufenden Geschäftsbetriebs und die Entschuldung des Unternehmens vor.
(phu)


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