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Finanzsteuer: Frankreich prescht vor

01.08.2012 | 18:14 |   (Die Presse)

Seit Mittwoch schneidet der französische Fiskus bei bestimmten Aktiengeschäften mit. Treffen wird die Abgabe nicht die große, Investoren, sondern die Kleinanleger.

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Wien/Ag./Weber. Das französische Parlament hat am Dienstagabend das erste große Reformpaket von Präsident François Hollande verabschiedet. Auf die Bürger kommen durch den Nachtrag zum diesjährigen Haushalt bis zum Jahresende Zusatzbelastungen in Höhe von 7,2Mrd. Euro zu. Vor allem Spitzenverdiener werden zur Kasse gebeten: Von einer Sonderabgabe zur Vermögensteuer erhofft sich die Regierung 2,3 Mrd. Euro. Betroffen davon sind all jene, deren Vermögen 1,3 Mrd. Euro übersteigt.

Ein weiteres Kernstück ist die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen, die gestern, Mittwoch, in Kraft getreten ist. Dieses Projekt wurde schon unter dem konservativen Nicolas Sarkozy auf den Weg gebracht. In der ursprünglichen Fassung sah es eine Abgabe von 0,1 Prozent auf Käufe von französischen Aktien vor, sofern der Börsenwert des Unternehmens über einer Milliarde Euro liegt und der Firmensitz in Frankreich ist. Das sollte eine Mrd. Euro pro Jahr in die Kassen spülen. Die Regierung von Hollande verschärfte die Regelung aber noch: Ab sofort müssen Investoren nicht 0,1, sondern 0,2 Prozent des Aktienkurses an den Fiskus abführen.

Beobachter fragen sich jedoch, wie effektiv so eine Steuer sein kann. Investoren können sie bequem umgehen, indem sie bestimmte Termingeschäfte abschließen. Dabei kaufen sie nicht Aktien selbst, sondern Papiere, die den Kurs einer Aktie nachvollziehen. Am Ende wechselt nur die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs den Besitzer. In London, wo es seit Jahren eine „Stempelsteuer“ auf Aktiengeschäfte gibt, wich ein Großteil der professionellen Investoren auf diese Art von Geschäften aus.

 

Steuer trifft Kleinanleger

Wegen der Schwelle von einer Mrd. Euro Börsenwert sind derzeit nur 109 Unternehmen betroffen, darunter Louis Vuitton Moët Hennessy, Air France KLM und Total. Daneben wird noch eine weitere Steuer von 0,01 Prozent auf bestimmte Geschäfte im sogenannten Hochfrequenzhandel und bei Kreditausfallversicherungen (CDS) auf europäische Staatsanleihen eingehoben. Diese Maßnahme soll vor allem dazu dienen, die Spekulation einzudämmen.

Am Ende könnte die Börsensteuer aber vor allem an Kleinanlegern hängen bleiben, denn gewieften Großinvestoren bieten sich neben den Termingeschäften noch weitere Möglichkeiten, die Abgabe zu umgehen. So könnten sie Aktien eines französischen Unternehmens einfach in Frankfurt oder an einer anderen Börse kaufen. Für die Regierenden im Elysée-Palast fallen zwar alle Anteilsscheine von französischen Firmen unter die Regelung, ganz gleich wo die Papiere gehandelt werden. Wie sich die Franzosen das Geld dann aus Deutschland holen wollen, ist aber noch unklar.

 

Börse blieb am Mittwoch ruhig

„Wenn eine Ware im Ausland gehandelt wird, wer soll dann die Steuer einheben?“, sagt Dietmar Schmitt, Chef des Londoner Vermögensverwalters Sam Capital Partners. „Die Antwort ist: niemand. Das ist das große Problem des Gesetzes.“

Es gibt aber auch Fondsmanager, die beteuern, ihre Strategie nicht groß ändern zu wollen. Etwa Amandine Gerard von der Fondsgesellschaft Financiere de L'Arc: „Wir werden weitermachen wie früher“, sagt sie. „Wir werden nur nicht mehr so viel umschichten. Das Gute ist: Die betroffenen Aktien sind oft die Basis eines Portfolios, werden also nicht so oft gehandelt.“ Große Firmen, wie die 109 Betroffenen, sind oft stabiler als kleine Unternehmen, weswegen in sie langfristiger investiert wird.

An der Pariser Börse gerieten die Anleger am Mittwoch nicht in Aufregung. Der französische Leitindex CAC 40 stieg bis zum Nachmittag um knapp zwei Prozent. Auch französische Medien schenkten der Einführung der Börsenumsatzsteuer keine große Aufmerksamkeit. Der Zeitpunkt der Einführung sei eben klug gewählt, scherzten Beobachter. Der August ist der traditionelle Urlaubsmonat der Franzosen. Viele Börsenhändler dürften sich daher am Strand befinden und den Blackberry ausgeschaltet haben.

Auf einen Blick

Der französische Fiskus hebt seit Mittwoch eine Finanztransaktionssteuer ein. Investoren müssen 0,2Prozent des Aktienkurses an den Fiskus abführen, wenn sie Anteilsscheine eines französischen Unternehmens kaufen. Jedoch gibt es mehrere Schlupflöcher. Um das Budget zu sanieren, wird auch eine Sonderabgabe auf die Vermögensteuer eingeführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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12 Kommentare
Gast: hahnemann
03.08.2012 13:17
0 0

Stempelsteuer in UK

danke an die Presse, dass die Stempelsteuer in London für den Kauf von Aktien nicht übersehen wird.
Viele glauben, dass es in England keine Steuern auf Finanztransaktionen gibt.

ich habe sicherheitshalber reingeschaut in eine frankreich-live webcam.

und das unglaubliche hat sich bewahrheitet: frankreich gibt es immer noch!
eigentlich unverständlich, wo schon seit den ersten prognosen eines wahlsieges für hollande in dieser zeitung die redakteure und poster hundertemal den untergang frankreichs vorhergesagt haben.

warum bloß hält sich die reale welt nicht an die erkenntnisse der hier versammelten 'experten'???

Re: ich habe sicherheitshalber reingeschaut in eine frankreich-live webcam.

Wenn unsere Wirtschsft den Bach runtergeht, wenn unsere Sozialleistungen in den FPIIGS landen, werden Sie uns hoffentlich auch mit witzigen Kommentaren unterhalten.

Antworten Gast: 1. Parteiloser
02.08.2012 09:00
2 0

Re: ich habe sicherheitshalber reingeschaut in eine frankreich-live webcam.

Der Untergang von großen Volkswirtschaften kommt doch niemals plötzlich, der geht ganz langsam. Bis zum Ende dauert es sehr oft Jahrzehnte.

Frankreich betreffend hat ja schon die Vorgängerregierung sehr schlecht gewirtschaftet und damit das Land erheblich geschädigt. Der Abstieg ist schon länger im Laufen.

Ob die neue Regierung in F Verbesserungen schaffen wird, das wird wohl erst das Jahr 2013 zeigen, wenn es auch abgerechnet ist. Dann erst wird der Trend sicher erkennbar sein. Die Vorhaben von Hr. Hollande, welcher ja sehr ambitioniert vorgeht, sind ja bekannt.

Das 60 Punkte Programm, samt Zeitplan zur Umsetzung, wurde auch veröffentlicht:

http://www.wiesaussieht.de/2012/05/09/der-60-punkteplan-von-francois-hollande/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=der-60-punkteplan-von-francois-hollande

Das sind, meiner Meinung nach, auch viele vernünftige Punkte dabei. Eine Schnellschätzung zu den Kosten / Einnahmen der einzelnen Punkten, in eine Exceltabelle gedrückt, die hat dann aber doch als Summe -300 Mrd. Euro p.a. ergeben. Es ist also nicht wirklich umsetzbar.

Die Auswirkungen können mit der Geldschöpfung der EZB vielleicht einige Jahre verzögert werden, am Ende werden aber die strukturellen Defizite die Realität durchschlagen lassen.

Sicher ist auch, dass nach dem Abwirtschaften von Frankreich (wenn es so kommen sollte), auch einem Bürgerkrieg, Frankreich noch immer auf Webcams erkennbar sein wird. Es gibt ja auch immer wieder Aufnahmen aus Syrien, Libyen, Af.

Bin mal gespannt,

welches von den EURO-Ländern als erstes beim 100%-Steuer- und Abgabensystem landet. Und alle bekommen ein arbeitsloses Grundeinkommen, vom Straßenkehrer bis Industriemagnaten um jeweils +50,- EUR mehr, als Arbeitsanreiz.

Sie denken das geht nicht. Werfen Sie einen Blick auf das gescheiterte System des ehemaligen Ostblocks. Und Sie werden das Grundprinzip erkennen.

„Wir werden weitermachen wie früher“, sagt sie. „Wir werden nur nicht mehr so viel umschichten."

wenn das so ist, dann ist die übung ja geglückt.
denn um GENAU DIESE verringerung des 'umschicht-anteils' geht es ja bei dieser finanzsteuer.

Worum es bei der Verringerung der Umschichtung geht...

...werden alle diejenigen bald am eigenen Kontoauszug erkennen, deren betriebliche Pensionskassen dann weniger als erwartet auszahlen, nur damit der frz. (und ev. andere Finanzminister) noch mehr Schulden machen können als bisher.

Dass das einem Oberst i.R. wurscht ist, brauchen Sie nun wirklich nicht so heraushängen zu lassen: Das Image der Beamten ist auch so schon nicht das beste...

die neuen steuern werden frankreich noch tiefer in den abwertsstrudel reiten!

denn steuern kosten immer wachstum, da sie die preise erhöhen, und damit den unternehmen wettbewerbsfähigkeit nehmen, sowie deren spielraum für investitionen merklich verkleinern!

frankreich hat ja sowieso schon extremst hohe steuern, und damit wohl kaum ein ennahmenproblem, sondern vielmehr mit horrendhohen ausgaben zu kämpfen

holland sollte lieber das pensionsantrittsalert erhöhen, sowie den aufgeblähten staatsapperat abspecken, anstatt die wirtschaft mit exorbitanten steuern zu erdrosseln

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Re: die neuen steuern werden frankreich noch tiefer in den abwertsstrudel reiten!

Europa besteht, mit wenigen Ausnahmen, aus irrwitzigen Bürokratenstaaten.

Ich schätze das kommt noch aus der Zeit der Monarchie.

Aber diese Bürokraten, die ja nichts anderes können, werden nicht hinausgejagt werden können, weil sie schon die Mehrheit besitzen.

2 0

Wer kauft noch französische Aktien?

Keine Ahnung. Vielleicht Pensionsfonds?

nein, nur mehr Hollande selbst!

siehe Peugeot, Renault u.s.w.

Hollandes Programm bisher:

Schulden, Schulden, Schulden plus unbegrenztem ESM.

Gegegnleistung: Steuern, Steuern, Steuern.

Die wirklich G'stopften sind längst in den Nachbarländen.

Tolles Programm. Wird sicher aufgehen. Wenn Linke wirken...

Hobbyökonom