Tausende Menschen sind am Donnerstag in der süditalienische Stadt Taranto auf die Straße gegangen, um gegen die mögliche Schließung des größten Stahlwerks in Europa zu protestieren. Die rund 11.000 Mitarbeiter des Ilva-Stahlkonzerns streikten acht Stunden lang. Die Demonstration wurde von Ausschreitungen überschattet. Gruppen von Anhängern linksradikaler Gruppen griffen mit Tränengas und Eiern die Chefs der traditionellen Arbeitnehmerverbände an, die die Demonstration anführten. Die Polizei musste eingreifen.
Der Stahlkonzern Ilva soll durch Emissionen aus dem Werk in Taranto in den vergangenen 13 Jahren den Tod von 386 Menschen verursacht haben, vermuten die Staatsanwälte. Der 86 Jahre alte Eigentümer Emilio Riva, sein Sohn Nicola und sechs Manager wurden vergangene Woche verhaftet. Sechs Abteilungen des mit mehr als 11.500 Beschäftigten größten Stahlwerks Europas wurden geschlossen. Aus Angst um ihre Arbeitsplätze führen seit Tagen tausende Beschäftigte Protestaktionen. Sie befürchten die komplette Schließung des Werks, die nach Überzeugung eines Gewerkschaftssprechers zahlreiche Familien ruinieren würde. In der Stadt beträgt die Arbeitslosigkeit elf Prozent, das Stahlwerk ist der größte Arbeitgeber.
"Sanierung nicht durch Stilllegung"
"Ein Stahlwerk wird nicht saniert, indem die Produktion stillgelegt wird. Man muss Investitionen für die öffentliche Gesundheit planen, aber das Werk in Betrieb halten", erklärte die Chefin des Gewerkschaftsverbands CGIL, Susanna Camusso. In einer für Italien derart schwierigen Wirtschaftskonjunktur wäre die Schließung des Ilva-Werks eine unerträgliche Belastung.
Der Präsident des Ilva-Konzerns, Bruno Ferrante, signalisierte Dialogbereitschaft. "Wir müssen über die Kosten bestimmter Schritte zur Reduzierung der Emissionen nachdenken, aber wir können darüber diskutieren", betonte Ferrante. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurden in Taranto wesentliche Umweltauflagen nicht erfüllt, sodass unter anderem Dioxin emittiert wurde.
"Um jeden Preis die Produktion retten"
Umweltminister Corrado Clini versicherte, dass die Regierung Monti und der Ilva-Konzern die Sanierung des verseuchten Geländes um das Stahlwerk vereinbart hätten. "Wir müssen um jeden Preis die Produktion retten", erklärte der Politiker. Der Ilva-Konzern zählt zu den zehn stärksten Stahlgruppen der Welt. Das 1905 gegründete Unternehmen besitzt in Italien und im Ausland 36 Produktionsstätten und beschäftigt 21.711 Personen. 2011 meldete der Konzern unter Kontrolle der Familie Riva Umsatz von 10 Milliarden Euro.
(APA)
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