Moskau. Die ohnehin angespannte Situation auf den internationalen Getreidemärkten wird auch durch Russland verschärft. Zuletzt haben die Behörden den Prognosewert für die Ernte und den Export wiederholt nach unten korrigiert. Das trockene Frühjahr und die jetzige Dürre sind für den Ernteausfall verantwortlich. Auf 5,3 Mio. Hektar Fläche, immerhin zwölf Prozent der Saatfläche, sei die Saat vernichtet, hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium.
Russland, nach den USA und Australien der drittgrößte Weizenexporteur weltweit, wird heuer nur geschätzte 75 bis 80 Mio. Tonnen Getreide ernten und nur zehn bis zwölf Mio. Tonnen (vor allem Weizen) exportieren, erklärte Vizepremier Arkadij Dworkowitsch. Im Vorjahr war bei einer Gesamternte von 94,2 Mio. Tonnen die Rekordexportmenge von 27,2 Mio. Tonnen erzielt worden. Heuer werde die Exportmenge „in jedem Fall geringer sein“, sagte Dworkowitsch. „Dennoch wird es eine geben.“
Erinnerung an Missernte von 2010
Die Andeutung, dass es überhaupt eine geben werde, kommt nicht von ungefähr. 2010 hatte Russland mit der Entscheidung, aufgrund der damaligen Katastrophenernte einen Exportstopp zu verhängen, für Irritation gesorgt. Der Ernteeinbruch war beispiellos gewesen: Hatte die Getreideernte im Jahr 2008 den postsowjetischen Rekord von 108 Mio. Tonnen erreicht, so war sie 2010 aufgrund der Jahrhundertdürre auf 61 Mio. Tonnen gefallen. Ein Drittel der Ähren war verbrannt, die Bauern wurden mit hunderten Millionen gerettet. Der anschließende Exportstopp trieb die Weltmarktpreise in die Höhe.
Auch heuer ist die Existenz der Farmer wieder gefährdet, zumal sich viele in den vergangenen vier Jahren stark verschuldet hätten, erklärt Pavel Skurichin, Präsident der russischen Getreideproduzenten: 2012 hätten die Banken Kredite für die Aussaat um 35 Prozent reduziert. Aufgrund der Erfahrung von 2010 befürchteten Händler zuletzt, dass Russland abermals einen Exportstopp verhängen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist freilich limitiert, denn Russland tritt mit Ende August der Welthandelsorganisation WTO bei.
Faktum ist, dass das geringere Exportvolumen nicht zur Eindämmung der internationalen Preishausse bei Getreide beitragen kann. Vor allem die dürrebedingten Ernteausfälle in den USA, aber auch in Kasachstan und der ukrainischen Schwarzmeerregion haben die Preise zu historischen Rekordmarken in die Höhe schnellen lassen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)
USA: Jahrhundertdürre lässt Maispreise explodieren




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