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Schweizer Banken droht ein "langsamer Tod"

06.08.2012 | 16:54 |   (Die Presse)

Seit die Behörden in den USA und Europa die Jagd auf Steuersünder ausgeweitet haben, fließt zunehmend Geld von den Schweizer Banken ab. Experten schätzen, dass bis zu 100 Schweizer Banken verschwinden werden.

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Wien/Bloomberg. Schweizer Banken stehen vor der Wahl: Entweder sie sichern sich Vermögensverwaltungsmandate von wohlhabenden Kunden aus den Schwellenländern, oder sie gehen langsam unter. Seit die Behörden in den USA und Europa ihre Jagd auf Steuersünder verstärkt haben, fließt zunehmend Geld von den eidgenössischen Instituten ab.

Anleger aus Westeuropa dürften bis zu 135 Mrd. Franken (112 Mrd. Euro) oder 15 Prozent ihres in der Schweiz angelegten Vermögens abziehen, sagt Herbert Hensle von der Unternehmensberatung Cap Gemini. Die in Basel ansässige Privatbank Sarasin & Cie berichtete vergangene Woche, Privatkunden hätten in den ersten sechs Monaten des Jahres drei Mrd. Franken aus Schweizer Niederlassungen abgezogen.

Die Schweiz hat im Jahr 1934 Gesetze zum Bankgeheimnis verabschiedet. In den folgenden 75 Jahren wurde ein Drittel des weltweit offshore verwalteten Vermögens in der Schweiz angelegt, bis die USA am 19. Februar 2009 Anklage gegen die Schweizer Großbank UBS erhob. Damit wollten sie an die Daten von 52.000 amerikanischen Kunden herankommen, die angeblich nicht deklarierte Gelder in der Schweiz deponiert hatten. Fünf Tage später erklärte Ivan Pictet, damals Managing Partner beim größten Genfer Vermögensverwalter Pictet, der Zeitung Le Temps, dass die Schweizer Bankbranche um die Hälfte schrumpfen dürfte, falls das Land sein Bankgeheimnis aufgibt. Drei Jahre später konstatierte Raymond Bär, Ehrenpräsident der Julius Bär Gruppe AG: „Das Bankgeheimnis, wie wir es kennen, ist Geschichte”.

Laut Einschätzung von Zeno Staub, Vorstandschef der Privatbank Vontobel, werden bis zu 100 Schweizer Banken von der Bildfläche verschwinden. In den nächsten fünf Jahren werde jede dritte Bank verschwinden oder mit anderen Instituten fusionieren, sagte er zur Handelszeitung.

„Es wird keinen großen Knall geben, sondern ein langsames Verschwinden, wenn die Steueramnestie-Programme eingeführt werden und die Kunden ihre Gelder offiziell angeben”, erklärt François Reyl, Vorstandschef der Vermögensverwaltung Reyl Group in Genf. „Die Banken, die sich nicht anpassen, werden einen langsamen Tod sterben.”

Amerikaner ziehen ihr Geld ab

Einige Banken stehen bereits jetzt unter Druck. Die von dem Milliardär Spiro Latsis kontrollierte Schweizer Bank EFG International berichtete im Juli Abflüsse aus Kontinentaleuropa für die erste Jahreshälfte, bei Vontobel sank der Nettokapitalzufluss von Privatkunden gegenüber der Vorjahresperiode um 86 Prozent auf 100 Mio. Franken. Die Zahl der ausländischen Banken ist in der Schweiz von 154 im Vorjahr auf 145 gefallen. Das zeigen Daten des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz. Insgesamt waren in der Schweiz Ende 2011 laut der Schweizerischen Bankiervereinigung 312 Banken aktiv.

Laut Boston Consulting Group sind die in der Schweiz angelegten Gelder aus Nordamerika seit 2009 um rund 70 Prozent auf etwa 40 Mrd. Franken geschrumpft. Und die Zahl dürfte weiter zurückgehen: Peter Damisch von Boston Consulting in Zürich geht davon aus, dass amerikanische Kunden bis 2015 weniger als zehn Mrd. Franken auf Auslandskonten in der Schweiz halten werden.

Aber auch mit Kunden aus Schwellenmärkten können die Banken die Gelder aus Amerika und Europa nicht vollständig ersetzen, warnt Beat Bernet, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Banken an der Universität St. Gallen. „Die Banken müssen der Situation ins Auge sehen, dass die Profitabilität schrumpfen wird, und ihre Geschäftsmodelle entsprechend ausrichten, sodass sie auch mit niedrigeren Margen leben können.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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70 Kommentare
 
12

Lachhaft

Don chischotte oder wie der Pimpf heissen mag.

Die Welt geht zu Grunde, ein Flächenbrannt namens Anarchie.

Das haben wir zu erwarten.

totgesagte leben länger !



diese ewige schwarzmalerei die schweizerbanken betreffend ist lachhaft!

amerika und europa hat genug bankleichen schon begaben...das wird der schweiz nicht passieren!

jetzt wo all das griechen und arabischér frühling geld dort ist......

Gast: Gast 2012
07.08.2012 18:15
4 0

Schweizer Banken droht ein langsamer Tod?

den Banken der Euroländer droht hingegen ein schneller Tod...

Es kann kein Vergehen sein,

.. wenn man versucht, sein erarbeitetes Geld vor den Straßenräubern in Sicherheit zu bringen.

Wohin transferieren diese Leute ...

... und Firmen ihr Schwarzgeld nun?

Ist doch alles eine Augenauswischerei! Die USA sind höher verschuldet als Europa und nun ziehen sie ihre Headquaters und ihr Geld aus der Schweiz und Europa ab ... doch wohin?

In die Steueroasen der USA und UK?

Dort lagert sicher weit mehr Schwarzgeld als jemals in der Schweiz war.

Re: Wohin transferieren diese Leute ...

z.B. nach Delaware, dem Steuerparadies-Bundesstaat innerhalb der USA, der ohne Einschränkungen schalten und walten darf.

Re: Re: Wohin transferieren diese Leute ...

Danke, genau das wollte ich hören ...
ist doch alles scheinheiliges Gebrüll!

Die eigenen Steueroasen sollen mit Geld versorgt werden. Gegen die wird man aber nicht in der Art vorgehen, wie gegen die Schweizer. Die USA brauchen dieses Geld dringend sonst sind sie bankrott. Das hat doch nichts mit Vertrauen in den Bundesstaat oder den Dollar zu tun. Besser der Euro bricht zusammen als der Dollar. Da muss man dann halt einfach eine Währung "opfern". Im Euro ist halt noch nicht so viel "undefiniertes" Geld veranlagt worden.

Antworten Gast: E.T.
07.08.2012 20:03
2 0

Re: Wohin transferieren diese Leute ...

So scheint es.

Man sägt nicht nur fleißig am Euro und hat die Rating-agenturen, die gute Arbeit leisten, sondern man will natürlich auch das Geld der Schweiz lieber in den eigenen Steueroasen finden, wobei England sich als Lakai gut eignet.

Re: Re: Wohin transferieren diese Leute ...

Und soviel ich mich erinnern kann, ist die UK in der EU ... warum klopfen die USA und EU nicht mal dort an und erpressen diese Banken?

Und warum klopft die EU nicht mal in den USA an und verlangt die Herausgabe von Daten von Steuerhinterziehern in deren Steueroasen?

Ich glaube dann hätten wir kein Griechenland und sonstiges Südeuropa-Problem mehr!

Antworten Antworten Antworten Gast: E.T.
07.08.2012 21:20
1 0

Re: Re: Re: Wohin transferieren diese Leute ...

Großbritannien
Geographisch Europa ja........

Bei der EU ja -
beim Euro nein.....
bei der Gesetzgebung nein.........
bei der Einstellung nein.............


Wenn auch einige Banken

verschwinden sollten - in Österreich verschwanden in den verganenen 30 Jahren auch einige Banken - den Schweizern geht's auch dann nicht schlechthttp://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/snb-haelt-fuer-mehr-als-400-milliarden-franken-devisen-1.17445776

1 0

da ist schon wad dran, aber

dann kam es doch ganz anders.

1 7

die armen schweizer

Die eidgenossen haben fast hundert jahre von unseren entgangenen steuern gelebt.
Ist nur richtig so.
Mir ist nur leid um das schweizer einkommen, weil es jetzt wieder andere bekommen. Leider, aber nicht die steuerzahler.

Re: die armen schweizer

Was heißt hier "entgangene Steuern"? Es sind Deutsche und Österreicher, die ihr Geld ins Ausland bringen um nicht Steuern zahlen zu müssen. Die sind die Betrüger und sie betrügen ihren Staat und dessen Bevölkerung. Auch wenn die Schweiz einen anderen Weg als bisher einschlagen würde, es blieben für die Betrüger noch genug Staaten übrig, wie Honkong, Singapur, Luxembourg(!) und andere.

Re: Re: die armen schweizer

Ach was? Es gibt tatsächlich auch Staaten innerhalb (!) EU-Land, die als - um es im Brüsseler Jargon auszudrücken - verwerfliche Steueroasen zu bezeichnen sind und denen per Kavallerie der Garaus gemacht werden sollte? ;-) Dies müsste man dann wohl - sollten Ihre unerhörten Behauptungen denn wirklich zutreffen - als beschämende Arroganz und Heuchelei eines grosskotzigen, jedoch nicht mehr ganz quicklebendigen Grossreiches qualifizieren.

Mit den freundlichsten Grüssen aus dem Schurkenstaat XY, der für viele (insbesondere Brüsseler Getreue) ein grosser, allerdings wohl nicht zu beseitigender Dorn im Auge darstellt.

Re: Re: Re: die armen schweizer

@Helvetier: Grüezi, ausgerechnet das von Herrn Juncker regierte Luexmbourg wurde von der OECD (neben Österreich als Korruptions-Oase) als Steueroase identifiziert. Doch das darf man innerhalb der EU nicht laut sagen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: E.T.
07.08.2012 20:06
1 0

Re: Re: Re: Re: die armen schweizer

Geh bitte Österreich ?

Da werden Sie verdächtig, wenn Sie 1000 Euro in bar haben, dass sie vielleicht Geldflüsse verschleiern.

Also die Österreicher, zumindest die normal Sterblichen, werden bestens überwacht von den Banken.

Re: Re: Re: Re: die armen schweizer

Teil I

Werter Kollege.

Besten Dank für Ihre Antwort. Bitte verstehen Sie mich richtig: Die "Schwarzgeldgaunerei" müsste endlich ein Ende nehmen, keine Frage. Nur lege ich in dieser Angelegenheit/Diskussion Wert auf folgende Punkte:

1. Brüssel (aber auch Paris, Berlin, Washington, etc.) spielt augenscheinlich ein äusserst falsches - und dazu noch leicht durchschaubares - Spiel: Es gilt in Zeiten der Not die vorhandenen Geldmittel mit allen verfügbaren Instrumenten einzusammeln und gleichzeit a. das "Erfolgsmodell" (ökonomiasch und politsch) Schweiz zu diskreditieren, sowie b. die eigenen "Steuervorteile" (Ihre erwähnten Finanzplätze) zu schützen und zu bevorteilen;

2. Die - auch im Forum oftmals hergestellte - Verbindung "Schweizer Erfolg/Reichtum = Schwarzgeldverwaltung" ist natürlich kompletter Unsinn. Ein Blick auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der CH und die entsprechende Bedeutung der Finanzindustrie würde zumindest einen vernünftigen Einblick und Denkanstoss vermitteln. Wen es interessieren sollte:

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/04/02/02/key/nach_branchen.html

3. Ich lege Wert auf sachliche, vernünftige und handfeste Diskussionen. Bedauerlicherweise stelle ich im Gespräch mit Nicht-Schweizern - aber auch an dieser Stelle - oftmals komplettes Unverständnis, Vorurteile und stereotype Ansichten, bis zuweilen blanker Neid fest. Dies ist der Sache keineswegs dienlich und verhärtet die Fronten unnötigerweise.

Re: Re: Re: Re: Re: die armen schweizer

Teil II

4. Für mich bleibt nach wie vor folgende Frage offen und unbeantwortet: Weshalb soll und muss die CH und/oder deren Bankinstitute (in oftmals aussichtsloser und aufwendiger Art und Weise) überprüfen, ob ein Neukunde sein anzulegendes Geld ordentlich versteuert hat? Zudem: Ist es Sache der CH und/oder deren Finanzgesellschaften, die Steuern fremder Nationalstaaten einzutreiben?

Unzweifelhaft unstatthaft bleibt für mich lediglich folgender Umstand: Es ist inakzeptabel und moralisch verwerflich, dass schweizerische Bankmanager und deren Kundenberater wissentlich (!) unversteuertes, ausländisches Geld in Obhut nehmen.

Wenn Sie mir noch eine Zusatzbemerkung - aus innerschweizerischer Sicht - erlauben: Die CH wird weiterem Druck ausgesetzt werden, keine Frage. Als nächste Forderung könnte eine Steuerangleichung (z. B. "Holdingbesteuerung") folgen. Hier würde der Spass dann wohl aufhören. An diesem Punkt ginge es wohl ans Eingemachte. Aufgrund der politischen Situation in der CH ("direkte Demokratie") mache ich mir allerdings wenig Sorgen um mein Heimatland. Es wird auch diese Situation - wie die allermeisten in den vergangenen 200 Jahren - überstehen.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: die armen schweizer

@Helvetier: Danke für Ihren sachlichen Beitrag! Bin ganz ihrer Meinung. Die großen Summen Schwarz- und Drogengelder liegen ganz woanders. Schon lange nicht mehr in der Schweiz. Und ich frage mich auch schon lange, warum die EU nicht schon längst die EU-Steueroasen zur Herausgabe der Daten auffordert. Mir fällt dazu leider kein vernünftiger ehrlicher Grund ein. Würde sie das tun, dann hätten wir wohl kein Griechenland-, Spanien-, Portugal- und Italienproblem mehr.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: die armen schweizer

Besten Dank für Ihre Reaktion und Ihre Zustimmung. Ob die aktuelle Krisensituation in den erwähnten Ländern allerdings so leicht zu beheben wäre wie Sie in obigem Kommentar schreiben, bleibt für mich doch mehr als fraglich. Letzten Endes liegen die Probleme wohl doch (auch) tiefer. Stichworte dazu:

- Es war wohl ein Fehler eine Währungsunion mit solch differenten Volkswirtschaften bilden zu wollen.

- Gewaltige Strukturprobleme in Südeuropa (Arbeitsmarkt, etc.)

- Ohne einen entsprechenden "Mentalitätswandel" (z. B.: Rolle der Frau/Frauenerwerbsquote, Steuermoral/Steuerehrlichkeit, etc.) wird sich (langfristig) wohl nichts Entscheidendes ändern.

- Etc.

Ich grüsse Sie herzlich.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: die armen schweizer

Ja, da haben Sie leider wohl recht!

Beste Grüße aus Wien!

Antworten Gast: Marterer Horn
07.08.2012 11:58
3 0

Re: die armen schweizer

halleluja, an ihnen ist der kelch wohl vorübergegangen,na ja schaut mir nach sozialist u. unternehmerhasser* aus (*ausser die unternehmer die schön brav die nettoempfänger miterhalten) !! ps: die amerikanischen behörden solln lieber die rahmenbedingungen für unternehmen verbessern damit mehr ihrer vor dem haus herumsitzenden leute in lohn u. brot kommen als dass sie in anderen länder herumschnüffeln !!

Gast: Sparerfroh
07.08.2012 11:04
0 2

Ein sicherer Hafen der keiner mehr ist

Natürlich ziehen die Leute ihr (Schwarz-)geld ab wenn das Geld dort nicht mehr sicher ist. Und damit ist auch das Geschäftsmodell der schweizer Banken obsolet. Jetzt wäre es aber an der Zeit die vielen Mililarden an Schwarzgeld von superreichen Griechen an Griechenland zurückzugeben.

Gast: Hermann vom Gipfel
07.08.2012 10:33
0 3

Dieses Schandgeld sollte zurückgezahlt werden.

ISt die Regelung schon in Kraft?

Gast: tschetschenische.jazzszene
07.08.2012 10:23
1 2

sarasin

wenn die privatbank schon sarasin heisst.
sarasin-die schwyz schafft sich ab

 
12

Hobbyökonom