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Euro: Konzernen wird es in Europa zu heiß

06.08.2012 | 17:13 |  von Matthias Auer (Die Presse)

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell zieht Milliarden aus Europa ab und schafft das Geld lieber in die USA. Viele US-Unternehmen rüsten sich für den Kollaps der Eurozone. Die Kapitalflucht nimmt zu.

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Wien/London. Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell traut dem sommerlichen Frieden in der Eurozone nicht mehr. Das Unternehmen schafft 15 Mrd. Dollar (12,14 Mrd. Euro) aus dem Kontinent – und kauft um das Geld lieber US-Staatsanleihen. Shell sehe sich gezwungen, seine Risken in den am schwersten von der Schuldenkrise betroffenen Staaten zu verringern, sagte Shell-Finanzvorstand Simon Henry der britischen „Times“. Das Geschäft, vor allem in den südlichen Ländern der Peripherie, sei deutlich unsicherer geworden. Ein Risiko, das der Ölmulti trotz Milliardengewinns nicht mehr zu tragen bereit ist. Ein Teil des Geldes bleibe natürlich in Europa, um die laufenden Geschäfte zu erledigen. Den Großteil der 17,3 Mrd. Dollar Barreserven legt das Unternehmen aber lieber auf Konten bei amerikanischen Banken oder kauft darum eben US-Staatsanleihen.

Pepsi schützt Geld über Nacht

Die Aktion zeigt, wie wenig Vertrauen der Konzern in die Zukunft der Eurozone hat. Tatsächlich sind die Aussichten düster. Länder wie Griechenland oder Spanien sind auf Hilfszahlungen aus Brüssel angewiesen. Stimmungsindikatoren deuten auf ein baldiges Abtauchen des 17-Länder-Blocks in die Rezession hin. Die US-Großbank Citi schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland in eineinhalb Jahren noch Mitglied der Eurozone ist, auf gerade einmal zehn Prozent. Wenn es so kommt, sei die Ansteckungsgefahr hoch, warnt die US-Ratingagentur Moody's.

Shell ist nicht der erste Großkonzern, der derartige Mahnungen ernst nimmt. Nach einer Umfrage des US-Finanzdienstleisters Fireapps haben 88 Prozent von 800 befragten Unternehmen bereits Vorkehrungen getroffen, um von einem möglichen Ende der Währungsunion nicht überrascht zu werden.

So zieht etwa der US-Getränkekonzern Pepsi jeden Abend die Eurobestände seiner europäischen Niederlassungen über Nacht von den nationalen Banken in einen sicheren Hafen ab, berichtet die „Financial Times“. Kommt es in der Nacht nicht zur befürchteten Abwertung, landet das Geld frühmorgens wieder auf den nationalen Konten. Der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever und der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline würden es genauso machen, sagen Analysten. McDonald's denke zumindest darüber nach.

Auch US-Geldmarktfonds haben ihr Engagement in Europa zuletzt deutlich reduziert. 2009 investierten sie fast 40 Prozent ihres Kapitals in europäische Banken, heute sind es nur noch zwölf Prozent. Investoren beginnen, Geld in einer Geschwindigkeit aus der Eurozone abzuziehen, wie es sonst nur bei Währungskrisen in Schwellenländern der Fall war, schreiben die Analysten des japanischen Finanzhauses Nomura.

Shell misstraut dem Euro

Bisher waren vor allem die Länder der Peripherie von der Kapitalflucht betroffen. Italien, Griechenland, aber auch Spanien mussten zuletzt hunderte Milliarden an Euros ziehen lassen. Und der Trend beschleunigt sich weiter. Im Mai zogen Investoren etwa 41,3 Mrd. Euro aus Spanien ab. Zwei Drittel mehr als im April. In den ersten fünf Monaten „verlor“ das Land 163 Mrd. Euro. Das entspricht 16 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Im April waren es noch 26,6 Mrd. Euro. Zuflucht am Kontinent suchten die Investoren bisher vor allem in Nicht-Euro-Staaten. So musste die dänische Notenbank bereits heftig intervenieren, um den Zufluss von Mitteln aus dem Ausland einzudämmen.

Der Rückzug von Shell zeigt: Der Konzern misstraut dem Euro. Ob die Zweifel gerechtfertigt sind, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie viele Multis dem Beispiel folgen werden und auch ihr Geld von Europas Banken abziehen.

Auf einen Blick
Der Ölkonzern Shell schafft fast seine gesamten Barreserven aus dem Euroraum in die USA. Damit ist das Unternehmen nicht allein.
Die Kapitalflucht aus Europas Krisenstaaten nahm zuletzt deutlich zu. Von Jänner bis Mai „verlor“ Spanien 163 Mrd. Euro. Das sind 16 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Neun von zehn US-Firmen bereiten sich auf ein Ende des Euro vor. Manche bringen das Geld ihrer Töchter in Europa jede Nacht in Sicherheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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75 Kommentare
 
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Gast: nestbeschmutzer
08.08.2012 08:01
0 2

erst recht düstere Aussichten

Und wenn wir Ösis dem Wunsch vieler Posters- raus aus dem Euro und aus der EU nachkommen, den Schilling wieder einführen,werden wir einen Untergang erleben wie ihn nicht einmal unsere Großeltern kennen. Dann wird der Schilling wegen unserer Staastschulden mal auf 1/100 abgewertet (also alle Sparguthaben futsch, hatten wir schon!) und benötigen dann eine MillionSchilling Scheine, um ein Brot zukaufen. Wers nicht glaubt, soll mal in der Geschichte nachsehen. Ja und alle Konzerne und Unternehmen verlassen Ösiland so schnell wie möglich (auch andere Länder haben "hübsche Töchter"...) Ein Millardengrab mit einer Million Arbeitslose prophezeie ich dann auch...
Viel viel Spass am Leben danach....

Re: erst recht düstere Aussichten

Wo sehen Sie denn da nach in der Geschichte?? Die Situation in der wir stecken ist ja beispiellos.
Mit an ziehmlicher Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würde genau das Gegenteil von dem passieren was Sie beschreiben. Da wir wirtschaftlich noch immer gut aufgestellt sind würde eine Kapitalflucht nach Aut einsetzen und nicht umgekehrt. Das was Sie beschreiben wird ohnehin geschehen, nur mit der gesamten Euro-zone.

bitte um erklärung ...

Die USA ist weit höher verschuldet als der EURO-Raum. Die meisten US-Staaten sind längst pleite. Warum haben die Unternehmen trotzdem mehr "Vertrauen" in den Dollar?

Da stimmt doch etwas nicht ...

Wer kann mich aufklären, was da gerade läuft. Das erscheint mir alles unlogisch.

Re: bitte um erklärung ...

Das ist eben der Unterschied zwischen einem Bundesstaat und einem zerstrittenen Staatenbund !
Der Euro wird nur überleben, wenn sich Europa zu den USE durchringt.

Re: Re: bitte um erklärung ...

Was ist konkret der Unterschied? Können Sie mir da bitte genauer erklären? Besten Dank!

Re: Re: Re: bitte um erklärung ...

Ein Bundesstaat, wie zB die USA (oder, nur viel kleiner, auch Deutschland und Österreich) hat trotz partieller Autonomie der einzelnen Bundesländer nach dem Subsidiaritätsprinzip doch verfassungsmäßige Durchgriffsrechte auf das gesamte Bundesstaatsgebiet, die Budgethoheit und eine Stimme in der Aussenpolitik.
Beim Staatenbund gibt es innerhalb der Eurozone 17 Staaten (Gesamt EU 27) mit gemeinsamer Währung aber verschiedener Budgethoheit, Finanz- und Sozialpolitik, Wirtschaftskraft, Aussenpolitik etc. Diese zentrifugalen Effekte werden noch durch unterschiedliche Sprachen und Kulturen / Traditionen / Geschichte verstärkt. Jeder Staat innerhalb dieses Staatenbundes macht, was er will, Beschlüsse zur gemeinsamen Politik müssen einstimmig gefällt werden, das EU-Parlament ist weitgehend wirkungs- und zahnlos. Und jetzt wollen die defizitären Staaten zwar von den reicheren Staaten des Nordens gestützt werden, dulden aber keine Mitsprache bei ihren internen Angelegenheiten.
Da die, die zahlen, auch mitreden wollen, haben wir jetzt eine Patt-Situation mit totalem Stillstand, weil die EU keine ausreichend demokratischen Strukturen hat, die ein Durchgriffsrecht legitimieren würden.

Antworten Gast: Markus Trullus
08.08.2012 08:04
1 0

Re: bitte um erklärung ...

Sie haben sich die Antwort selbst gegeben: Mehr Vertrauen ist das "Rezept": man vertraut der US Wirtschaft eher zu, aus der Misäre zu kommen als dem Fleckerlteppich nationaler Kleinkrämer in der EU. That's it, no more commend needed...

Re: Re: bitte um erklärung ...

Der Fleckerlteppich ist aber auch eine Chance die Flexibilität ermöglicht ... als alles reine "Gefühlssache" und keine "nüchternen" Fakten ... oder steht da gar Programm dahinter?

strenge Regelung

aber es geht doch dabei nicht um die Real - Wirtschaft sondern nur um irgendwelche Finanzgeschäfte - und nur der Zusammenbruch der Finanzwirtschaft (Ausnahme Kredite, Sparkonten) kann die Wirtschaft langfristig retten - man kann nicht mit Dingen handeln, die es gar nicht gibt - und in der Finanzwirtschaft wird mit mehr Geld gehandelt als es überhaupt gibt - daher braucht es strenge Regelung

Antworten Gast: Markus Trullus
08.08.2012 08:07
0 0

Re: strenge Regelung

Muss ich auch wiedersprechen. Sie haben sich die Sache noch nicht wirklich angesehen, sondern plappern "Heute", "Krone" und "Österreich" nach. Natürlich haben ihre so definierten "Luftgeschäfte" einen realen Hintergrund. Prinzipiell geht es um den Handel von Risikos. Das macht eine Versicherung ihres Hauses nicht viel anders. Aber wer nur oberflächlich hinschaut...

Wer so viel betrügt, vertraut niemanden mehr.

Sollen sie zum Teufel gehen und vom Regen in die Traufe kommen.

1 0

Vielleicht brauchens aber auch nur das Geld anderswo,

z. Bsp um die Sauerei zu beseitigen, die sie im Nigerdelta angerichtet haben. Der Nigerianische Staat hat berechtigterweise Milliarden gefordert.

Gast: onkel dagobert
07.08.2012 06:59
3 1

Man sollte schön langsam zur Bank gehen, und seine Ersparnisse abheben

und gegen Gold, Norwegerkronen oder Can.Dollar umwechseln und in den Tesor verfrachten, solange dazu noch Gelegenheit ist.
Monti ruft zur Aushebelung der Parlamente auf, die Konzerne und Fonds ziehen ihr Kapital aus dem Euroraum ab. Noch Fragen?

1 3

Re: Man sollte schön langsam zur Bank gehen, und seine Ersparnisse abheben

Noch einer, der die eigene heimat verrät.
Warum, denkens mal nach.

das sind alles peanuts - fonds und hedge fonds haben bereits ueber 1 billion euro (ueber 1000 milliarden euro)

aus dem euroraum abgezogen und in den dollarraum verfrachtet - deswegen hat auch der dollar einen kuenstlich hohen aussenwert derzeit, bedingt durch das unvermeidliche auseinanderfallen des euros. sobald der euro aufgeloest ist (und dazu wird es kommen) weil der euro 1. keine waehrung ist und 2. kein staat fuer den euro geradesteht wird der dollar massiv abwerten, was an einem steigenden kurs von commodities sowie im speziellen gold/silber/nahrungsmittel/oel sichtbar werden wird.

goethe wusste schon (faust): am golde haengt, zum golde draengt doch alles - ach wir armen! :-)

normalerweise buergt ein staat, der eine waehrung ausgibt mit dem versprechen, die zukuenftigen steuergelder fuer die bedienung der anleihen & deren zinsen einzusetzen - das ist beim euro nicht der fall - euro ist ein politiksches kunstprodukt von dem man sich so schnell wie moeglich trennen sollte

Gast: Gast Türkei
06.08.2012 23:30
1 1

:)))))))))))))

Hi, leute ein fragen darf die Türkei ins EU!?........ langweili wirts mit euch sicher nicht..

Antworten Gast: Otto Normalverbraucher
08.08.2012 08:10
1 0

Re: :)))))))))))))

Lieber Türke
Bald werden sich die ehemaligen EU Länder anstellen, der Türkei beizutreten; wenn wir weiter so deppat sind....so schauts aus...

Antworten Gast: sapperlot34567
07.08.2012 10:21
1 0

Re: :)))))))))))))

nein,danke,ein griechenland genügt uns.

Antworten Antworten Gast: Gast Türke
08.08.2012 00:07
0 0

Re: Re: :)))))))))))))

http://www.youtube.com/watch?v=JdAO4PdlDe0

no,no nicht so eilig:))))

Hier geht es nicht nur um Shell die kein Vertrauen in den Euro haben!

In der Finanzbranche ist die Flucht aus der Euro-Zone in vollem Gange.
Man sollte einmal Juncker,Rehn,Faymann fragen,was da vorgeht.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um die Verantwortlichen zu Fragen, wer die Verantwortung für dieses Desaster hat.Alle Pläne verstoßen eindeutig gegen den Maastrichter Vertrag. Die EZB ist nicht dafür da, Staaten zu finanzieren. Das steht klipp und klar im Vertrag. Denn die wirklichen Probleme und Haushaltssanierung kann die EZB ohnehin nicht lösen. Welcher Bürger kann einer solchen Institution EZB die ständig ihre Strategie wechselt, noch vertrauen?Dollar-Bonds aus Gabun und Ghana werden derzeit mit 5,7 oder 4,3 Prozent verzinst. Dagegen muss Italien die Investoren aktuell mit einer Rendite von fast sechs Prozent ködern, Spanien berappt sogar rund sieben Prozent. Die Zinsen bei afrikanischen Staatsanleihen zeigen, dass sie als weniger riskant sind.

3 2

Die meisten der hiesigen...


...Blogger/Kommentatoren begreifen nicht, dass bislang der Markt Risiken und Chancen mit hoher Treffsicherheit einschätzen konnten.

Dass Shell u.a. Kapital abziehen, zeigt wohl, dass die Situation dramatischer ist als angenommen und uns unsere Politiker seit Kreisky ("besser ein paar Milliarden Schulden als Arbeitslose") nur belügen und die Situation beschönigen.

Oder die PRESSE-Leser wünschen sich einfach einen sowjet-sozialistisch geführten Staat, welcher eben vorschreibt, wo man sein Geld investiert, zu welchem Kurs man welche Geldmenge wechseln darf und vielleicht noch Reiseeinschränkungen insbesondere für Personen, welche in "sensiblen" Bereichen wie Öl beschäftigt sind.

Genossen, in diese Richtung marschieren wir.

Antworten Gast: nestbeschmutzer
08.08.2012 08:11
0 0

Re: Die meisten der hiesigen...

Richtig analysiert
Freundschaft

Re: Die meisten der hiesigen...

"es hat keiner die absicht eine mauer zu errichten" ...

wenn's zu heiss wird, gibts kapitalkontrollen, und personenkontrollen folgen immer den kapitalkontrollen ...

Antworten Antworten Gast: trader1
07.08.2012 16:57
0 0

Re: Re: Die meisten der hiesigen...

es ist auch keiner gezwungen sein depot oder sein konto in österreich oder in euro zu halten

Gast: trader1
06.08.2012 22:28
5 0

nebenbei ...

es steht jedem frei amerikanische staatsanleihen statt griechenlandanleihen zu kaufen...
es musz ja nicht jeder so dumm wie die kommunalkredit sein.

shell

nicht mehr tanken bei diesem konzern . ich habe die clubsmart-card bereits zum müll gegeben,

 
12 3

Hobbyökonom