Die britsiche Großbank Standard Chartered gerät in den USA in Erklärungsnot. Die New Yorker Banken-Aufsicht wirft dem Institut vor, fast zehn Jahre verdeckt Transaktionen mit dem Iran im Volumen von 250 Milliarden Dollar (202 Milliarden Euro) durchgeführt zu haben. Die Identität der iranischen Kunden sei absichtlich verschleiert worden. Die Behörden haben 30.000 Seiten an belastenden Material zusammengetragen. In ihrem Abschlussbericht bezeichnen sie das Unternehmen als "Schurken"-Bank. Standard Chartered habe das Land "anfällig für Terroristen, Waffenhändler, Drogendealer und korrupte Regimes" gemacht habe.
Bank könnte US-Lizenz verlieren
Nun könnte das Institut die Banklizenz in den USA verlieren. Das wäre ein Desaster, da sie damit keinen Zugang mehr zur größten Volkswirtschaft der Welt hätte. Die Anleger rechnen offenbar bereits mit dem Lizenz-Verlust und trennen sich in Scharen von Standard-Chartered-Papieren. In London brach der Aktienkurs am Dienstag um bis zu 26 Prozent ein.
Standard Chartered ist auf Geschäfte in den aufstrebenden Gebieten Asiens, des Nahen Ostens und Afrikas spezialisiert und war bisher nicht mit Skandalen aufgefallen. "Die Einschätzung der Behörde stellt kein umfassendes und akkurates Bild der Fakten dar", sagte eine Sprecherin. Sie kündigte zugleich aber eine interne Untersuchung an. Man habe seit fünf Jahren keine neuen Geschäfte mit dem Iran abgeschlossen, erklärte die Bank. Außerdem habe die Bank seit 2010 freiwillig mit den US-Behörden zusammengearbeitet, um die Transaktionen zu überprüfen.
"Ihr verdammten Amerikaner"
Die britische Zeitung "The Guardian" zitiert aus Emails und Gesprächen, die in dem US-Bericht veröffentlicht wurden. So habe ein hochrangiger Bankmanager in London etwa aggressiv auf einen US-Kollegen reagiert, der ihn bereits 2006 vor Geschäften mit dem Iran warnte: "Ihr verdammten Amerikaner, wer seid ihr, um dem Rest der Welt Handel mit dem Iran zu verbieten?" Allein diese Antwort zeige eine absolute Missachtung der US-Regeln, sagte Benjamin Lawsky, Chef der New Yorker Finanzaufsicht. Die britische Bank will die Aussagen von einzelnen Mitarbeitern nicht kommentieren.
Seit der Islamischen Revolution im Jahre 1979 schränken die USA den Handel mit dem Iran massiv ein. Transaktionen mit iranischen Banken sind seit 2008 verboten, da diese unter dem Verdacht stehen, terroristische Gruppen und Atomwaffen zu finanzieren.
(Red./APA)


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