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"USA beschädigen Finanzplatz London"

08.08.2012 | 12:13 |   (DiePresse.com)

Der drohende Verlust der Lizenz für die britische Bank Standard Chartered schlägt Wellen. Von US-Protektionismus im Bankensektor ist die Rede.

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Der drohende Verlust der US-Lizenz für die britische Großbank Standard Chartered schlägt nun auch politische Wellen. Erstmals meldeten sich in Großbritannien Politiker und Investoren zu Wort, die den US-Behörden vorwarfen, den Finanzplatz London beschädigen zu wollen. "Ich denke, das ist eine konzertierte Aktion, die von der US-Regierung angeführt wird", sagte der Labour-Abgeordnete John Mann, der dem Finanzausschuss des Parlaments angehört.

"Washington versucht hier eine Schlacht zu gewinnen, bei der es darum geht, den Handel von London nach New York zu verlegen. Das ist ein politischer Angriff." Den Problemen der britischen Banken werde in den USA mehr Aufmerksamkeit zuteil als denen der amerikanischen Großbanken, kritisierte Mann.

"Wie Schurken-Bank agiert"

Die New Yorker Finanzaufsicht DFS wirft StanChart vor, fast zehn Jahre lang trotz bestehender Iran-Sanktionen Transaktionen mit dem Land abgewickelt zu haben. Die Rede ist von einem Gesamtvolumen von über 250 Milliarden Dollar (201 Mrd. Euro). StanChart habe wie eine "Schurken"-Bank agiert und das US-Finanzsystem für Terroristen und Drogenhändler geöffnet. Die Vorwürfe mitsamt kompromittierender E-Mails wurden am Montagabend veröffentlicht - und die Bank nach eigenen Angaben völlig überrumpelt.

StanChart wies die Vorwürfe als überzogen zurück und arbeitet derzeit zusammen mit zwei Kanzleien an ihrer Verteidigungsstrategie. Vorstandschef Peter Sands brach eigens seinen Urlaub ab. Schon am kommenden Mittwoch muss das Institut in einer Anhörung der DFS Rede und Antwort stehen. Auf dem Spiel steht die US-Banklizenz. Ein Verlust wäre ein Desaster, denn damit hätte StanChart keinen direkten Zugang mehr zum wichtigen amerikanischen Finanzmarkt.

"Einseitiges Vorgehen? Oh ja!"

Beobachter lässt aufhorchen, dass StanChart bereits die dritte britische Großbank ist, die sich die US-Behörden binnen weniger Monate vorknöpfen. Erst musste Barclays wegen der Verwicklung in Zins-Manipulationen eine Geldstrafe über eine halbe Milliarde Dollar abdrücken. Und dann bekam die Konkurrentin HSBC wegen laxer Geldwäsche-Kontrollen vor allem bei Transaktionen mit Mexiko eine schallende Ohrfeige vom US-Senat. Auch hier droht eine Milliardenstrafe.

Der linke Londoner Oppositionspolitiker Mann gilt nicht unbedingt als Freund der Banken. In der Finanzkrise machte er sich einen Namen, weil er den Geldhäusern öffentlichkeitswirksam Gier und Unmoral vorwarf. Etliche britische Banken sind nur noch am Leben, weil der Steuerzahler mit Milliardenhilfen einsprang. Gerade Mann stellt sich jetzt aber vor die heimischen Banken - und bekommt Unterstützung von Fondsmanagern, deren Häuser zu den größten Anteilseignern von StanChart gehören. "Sehen wir gerade ein einseitiges Vorgehen der US-Aufseher gegen London? Oh ja!", hieß es bei einem der Top-25-Aktionäre. "Sehen wir eine subtile Art des Protektionismus im Bankensektor? Ja!". Ein anderer Fondsmanager warf die Frage auf, inwiefern der voranschreitende US-Wahlkampf eine Rolle spielt. Die Präsidentenwahl steht im November an.

Uneinigkeit unter den US-Behörden

Selbst unter den US-Behörden herrscht anscheinend Uneinigkeit darüber, ob die Breitseite gegen StanChart berechtigt ist. Die New Yorker DFS mit ihrem Chef Benjamin Lawsky ist eine relativ junge Behörde. Mit ihrem Alleingang brachte sie nicht nur das US-Finanzministerium gegen sich auf, sondern auch die Notenbank Fed, wie mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Durch sein unabgestimmtes Vorgehen habe Lawsky die Gespräche zwischen dem Finanzministerium und StanChart über Schadenersatzansprüche im Zusammenhang mit den Geschäften unnötig kompliziert und erschwert. Lawsky war für Nachfragen zunächst nicht zu erreichen.

StanChart war seit Anfang 2010 im Gespräch mit den US-Behörden über die Iran-Transaktionen. Noch in der vergangenen Woche, bei der Präsentation solider Quartalsergebnisse, hatte sich Vorstandschef Sands zuversichtlich gezeigt, die Vorwürfe ohne großen Wirbel aus der Welt räumen zu können. Mit all den anderen Banken-Skandalen sei die Sache überhaupt nicht vergleichbar, hatte er betont. Überhaupt galt StanChart jahrelang als Saubermann in der Bankenbranche. Dank starker Geschäfte in Asien und anderen Schwellenländern überstand das Geldhaus die Finanz- und Schuldenkrise ohne Blessuren. Dieser Ruf ist nun dahin, es geht um Schadensbegrenzung.

Aktie fällt um 25 Prozent

Seit Montag hat die StanChart-Aktie ein Viertel eingebüßt, 17 Milliarden Dollar an Börsenwert wurden vernichtet. Am Mittwoch erholten sich die Papiere etwas: Sie legten in London um sechs Prozent zu und ging auch in Hongkong fester aus dem Handel.

(APA/Reuters)

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21 Kommentare
Gast: Bonn
08.08.2012 18:25
0 0

Gleiche Behandlung

Auch deutschen Banken wurde der Handel mit dem Iran, unter Androhung eines Handelsverbot in den USA, madig gemacht. Die USA muß konsequent sein.

Re: Gleiche Behandlung

Es gibt keinen seriösen Grund
nicht mit dem Iran Handel zu treiben .
Es ist unverständlich ,
wie US/NATO Machtpolitik den Handel europäischer Firmen und Banken
erpresserisch verbieten kann

2 0

USA - GB

Seit Jahren benutzen die USA die Briten als europäische Speerspitze gegen Europa. Offensichtlich haben sich Briten da zu sicher gefühlt. Jetzt richten sich die "freundlichen Umarmungen" aus Übersee auch gegen sie selbst. Ein Narr, wer den Amis traut. Im Endeffekt gibt es für die Herrschaften ausschließlich ihre eigenen Interessen, ev. noch die der übergeordneten Kolonie in Nahost.

Antworten Gast: keinland
08.08.2012 23:10
0 0

Re: USA - GB

Kein Land im nahen Osten führt Wirtschaftskrieg gegen die EU, Europa oder irgend ein Land in Europa.

0 0

Re: Re: USA - GB

Sinnerfassend lesen ????

Gast: Tja,
08.08.2012 17:13
2 0

wem schaden die USA

nicht?

im Umkehrschluss

verfrachtet Royal Dutch Shell dafür seine Milliarden aus Europa nach USA
so beißt sich die Katze selbst in den Schwanz und vielleicht werden die Briten ja mal lernfähig dadurch
Europa liegt ihnen nun mal näher als Amerika

Gast: b754
08.08.2012 14:52
3 0

dass die usa auf diesem weg krieg führen ist nicht neu

die ratingagenturen tun nichts anderes als europa zu zerstören

Gast: E.T.
08.08.2012 14:44
5 0

So haben die Engländer sich das nicht vorgestellt

Nun zeigt sich das wahre Gesicht und die wahren Absichten der USA -

Die Länder mit dem Euro hat die USA ohnehin schon gut in der Zange, vor allem durch ewige Zwischenrufe und die Ratingagenturen. Das läuft inzwischen ja wie geschmiert.

Jetzt geht es auch ihrem sonst so nahe stehenden Verbündeten Großbritannien an den Kragen. Klar ist die USA daran interessiert auch den ausgezeichneten Banksektor von London umzuleiten.

Man sieht, hat man Freunde, braucht man keine anderen Feinde.

Gast: oeconomia
08.08.2012 14:40
2 0

macht

die supermacht macht selbst die verbuendeten englaender nieder, die werden london fertigmachen kaltstellen, wenn sie nicht 1:1 als us bundestaat agieren. arme englaender. Wuerd mich nicht wundern, wenn die supermacht diese englaender bald als schurkenstaat hinstellt, als boese terroristen... Arme englaender.

6 2

die ewigen Eu nörgler

sollten bedenken was da wirklich läuft! nur gemeinsam kann sich europa gegen diesen permanenten us amerikanischen wirtschaftskrieg durchsetzen und behaupten!
also nicht untereinander die schuld zuschieben sondern wege suchen!!!

Re: die ewigen Eu

Der Finanzplatz London ,
die City of London ,
die Steuerparadiese in GB ,
sind Zentren mit dubiosem Kapital in unvorstellberer Höhe .
Diese Finanzzentren schaden Europa

Antworten Gast: riichtig
08.08.2012 23:08
0 0

Re: die ewigen Eu nörgler

Richtig: die US-Amerikaner wissen um unsere Schwächen...

Gast: Karrowa
08.08.2012 13:19
5 1

Tja, wer nicht beim Euro ist

steht den Amis überhaupt völlig alleine gegenüber.

Die EU sollte sich das nicht gefallen lassen!

Sehen wir uns mal an, ob Goldman im Zusammenhang mit Griechenland nicht die Banklizenz in der EU verloren hat!

;-)

1 1

Re: Die EU sollte sich das nicht gefallen lassen!

Das wäre sachlich wohl richtig, aber aus Machtgründen eher nicht durchsetbar.

Gast: gast999
08.08.2012 12:49
4 0

das selbe ist bei der eurokrise zu beobachten

das ganze wird von amerikanischen ratingagenturen mit den stripenziehern aus der politik gegen europa gezogen

die amerikaner wollen europa politisch und wirtschaftlich zerstören

Gast: anglophiler Klagenfurter
08.08.2012 12:46
6 0

Der transatlantische Finanzkrieg ...

... ist nicht auf den Finanzplatz London beschränkt. Die Schweiz steht schon seit Jahren unter Beschuß, der Euro als Dollar-Konkurrenz detto.

Vielleicht hätten die Briten doch der EU beitreten sollen.


Re: Der transatlantische Finanzkrieg ...

die briten sind doch in der eu

Antworten Antworten Gast: anglophiler klagenfurter
08.08.2012 14:25
2 1

Re: Re: Der transatlantische Finanzkrieg ...

Lieber Hahahallo! Das war ironisch gemeint, aber das konntest du natürlich nicht wissen.

Re: Re: Re: Der transatlantische Finanzkrieg ...

woher auch?
hätte ja sein können, dass sie eu und eurozone verwechseln

Hobbyökonom