Wien/ag./nst/Juk. Beim deutschen Handelskonzern Douglas laufen die Geschäfte eigentlich ganz gut. Wäre da nicht die Buchhandelskette Thalia, die mittlerweile zum Sorgenkind des Unternehmens geworden ist. 165 Mio. Euro musste der Mutterkonzern im heurigen ersten Halbjahr bereits aufwenden, um den Karren Thalia wieder flott zubekommen. Konzernchef Henning Kreke zeigt sich dennoch optimistisch: Seinen Aussagen zufolge komme das Unternehmen mit der Neuausrichtung des Buchsegments gut voran.
Doch was ist passiert? In den ersten neun Monaten musste der Douglas-Konzern ein Minus von 73,1 Mio. Euro in Kauf nehmen, dabei war noch im Vorjahreszeitraum ein Gewinn von 82 Mio. Euro angefallen. Bei Thalia waren die Umsätze nach drei Quartalen rückläufig, und auch der Vorsteuerverlust ist größer als zuvor.
Noch im heurigen Jänner hatten sich hartnäckig Gerüchte gehalten, wonach Douglas Thalia verkaufen wollte, um sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren – Pläne die bereits vor Längerem verworfen wurden. „Sanierung in Eigenregie“ lautet nun die Devise. Die Krise im stationären Buchhandel hat auch vor der deutschen Handelskette keinen Halt gemacht. Das Unternehmen leidet unter der wachsenden Konkurrenz aus dem Internet, hinter der Namen wie Amazon stehen.
Nicht nur, dass immer mehr Kunden dazu übergehen, ihre Bücher im Netz zu bestellen. Auch die Umsätze mit elektronischen Büchern steigen rasant: Allein in Deutschland erreichten sie im Vorjahr 38 Mio. Euro. Gegenüber 2010 entspricht dies einer Steigerung von 77 Prozent. Die Zahl der E-Reader zieht ebenso an.
Österreich-Geschäft im Plus
Um den allgemeinen Entwicklungen entgegenzuwirken, versucht Thalia, Standorte zu schließen, aus größeren, teureren Filialen kleinere zu machen und Untermieter an Bord zu holen. Das tut die Handelskette auch in Österreich schon längst: Nicht nur, dass seit Langem mit der Firma Coffee Shop zusammenarbeitet wird. Im Juni zog Thalia mit dem Computerhändler Di-Tech einen weiteren Untermieter an Land. Die Liaison mit Di-Tech sei sicher nicht zustande gekommen, um den Buchhandelsriesen finanziell zu entlasten, sagte Di-Tech-Boss Damian Izdebski der „Presse“. Vielmehr gehe es für beide Firmen darum, zusätzliche Zielgruppen anzusprechen.
Hierzulande betreibt Thalia 36 Filialen. Im Gegensatz zu Deutschland werden in Österreich schwarze Zahlen geschrieben. Tatsächlich weist die Bilanz für das mit September 2011 endende Geschäftsjahr bei 122 Mio. Euro Umsatz 4,3 Mio. Euro Nettogewinn aus. Thalia sei eines der wenigen heimischen Unternehmen, denen es gelungen sei, ein funktionierendes „Multi Channel“-Konzept einzuführen, heißt es in der Branche. Das bedeutet: Während in Deutschland zu lange auf den stationären Vertrieb gesetzt wurde, scheint man es in Österreich früher verstanden zu haben, den Filialbetrieb mit dem Handel im Internet zu verbinden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)
WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet
UrlaubÖsterreicher im EU-Ranking voran