22.05.2013 12:31 Merkliste 0

Schweizer Nationalbank in einer kritischen Phase

09.08.2012 | 17:27 |   (Die Presse)

Die Schweizer müssen zur Franken-Pflege Milliarden an Euro aufkaufen. Die Devisenreserven der Nationalbank in Zürich sind daher auf einen Rekordwert gestiegen. Analysten fragen sich, wie lange das gut geht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Höll. Über 200.000 Österreicher haben einen Fremdwährungskredit, die meisten sind in Schweizer Franken verschuldet. Sie verfolgen gespannt die Politik der Schweizer Nationalbank (SNB), deren Devisenreserven im Juli auf einen Rekordstand von umgerechnet 406,5 Mrd. Franken (338,4 Mrd. Euro) gestiegen sind. Im Vergleich zum Juni entspricht das einem Plus von 41,4 Mrd. Franken. Allein in den vergangenen drei Monaten waren die Schweizer wegen der Eurokrise gezwungen, Devisen von umgerechnet fast 170 Mrd. Franken aufzukaufen. Immer mehr Analysten fragen sich besorgt, wann den Eidgenossen die Luft ausgehen wird.

Die Schweiz gehört mittlerweile zu jenen Ländern, die über die größten Devisenreserven weltweit verfügen. Zum Vergleich: Die Devisenreserven in der gesamten Eurozone lagen zuletzt bei 695 Mrd. Euro. Gemessen an der Wirtschaftskraft besitzt die Schweiz mittlerweile mehr Devisen als China. „Die Schweizer Nationalbank befindet sich in einer kritischen Phase“, sagte Ex-SNB-Vorstand Niklaus Blattner am Donnerstag der Zeitung „Cash“. Solange die Eurozone ihre politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit nicht zurückgewonnen habe, müsse man zufrieden sein, wenn die Schweizer Nationalbank die festgelegte Franken-Grenze überhaupt verteidigen könne.

Viele internationale Anleger flüchten in den Franken, weil die Schweiz als sicherer Hafen gilt. Doch dies schadet der Schweizer Wirtschaft. Denn durch die Aufwertung des Franken verteuern sich die Exporte. Vergangenen September führten die Währungshüter in Zürich daher eine Mindestgrenze von 1,20 Franken pro Euro ein. Seitdem gab es immer wieder Angriffe von Hedgefonds.

Drohen hohe Inflationsraten?

Um ihr Limit zu verteidigen, müssen die Schweizer riesige Bestände an Euro aufkaufen. Sie erwerben nicht nur Devisen, sondern auch im großen Stil Anleihen von Euroländern, wobei sie hier auf Nummer sicher gehen. Die Nationalbank in Zürich hält meist Wertpapiere bester Bonität. Beobachter gehen davon aus, dass es sich dabei in erster Linie um deutsche Staatsanleihen handelt.
Doch der Kurs der SNB sorgt für Kritik. Denn die Zukunft der Schweizer Währung hängt nun ausschließlich von der Entwicklung in der Eurozone ab.

Verschlimmert sich die Krise in der Eurozone, müsste die Nationalbank in Zürich noch öfter die Notenpresse anwerfen. Dies könnte mittelfristig zu hohen Inflationsraten führen. Im schlimmsten Fall wäre die SNB dann gezwungen, die Grenze von 1,20 Franken pro Euro aufzugeben. Beruhigt sich allerdings die Lage in der Eurozone, haben die Schweizer die Möglichkeit, ihre Eurobestände mit Gewinn zu veräußern.

Die Regierung in Bern jedenfalls verteidigt die Politik der Nationalbank. „Die SNB ist in der Lage weiterzumachen. Zurzeit bestehen keine inflationären Tendenzen“, versicherte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
Gast: fredson
10.08.2012 20:22
0 0

Auch wenn der Euro auseinander fällt..

sind die 300 mrd nicht verloren. es wird dann in die neuen währungen umgetauscht. da es sich zu über 80% um toprating anleihen handelt könnte sogar ein gewinn daraus resultieren.

verbietet hedgefonds oder schränkt sie stark ein dann dürfte ein teil des problem gelöst sein.

Gast: Fprester
10.08.2012 16:44
0 0

Wenn der Euro auseinanderfällt wird es für die Schweiz teuer

Ich wollte nur darauf hinweisen, dass bei einem Zusammenbruch des Euro die rund 300 Mrd. Euro bei der Schweizer Nationalbank futsch sind. Die EU und der Euro schädigen nicht nur die EU-Staaten selber, sondern indirekt auch deren Nachbarn, die nicht EU-Mitglied sind.

Diese Euro-Bestände bei der SNB sind der Euro-Stützung geschuldet. Kein Land steuert indirekt soviel zur EU bei wie die Schweiz. Ich denke nur an die mittlerweile mehr als eine Million EU-Bürger, die in dide Schweiz migriert sind und hier Arbeit und Wohlstand finden. Der Wohlstand der Schweizer nimmt dadurch tendenziell ab (z.B. Immobilienpreisexplosion u.a.). Das Mehr an Wirtschaftsvolumen muss ja auch durch die zusätzlichen Immigraten dividiert werden. Jeder Immigrant kostet die Schweiz 300'000 Fr. an Infrastrukturausbau und Integrationskosten. Das bezahlen die Schweizer und nicht die Immigranten. Die Arbeitslosenzahlen in der EU wären ohne die Schweiz noch einiges höher. Allein unter diesem Titel nimmt die Schweiz der EU Arbeitslosenentschädigungen von etwa 30 Mrd. Fr. pro Jahr ab. Aber statt Dank erntet die Schweiz nur Vorwürfe.

zur Zeit keine inflationären Tendenzen...

kaufen Sie mal eine Immobilie in der Schweiz!

die Krise in Europa wird sich verschärfen, denn nun kommt bald die weltweite Rezession.

das wird ein teurer Spass für die Schweizer

Gast: Hans im Glück
10.08.2012 09:43
2 0

Richtigstellung

Es ist keine Frankenpflegen!!!

Die Schweiz stützt den EUR!!!

Es ist eine EUR-Pflege.

Hobbyökonom