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Nach Ederer-Brief: Siemens im Visier der Justiz

10.08.2012 | 17:55 |   (Die Presse)

Bei einem Auftrag soll Siemens-Managerin Brigitte Ederer „erpresserische Botschaften“ übermittelt haben. In Siemens-Kreisen heißt es, man habe nur für ein faires Verfahren plädiert.

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Wien/Höll Die U-Bahn in der nordfranzösischen Stadt Lille hat zwei Linien. Diese sind etwas mehr als 45 Kilometer lang und haben 61 Stationen. Nach diversen Beratungen hat der Stadtrat beschlossen, die U-Bahn zu modernisieren. Der Auftrag ist über 250 Mio. Euro schwer. Den Zuschlag erhielt im Mai der französische Alstom-Konzern, ein Rivale der deutschen Siemens-Gruppe.

Kurz vor der entscheidenden Sitzung soll die Bürgermeisterin von Lille, Martine Aubry, laut Agenturberichten von der aus Österreich stammenden Siemens-Managerin Brigitte Ederer einen Brief erhalten haben. Aufgrund dieses Schreibens führt die Staatsanwaltschaft in Frankreich Vorerhebungen gegen Siemens durch. Details dazu geben die Justizbehörden nicht bekannt. Dem Vernehmen nach laufen die Vorerhebungen nicht gegen Personen, sondern nur gegen Siemens. Vom Inhalt des Ederer-Briefs, der bislang nicht veröffentlicht wurde, gibt es unterschiedliche Interpretationen.

Die Bürgermeisterin von Lille behauptet, Siemens habe Druck auf die lokale Politik ausgeübt, um beim U-Bahn-Geschäft zum Zug zu kommen. Zusätzliche Brisanz erhält die Affäre durch den Umstand, dass Aubry auch Parteichefin der regierenden Sozialisten ist, die sich für einen stärkeren Staatseinfluss auf die Wirtschaft aussprechen. Aubry gilt als schlagfertig.

Bürgermeisterin beschwerte sich

Das Siemens-Schreiben soll „eine gewisse Anzahl erpresserischer Botschaften enthalten haben“, zitierte die "Financial Times Deutschland" die Bürgermeisterin. „Ich glaube, man muss die Dinge beim Namen nennen“, so Aubry.

Die Bürgermeisterin beschwerte sich über Siemens bei der Staatsanwaltschaft und löste damit die Vorerhebungen aus. Ein Sprecher von Siemens äußerte sich dazu auf „Presse“-Anfrage nicht: „Zu einem laufenden Verfahren nehmen wir nicht Stellung.“ Der Sprecher wollte weder bestätigen noch dementieren, dass Ederer den Brief verfasst haben soll. Dem Vernehmen nach sollen Siemens-Manager von den französischen Justizbehörden bereits als Zeugen befragt worden sein. Dabei sollen diese erklärt haben, dass Siemens nur für einen fairen Wettbewerb plädiert habe.

Nach den Vorerhebungen entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob die Causa eingestellt oder ob es weitere Ermittlungen geben wird. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ederer, die den umstrittenen Brief geschrieben haben soll, arbeitete nach dem Ausscheiden aus der österreichischen Politik für Siemens, 2010 wechselte sie nach München in den Konzernvorstand. Sie ist dort für Personalagenden und für die Region Europa und GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) zuständig. Als für Europa verantwortliches Vorstandsmitglied soll sie sich an Lille gewandt haben, heißt es.  Die Causa sorgt in Frankreich für Wirbel.

Härtere Zeiten für Siemens

Siemens und der französische Alstom-Konzern sind erbitterte Rivalen. Medienberichten zufolge sollen die Deutschen nicht verstanden haben, warum sich Lille für Alstom entschieden hat. Denn die Deutschen sollen nicht nur ein günstigeres Angebot gelegt haben, sondern sie sollen angeblich auch technologisch besser sein. „Wir haben in dieser Technologie fünf Jahre Vorsprung“, sagte Siemens-Frankreich-Chef Christophe de Maistre. Die U-Bahn in Lille ist ein kleines Prestigeprojekt. Die französische Stadt nahm 1983 die erste fahrerlose Metro der Welt in Betrieb. Siemens machte Frankreich zum Kompetenzzentrum für fahrerlose U-Bahnen.

Für Siemens und Alstom ist jedes auch noch so kleine Geschäft wichtig. Im abgelaufenen Quartal ist der Auftragseingang von Siemens um 23 Prozent gesunken. Vor allem in China und Europa werde weniger bestellt, gerade Großprojekte wie Kraftwerksbauten oder Zugsaufträge seien ausgeblieben, klagte der aus Villach stammende Konzernchef Peter Löscher. Siemens arbeitet daher an einem Sparprogramm. Ob auch Stellen abgebaut werden sollen, ist noch unklar. Offen ist laut Löscher weiters, ob der Konzern das für dieses Geschäftsjahr angepeilte Gewinnziel von 5,2 Mrd. Euro erreichen kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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115 Kommentare
 
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14 0

Tja

SPÖ-BonzInnen halt. Wer hätte auch wirklich anderes erwartet!

Brigitte Ederer, mir schuldet sie auch ...

...noch immer den "Beitritts-Tausender":
ich empfehle daher, ihr im vorauseilenden Gehorsam vorerst einmal die österr. Staatsbrügerschaft zu entziehen, damit wir in diese dunklen Geschäfte nicht hineingesogen werden und Europas Rote nicht wieder Sanktionen schmieden!

Jetzt exportieren wir

schon unsere Korruptionskultur...

2 0

Re: Jetzt exportieren wir

Das was man heute alles unter Korruption subsummiert war früher nur die aktive und passive Bestechung von österr. Beamten und Politikern. Die Bestechung von ausländischen Leuten war Privatfirmen früher eigentlich erlaubt. Dafür gab es sogar im Standard-Kontenrahmen für Buchhaltungen das Konto "Geheime Provisionen".

Wenn man in einem korrupten Land nur auf diese Art einen Auftrag bekommen kann dann geht es halt nicht anders. Um die Korruption in anderen Ländern sollen sich die anderen Länder kümmen. Früher stand das eigene Land und dessen Erfolg im Vordergrund. Heute zahlen wir nur an andere Länder mit Steuergeldern bis alle gleich arm sind.

Re: Jetzt exportieren wir ...

In dieser Sparte sind wir uneinschränkte Weltmeister und liegen um unterreichbare Weiten noch vor den Deutschen!

Gast: Till aus dem Haus der Freude
10.08.2012 13:02
9 1

Jetzt wird halt...

...die Achse Swoboda-Hollande aktiviert.

Die Französisch-Österreichische-Freundschuft hat ja schon im Jahr 2000 besten funktioniert.

3 0

Re: Jetzt wird halt...

Das war wohl nur die Freundschaft mit den Sozialisten und den Reichseuropäern in Österreich. Ganz sicher nicht mit Österreich sondern gegen Österreich.

Gast: Joghurtgewinner
10.08.2012 12:57
3 0

Bei den Kartellstrafen

der EU ist Deutschland und Österreich überrepäsentiert. Ich denke, dass hängt mit einer Einseitigkeit der Brüsseler Behörde zusammen, bzw. ist man in anderen Ländern weniger hellhörig was die eigenen Unternehmen betrifft. Ich würde sagen, dass die Kartellwächter sich eher einmal den anglofranzösichen Raum anschauen sollen und zwar vonamtswegen.

Antworten Gast: Rating Agent 007
10.08.2012 13:31
1 0

Re: Bei den Kartellstrafen

Sie sollen sich alles ansehen und die Kartellstrafen gegen Österreich waren auch alle gerechtfertigt.

Gast: Its so easy
10.08.2012 12:54
12 4

Ergo dessen

Niemals rot wählen und nichts von Siemens mehr kaufen.

Gast: Hermann vom Gipfel
10.08.2012 12:52
11 2

Das ist ja ganz arg!

Die Ederer ist doch die Personalchefin. Was hat die bei einem U-Bahn Projekt verloren. Ist sie etwa ein Verkaufsgenie? Das sollten Spezialisten machen und nicht die Personalchefs.

Bei Siemens machen die PErsonalchefs Vertriebspolitik. Wie ist das genau zu verstehen? Ich vermute das läuft so: Kaufst Du mir eine U-Bahn ab, dann stelle ich deinen Sohn als Gruppenleiter ein. Kaufst Du mir 2 U-Bahnen ab, als Abteilungsleiter, ab 5 U-Bahnen: Bereichsleiter usw.

2 0

Re: Das ist ja ganz arg!

Frau Ederer ist das für Europa verantwortliche Vorstandsmitglied...

Re: Die Ederer ist doch die Personalchefin

Verzeihung. Denken Sie tatsächlich das die eingespielte Personalstruktur und das Personalmangement eines Teils eines internationalen Großkonzerns die SPÖ-geschulte Fr. Ederer tatsächlich zur Personalverwaltung benötigte?

Oder könnten da nicht ein paar andere Überlegungen, wie z.B. öffentliche Auftragsvergaben und das berühmt-berüchtigte "Türen öffnen" mittels Politkontakte eine Rolle gespielt haben?

Zudem man ja als Personalchef nicht wirklich in einer konzernpolitischen Weichenstellungsposition sitzt. Weiters gilt dort zudem das Vieraugenprinzip, womit Fr. Ederer in Wahrheit alleine überhaupt nichts verbocken könnte.

der typische französische Protektionismus

zeigt sich in Zeiten der Krise wieder ganz unverblümt

Antworten Gast: Halbwissen
10.08.2012 13:07
0 0

Re: der typische französische Protektionismus

Na wenn die Deutschen keine französischen Waren kaufen wird es nicht funktionieren !

Was sollen die Franzosen sonst machen ? Kredit aufnehmen und die Deutschen damit finanzieren ?

Auf Dauer müssen die Handelsbilanzen audgeglichen sein !
Isz doch logisch, oder ?

Re: Re: der typische französische Protektionismus

ausgeglichene Handelsbilanz ... ja klingt zumindest logisch

aber bleibt wohl eher ein Wunsch, der sich die nächste Zeit immer weiter weg von der Realität entfernt

NUR - wo kommen wir in Europa hin, wenn ein Land den freien europäischen Wettbewerb durch Absprachen sabotiert

... oder zeigt es eigentlich nur, dass die Deutschen die besseren Ingenieure und Vertriebler sind.

Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
10.08.2012 18:46
0 0

Re: Re: Re: der typische französische Protektionismus

Natürlich wäre es besser wenn Regierungen nicht überlegen müssten: Heimische Firma oder Pleite
Dort sind wir jetzt hingekommen !

Es gibt auch noch die Möglichkeit das deutsche Ingenieure einfach zu wenig Lohn verlangen.

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Fr. Ederer,

von der SPÖ kommend von Siemens hoch oben übernommen, was jedoch zumindest offiziell nichts mit den Auftragsvergaben der öffentlichen Hand an Siemens in Österreich zu tun hat, hat wohl die versehentlich angenommen, die in Österreich üblichen "Argumente" für einen Auftragserhalt gelten auch bei den Sozialisten in Frankreich?

Und zudem nicht das "kleinste Entgegenkommen" für den Schwenk des Hrn. Faymann auf die neue Hollande-Linie?

Ja, ja, die Welt ist hart und ungerecht. Zumindest dürfte sie sich aus SPÖ-Sicht so darstellen.

Eder? Die schuldet mir doch noch 70 Euro!

wo versteckt die sich?

Hat sie ein paar ihrer Edererer Tausender für sich reklamiert?


Gast: Rating Agent 007
10.08.2012 12:28
12 0

Siemens agiert überall so

Nur wurde seit dem unglücklichen Aufdecken der Korruptionskultur eine Vereinbarung mit den Regierungen, Staatsanwälten geschlossen, nichts mehr weiterzuverfolgen.

Für Ederer gibt es bereits einen neuen Posten, Generaldirektor der Telekom. Hier kann man gegenseitig Erfahrungen austauschen.

Antworten Gast: Wirwollenkeinrusslandsein
10.08.2012 13:02
1 0

Re: Siemens agiert überall so

Soweit man facheinschlägig lesen kann hat Siemens sich auf ein wirkungsvolles comlpiance management eingeschworen. Dieses kann aber nur dann wirksam werden, wenn sich die Staaten ein korruptions - und kartellfreies Vergabewesen als Ziel setzen. Deshalb auch eine entsprechende Forderung führender deutscher Unternehemen.

Antworten Antworten Gast: HB4242
10.08.2012 14:18
1 0

Re: Re: Siemens agiert überall so

Also compliance ist

1. in vielen Bereichen bereits Geschichte und war

2. ohnehin nur ein Instrument, die "kleinen" Mitarbeiter zu knebeln ...

Antworten Antworten Gast: Rating Agent 007
10.08.2012 13:25
4 0

Re: Re: Siemens agiert überall so

Was soll das heissen?
Wenn die vordergründige Aufgabe der eigenen Korruptionskultur als Wettbewerbsnachteil verstanden wird, dann wird sie sogleich wieder eingeführt?

Zuerst Franzosen, dann erst Sozialisten

Vermutlich meinte Mag. Ederer, daß man Textschablonen zur Unterstützung von Aufträgen, wie man sie bei der Gemeinde Wien oder der ÖBB nutzt, auch bei französischen Kunden verwenden kann. Die französischen Sozialisten sind halt nicht zuerst internationale Sozialisten, sondern zuerst Franzosen.

Gast: Rating Agent 007
10.08.2012 12:18
8 0

Die Korruptionsaffäre ist noch nicht überwunden

Heute ist es schlimmer denn je. Auch die Telekom kehrt die Vorwürfe ganz schnell unter den Teppich. Einer muss gehen, hunderte kriminelle Führungskräfte sichern sich ab. Ein paar Jahre geht das gut, dann bricht der Sumpf wieder an die Oberfläche.

hat wohl die Konkurrenz besser geschmiert


Antworten Gast: HB4242
10.08.2012 14:37
0 0

Re: hat wohl die Konkurrenz besser geschmiert

Das würde ich so nicht sagen; Aber die Konkurrenz hat sicher besser kommuniziert ....

Gast: Sonet
10.08.2012 12:14
12 0

Da glaubte sie

dass sie ihre österreichischen Schweinereien auf Frankreich umlegen kann. Geirrt.

15 0

Der Ederer Tausender

Wir wurden belogen. Hoffe das die französische Justiz nicht so blind ist wie unsere.

Antworten Gast: H. Wallnöfer
10.08.2012 12:31
9 0

Re: Der Ederer Tausender

Den Ederer Tausender, um den in wenigen Jahren alles teurer geworden ist, spüre ich jeden Monat schmerzlich.
Es gibt ihn also, vielleicht hatten Sie damals etwas missverstanden.

Antworten Antworten Gast: So ist es !
10.08.2012 14:06
2 0

Re: Re: Der Ederer Tausender

Um den Tausender in ATS wird bei uns das Leben wohl monatlich teurer, nicht in Jahren. Da hat sich die Frau Ederer seinerzeit wohl ebenfalls falsch ausgedrückt, sie meinte, dass die Wirtschaft von jedem österreichischen Haushalt ab EU-Beitritt monatlich an die ATS 1000 einstreifen dürfte, wie auch hier mit den Franzosen, das war bloß ein Missverständnis!
Und: Auch hier gilt die Unschuldsvermutung, wie auch bei Strasser, Grasser, Mensdorff-Pouilly, Rauch-Kallat, ...

Gast: Trollblume
10.08.2012 12:12
6 0

super urlaub - guter ruf ist hin!

gehe auch davon aus, dass der jüngste reigen an korruptionsfällen für unser image im ausland auch nicht gerade förderlich ist. wir haben artikel in faz, zeit,...
ich nehme mal an,. auch in französischen medien wird im moment nix anderes über Ö berichtet.
wird jahre dauern, das image wieder loszuwerden!

Antworten Gast: Rating Agent 007
10.08.2012 13:27
4 0

Re: super urlaub - guter ruf ist hin!

In Jahren könnte es noch viel schlimmer aussehen. Es wird nur die Spitze des Eisbergs sein. Österreich muss weiter herabgestuft werden, irgendwann wird die Politik die Laune mit solchen Unternehmen endgültig verlieren.

Gast: Abdisu
10.08.2012 12:07
8 0

Grauslich, grauslich!

Der Ex-Parteilinke Gusenbauer als neoliberaler Heuschreckenlobbyist, die Ex-Parteilinke Ederer als Scharfrichterin mit der Sanierungsgouillotine, die dann auch offenbar noch französische Arbeitnehmer in Geiselhaft nimmt, wenn nicht alles nach den Vorstellungen des Multis geht.

Tja,

offenbar kann man die französischen Sozis noch nicht so leicht kaufen wie die österreichischen.

Sie ist SPÖ-Bonze,

was glaubens wie es da zugeht, ist doch alles business as usual, net aufregen in Lille, sonst gibts mit dem ORF und der Journaille eine über die Rübe!!

Jetzt aber - ist Frau E. nicht selbst der SPÖ nahestehend?


Antworten Gast: horstl50
10.08.2012 12:13
10 0

Re: Jetzt aber - ist Frau E. nicht selbst der SPÖ nahestehend?

sehr nahe!früher bei der AK wien ! unsere tausender gitti!die wie alle roten bonzen nur ansich selbst denkt und wie viele tausender SIE kassieren kann!

Gast: helga3947
10.08.2012 11:38
10 1

Aber nicht doch

sochg nicht unsere sozialdemokratische Obermitarbeiterentsorgerin.

 
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