Wien/Ag. Trotz immer noch ungelöster Schuldenkrise präsentieren sich die 30 Unternehmen, die im deutschen Leitindex DAX notieren, in bester Verfassung. Im zweiten Quartal verbuchten sie Umsätze von zusammen 312 Mrd. Euro – so viel hatten sie vorher noch nie in einem zweiten Quartal eingenommen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Während die Umsätze um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr anstiegen, kletterten die Vorsteuergewinne gar um zwölf Prozent auf 27,5 Mrd. Euro. „Die DAX-Unternehmen zeigen sich zum großen Teil in guter bis hervorragender Form“, sagte Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young. „Die schwache Konjunkturentwicklung in Südeuropa konnte ihnen bisher nur wenig anhaben.“
Am Dienstag hat das EU-Statistikamt Eurostat bekannt gegeben, dass die Eurozone immer noch in einer Rezession steckt. In den 17 Ländern schrumpfte die Wirtschaftsleistung von April bis Juni um 0,2 Prozent, nachdem sie in den ersten drei Monaten des Jahres stagniert hatte. Von einer Rezession ist die Rede, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale nacheinander abnimmt oder unverändert bleibt. Schon im Schlussquartal 2011 war die Wirtschaft in der Eurozone um 0,3 Prozent geschrumpft.
Rezession auch in Österreich?
Österreich und Deutschland konnten sich von der Entwicklung abkoppeln. Hierzulande bremste sich das Wachstum allerdings von 0,5 Prozent im ersten Quartal auf 0,2 Prozent ein. Angesichts der Rezession im Euroraum könne die Lage in Österreich aber als relativ gut bezeichnet werden, betonten die Experten des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Auch Deutschland konnte sich mit einem Wachstum von 0,3 Prozent noch knapp behaupten. Im Zeitraum Juli bis September rechnen Fachleute jedoch mit einem weiteren Einknicken der Wirtschaft und einem Minus in beiden Ländern.
In Südeuropa ist die Lage schon jetzt deutlich düsterer. Spanien verbuchte im zweiten Quartal einen Rückgang von 0,4 Prozent, Italien einen von 0,7 Prozent. Dort schrumpfte die Wirtschaft bereits das vierte Quartal in Folge. Die spanische Wirtschaft schrumpft seit einem Dreivierteljahr.
Umso erstaunlicher scheint es, dass keines der exportorientierten DAX-Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust schrieb. Den höchsten Gewinn erzielte Volkswagen (3,3 Mrd. Euro), gefolgt von Allianz und dem Konkurrenten BMW. Harms zufolge profitieren die Großkonzerne dabei von ihrer globalen Aufstellung. So gelänge es ihnen recht gut, sich von der negativen Stimmung in Europa abzukoppeln.
Schwacher Euro gut für Export
Außerdem profitieren sie von einem schwachen Euro. Für die Exporteure – auch jene in Österreich – kommt dies genau zur richtigen Zeit. Auf den Wachstumsmärkten in Asien, den Golfstaaten und in Lateinamerika, aber auch in den USA werden ihre Produkte dadurch leistbarer. „Das gibt neue Impulse“, sagte Volker Treier, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Solange die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen nicht anhebt, dürfte sich daran nicht viel ändern. Auch Investitionen aus Übersee werden so attraktiver.
Risken lauern jedoch an jeder Ecke. So birgt die expansive Politik der EZB die Gefahr einer Inflation – viele Waren des täglichen Bedarfs wie Benzin liefern trotz niedriger offizieller Inflationsraten einen ersten Vorgeschmack darauf. Auch aus dem Finanzsystem kommen weiterhin unangenehme Nachrichten. Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers schlummern in den Bilanzen europäischer Banken faule Kredite in Höhe von über einer Billion Euro. Darunter versteht man Verbindlichkeiten, die nicht mehr getilgt werden können oder nicht rechtzeitig. Betroffen sind vor allem die Banken in den Südländern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)
Städte-RankingWo die meisten Superreichen leben
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet
UrlaubÖsterreicher im EU-Ranking voran