London/Bloomberg. Rekordhohe Renditen bei Staatsanleihen aus Spanien bringen die Anleger langsam ins Grübeln. Bei professionellen Investoren wächst die Einschätzung, dass Deutschland schlussendlich zur Finanzierung des Landes einspringen muss. „Es ist ausgeschlossen, dass Deutschland davon nicht betroffen sein wird“, sagt etwa Stuart Thompson, Fondsmanager bei Ignis Asset Management.
Deutsche Staatsanleihen galten bislang als Zufluchtsort Nummer eins, weswegen sich ihre Rendite in den vergangenen Monaten immer mehr der Nullmarke näherte. Zuletzt haben sie jedoch immer mehr an Glanz verloren. Erstmals seit sechs Wochen überstieg ihre Rendite am Mittwoch wieder die Marke von 1,5 Prozent. Das ist zwar immer noch ein niedriger Wert. Allerdings bewegen sie sich diesmal im Gleichschritt mit italienischen und spanischen Bonds, während die Entwicklung der Rendite bislang meist gegensätzlich verlief.
„Das Risiko, dass Deutschland mehr Schulden aufnehmen muss, um die Rettung zu finanzieren, ist real“, sagt Johannes Jooste, leitender Stratege bei der Vermögensverwaltung von Merrill Lynch. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass die gegenwärtigen Renditen gerechtfertigt sind.“
Merkel unterstützt EZB-Chef
Zwar hat Bundeskanzlerin Angela Merkel noch am 18. Juli erklärt, sie werde keine zusätzlichen Lasten in der Schuldenkrise übernehmen, ohne dass die Haushalte der Euroländer besser kontrolliert werden können. Jedoch steht sie auch hinter den Vorschlägen von EZB-Präsident Mario Draghi, Staatsanleihen überschuldeter Länder aufzukaufen. Das hatte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter erklärt.
Das bedeutet zusätzliche Risken für Deutschland, das mit einem Anteil von 27 Prozent der größte Anteilseigner der EZB ist. Bliebe diese auf Verlusten sitzen, müsste Deutschland am meisten nachschießen. Die Solidität deutscher Bundesanleihen dürfte damit weiter bezweifelt werden. Viele Banken und Fondsgesellschaften haben die Papiere bereits verkauft, darunter Fidelity Investments, Carmignac Gestion, BNP Paribas und Barclays.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)
WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet
UrlaubÖsterreicher im EU-Ranking voran