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Hohe Getreidepreise heizen Biospritkritik an

16.08.2012 | 18:23 |  MATTHIAS AUER UND JAKOB ZIRM (Die Presse)

Die Dürre in den USA führte zu einem rasanten Anstieg der Getreidepreise. Das befeuert die Kritik an Biosprit, wie dem in Deutschland umstrittenen E10. Umweltminister Berlakovich will E10 trotzdem noch heuer einführen.

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Wien. Die Dürre in den USA hält nicht nur die Feuerwehrleute zwischen Kalifornien und Nebraska auf Trab. Auch die Farmer kämpfen mit drastischen Ernteausfällen. Um 17 Prozent geringer als erwartet soll etwa die Maisernte laut Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums heuer ausfallen. Die Auswirkungen werden weltweit zu spüren sein. So stiegen die Weltmarktpreise für Mais seit Juni bereits um 45 Prozent, Weizen wurde sogar um 50 Prozent teurer (siehe Grafik).

Neu entfacht wurde dadurch auch die „Teller oder Tank“-Debatte über Biosprit. Mit dem deutschen Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) fordert nun erstmals ein Regierungspolitiker den Stopp des umstrittenen Treibstoffs E10 (Benzin mit zehn Prozent Ethanolanteil). Der Getreidesprit könne zu „stärkerem Hunger in der Welt beitragen“. Seine Worte haben auch in Österreich für politische Wellen gesorgt: Grüne, FPÖ, BZÖ, Teile der SPÖ, Autofahrerklubs, die Arbeiterkammer, Kirchen und NGOs – sie alle stoßen ins gleiche Horn: Angesichts der hohen Preise und einer drohenden Hungerkrise sei es unverantwortlich, Getreide zu Sprit zu verarbeiten.

Ins Schussfeld der Kritik gerät dadurch zunehmend Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP), der an seinem Plan, noch diesen Herbst den Ethanolanteil bei Benzin von fünf auf zehn Prozent anzuheben, trotzdem festhalten möchte. Die Einführung von E10 in Österreich wäre also auf jeden Fall eine Debatte wert. Die heimischen Probleme liegen dabei jedoch weniger in der „Teller oder Tank“-Frage, die für die spezifisch österreichische Situation nur in geringem Maß zutrifft, sondern eher bei fehlenden Informationen und den Kosten für benötigte Subventionen.

Weltweit treibt Biosprit die Preise

Denn während die weltweite Produktion von Agrartreibstoffen laut einer Studie der Weltbank durchaus zu einem Anstieg der Getreidepreise führen kann, ist die Rolle Österreichs bescheiden. Relevant sind Länder wie die USA, die durch ihre hohen Exportüberschüsse bisher den Weltmarktpreis für Getreide stark nach unten gedrückt haben. Seitdem die Amerikaner überschüssigen Mais und Weizen jedoch in ihren Autos verbrennen, müssen ärmere Länder mit höheren Preisen kämpfen.

Dies führte 2007 zur sogenannten Tortilla-Krise: Da in den USA kaum billiger Mais für den Export übrig war, konnten sich viele Mexikaner die Fladenbrote nicht mehr leisten.

Die Einführung von E10 in Österreich hat mit dem globalen Hunger aber herzlich wenig zu tun. Zwei Drittel der 500.000 Tonnen Getreide pro Jahr, die für eine Vollversorgung des Landes mit E10 notwendig sind, kommen schon heute aus Österreich und werden von der Agrana im Ethanolwerk im niederösterreichischen Pischelsdorf verarbeitet. Das restliche Drittel importiert die Agrana aus dem benachbarten Ausland. Im Gegenzug muss Österreich weniger Sojakraftfutter aus Brasilien importieren, da dies bei der Ethanolproduktion als „Abfall“ anfällt.

Alles in Ordnung also? Warum legen sich dann drei Ministerien (Verkehr, Gesundheit und Wirtschaft), die die Berlakovich-Novelle zur Kraftstoffverordnung mittragen müssten, quer? Und warum wurde die Einführung von E10 in Deutschland zum Fiasko?

Die wahren Probleme mit E10 sind bekannt. Erstens: Nicht alle Autos vertragen den hohen Alkoholanteil im Sprit. Vor allem bei älteren Modellen können schlimmstenfalls sogar Motorschäden auftreten. Für die Beantwortung der Frage, welche Modelle E10 vertragen, fühlte sich aber etwa in Deutschland niemand zuständig. Viele Autofahrer sind daher verunsichert und tanken lieber herkömmliches Benzin. E10 hat deshalb immer noch einen Marktanteil von unter 20 Prozent. Österreich will diesem Schicksal mit einer möglichst umfassenden Informationskampagne entgegenwirken, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Wie die genau aussehen soll, weiß aber noch niemand.

 

Höhere Kosten als bei Mineralöl

Das zweite Problem: Der Agrartreibstoff ist teuer. Um E10 an den Kunden zu bringen, muss der Sprit gleich dreifach gefördert werden: bei der Herstellung, der Produktion und schlussendlich beim Verkauf. Konkurrenzfähig wird E10 nämlich erst durch eine Befreiung von der Mineralölsteuer. Ansonsten wäre ein Liter E10 nach früheren Berechnungen rund drei Cent teurer als ein Liter Superbenzin – bei zwei Prozent weniger Leistung. Die Kosten dafür werden auf bis zu 160 Mio. Euro pro Jahr geschätzt.

Viele dieser notwendigen Regelungen stehen aber noch nicht fest, weshalb laut Fachverband der Mineralölindustrie (der Tankstellenbetreiber vertritt) eine Einführung von E10 noch in diesem Herbst „unmöglich“ ist. Da die EU die Einführung erst bis 2020 verlangt, solle sie auf Mitte des Jahrzehnts verschoben werden.

(c) Die Presse / HR

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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135 Kommentare
 
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Das Problem ist nicht der hohe Mais-Preis in Mexiko

Gibt es ein Problem damit, dass mexikanische Bauern auf einmal das Geld bekommen, dass sie eh schon längst verdient hätten? Nein!
Gibt es ein Problem damit, dass eine Ausweichstrategie unsere NICHT Nachhaltige Wirtschaft zu erhalten, nicht funktioniert hat? Nein! Wir zahlen einfach für sinnloses Herumkutschieren einfach mehr Geld. Und?

Das Problem ist, dass wir am anderen Ende der Welt Menschen vom Maispreis abhängig gemacht haben, indem wir ihre Wirtschaft zerstört haben, obwohl sie sich selbst versorgen hätten können.
Das Problem ist, dass bei Biosprit pro forma über Ernährung gesprochen wird, aber es sehr schnell und dann ausführlich über "Ich brauch doch meinen SUV im 1. Wiener Gemeindebezirk" geht.

So gesehen ist die Einstellung von Hrn. Schleicher eher "neu": Zuerst Sparen und dann auf die Effizienz schauen.

Und ihm ist auch aufgefallen, dass die derzeitige Mobilität sehr sehr teuer ist, und man schon jetzt einiges an Geld sparen könnte, wenn man wollte.

zu früh, sagt Wifo-Experte ...

Um seine Prognose noch heute Abend zu korrigieren!

Berlakovich ist ein Totalversager

Ist der in seiner Amtszeit eigentlich schon durch was anderes als durch seinen peinlichen Tobsuchtsanfall am Flughafen aufgefallen? Nein?
Ach, ich vergaß, ein schwarzer Landwirtschaftsminister hat ja lediglich die Aufgabe, die Pfründe seiner Klientel zu verteidigen bzw. auszubauen. Aber das ist jetzt an Dämlichkeit wirklich nicht mehr zu überbieten...

Gast: werbistdu
17.08.2012 13:09
5 2

Statt diesen hausgemachten Schwachsinn

namens E10 würde ich Autos mit überhöten Spritverbrauch besteuern, daß die Balken krachen.
Dann würde ich mir ansehen, ob E10 noch notwendig ist.
Welcher Idiot macht sich Gedanken über Biosprit, wenn im privaten Bereich Autos mit 200 PS und mehr herumkutschieren.

4 1

LOBBY

Was kümmern ÖVP und Berlakovich steigende Getreidepreise, höhere Brotpreise, steigende Futterkosten höhere Treibstoffpreise sowie Warnungen vor Motorschäden. Diese Umstände treffen doch nur die Bevölkerung. Das durch das Beizen der Maisfelder hervorgerufene massenhafte Bienensterben, trifft vorerst auch nur die Imker. Was ist das gegen ein gutes Verhältnis mit Raiffeisen/Agrana.

Re: LOBBY

Und glauben Sie, wenn sie Ihr Geld der OMV geben, ist es besser?

Re: Re: LOBBY

Warum sollen wir permanent die Bauern mit VIEL Geld füttern?

Re: Re: Re: LOBBY

Weil die (natürlcich nicht zur Gänze) Wertschöpfung in Österreich und Europa passiert. Weil vor- und nachgelagerte Gewerbe profitieren. Weil Landwirtschaft sich dann wieder lohnt, vielleicht auch ohne Ausgleichszahlungen der EU?

Gast: black magic
17.08.2012 10:53
3 0

Brenna tuats guat

Waun ma so weidahoazn brennt da Huat.

http://www.youtube.com/watch?v=rCE-4sCVpgg

Gast: Leute, Ihr seht das falsch!
17.08.2012 09:47
5 3

Mit dem Biosprit macht man 3 Geschäfte gleichzeitig:

- Den Rohstoff Getreide teuere
- Subventionen für Landwirtschaft
- Den Sprit teurer

IMMER gewinnt der Konzern mit dem Giebelkreuz und die Finanzministerin auch!

Die Wahrheit kann oft einfach sein...

es sowieso pervers, wenn man

... lebensmittel verbrennt etc wenn andere nichts zu fressen haben ...

die ganze Welt ist krank wenns um sprudel geht

Re: es sowieso pervers, wenn man

es ist pervers, wenn man sich den Magen vollschlägt wenn andere nicht zum essen haben.

es ist pervers, wenn man Lebensmittel wegwirft, wenn andere nicht zum essen haben.

Wie wärs, wenn wir mal hier beginnen?

Aber nein, da muss ich mich ja ändern.

Antworten Antworten Gast: globetrotterneu
17.08.2012 11:27
0 0

Re: Re: es sowieso pervers, wenn man

und mister neunmalklug wie willst du deine vorschläge in die realität umsetzen.

Gast: Halbwissen
17.08.2012 09:10
1 0

Mein Range Rover braucht halt 20 Liter !

Die müssen ja irgendwo herkommen.

Antworten Gast: Kibietz
17.08.2012 09:36
0 0

Re: Mein Range Rover braucht halt 20 Liter !

Solange sie es auch bezahlen können/wollen.....

Antworten Antworten Gast: Halbwissen
17.08.2012 10:55
3 0

Re: Re: Mein Range Rover braucht halt 20 Liter !

Beamtengehälter sind zum Glück Inflationsangepasst !

Steigt der Spritpreis, so steigt auch mein Lohn und später die Pension um diesen Betrag.

Also werde ich es mir immer leisten können !

3 0

Re: Re: Re: Mein Range Rover braucht halt 20 Liter !

Da wär ich mir nicht so sicher!

Beamte sind nur solange "unkündbar", solange es dem Staat noch gelingt neue Schulden zu machen.

Sobald die dämlichen Käufer von Staatsanleihen sich von diesem Wahnsinn zurückziehen, gibts einen Crash und für dich kein Beamtengehalt mehr.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
17.08.2012 15:10
0 0

Re: Re: Re: Re: Mein Range Rover braucht halt 20 Liter !

Wieso sollte sich der Staat ( Notenbank ) vom Kauf der Staatsanleihen zurückziehen ?

Auf Deutsch:
Wir drucken unser Geld schon lange selber !

Bäääääää !!!!!


0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Mein Range Rover braucht halt 20 Liter !

das geht nicht auf dauer gut.
irgendwann ist der ofen aus.
vermutlich bald.

und alle, die sich dann auf den Staat verlassen werden ganz fürchterlich auf die Nase fallen.

Bäääähhhh!!!

2011 wurden drei Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe genutzt

2011 wurden drei Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe genutzt!

http://wochenblatt.agrarheute.com/biokraftstoffe-469548

Re: 2011 wurden drei Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe genutzt

Und in Indonesien werden täglich

hunderte Quadrat-Kilometer Urwald für die Palmöl-Produktion gerodet,

auch mit Unterstützung des WWF.

Re: Re: 2011 wurden drei Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe genutzt

Das ist schlimm, aber was hat das damit zu tun?

Re: 2011 wurden drei Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe genutzt

Diese Zahl beruht auf Schätzungen des bayrischen Bauernverbandes....

Das glaubt nicht einmal mein Schwein.

Gast: otto f.krammer
17.08.2012 08:20
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Die Unfähigkeit unserer Politiker zeigt sich,..

dass diese nicht fähig sind den Elektroverkehr mit allem Nachdruck zu implementieren.
Windkraftwerke sind deswegen unrentabel, weil sie mangels an Speicherbatterien zu etwa 50% leer laufen müssen, ebenso geschieht das den pv-Anlagen und da wird herumgeleiert, dass der Biosprit zur Hungersnot gereicht, nur weil diese Hochbezahlten und Wichtigtuer unfähig sind, die nötigen Beschlüsse zu fassen. China als Entwicklungsland ist uns in diesem Bereich bereits um 10 Jahre voraus und dort
wird bereits der milliardste Elektromotor für ein Elektrofahrzeug erzeugt und verkauft, wobei angemerkt sei, dass dieser vielpolige Permanent-Elektromotor eine österreichische Erfindung ist, aber von der Politik und Wirtschaft hier missachtet, so nach China gekommen ist.
Die Unfähigkeit der hochbezahlten und großmäuligen Nadelstreifträger ist es, welche unseren Niedergang verursachen!

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Re: Die Unfähigkeit unserer Politiker zeigt sich,..

Die Elektromobilität ist (außer bei Rollern und Microcars im Kurzstreckenbereich) unsinnig!

Nur weil der Schadstoffausstoss vom Auto weg zum Kraftwerk übertragen wird, ist das noch lange nicht umweltfreundlich!
Dann kommen noch enorme Verluste zwischen Generator im Kraftwerk und Elektromotor im Auto dazu.

Die giftigen Akkus (Abbau der Schwermetalle, Transport, Verarbeitung, Transport, Entsorgung, ...) sind da noch gar nicht berücksichtigt.

Antworten Gast: Kibietz
17.08.2012 08:46
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Re: Die Unfähigkeit unserer Politiker zeigt sich,..

Die grössten Nachteile des Elektromobils sind die geringe Reichweite, der Mangel an Auflademöglichkeiten, die Bedenkliche Herstellung und Entsorgung der Akks für die Umwelt sowie eine erhöhte Sicherheits- und Umweltgefahr bei Unfällen für Rettungskräfte und Verunfallter (Stromschlag)

 
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