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Debatte um EZB: Berlin lässt die Muskeln spielen

16.08.2012 | 18:23 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Berliner Koalitionspolitiker wollen mehr Macht für Deutschland in der Euro-Zentralbank. In der EZB hat jedes der 17 Euroländer eine Stimme – Malta ist also de jure genauso mächtig wie Deutschland. Eine Analyse.

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Wien. Das Eurokrisen-Pendel schlägt wieder in die andere Richtung. Stand vor einer Woche noch die Frage im Mittelpunkt, ob der „permanente Rettungsschirm“ ESM eine Banklizenz erhalten solle, damit er unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten kaufen kann, so mehren sich jetzt in Berlin die Stimmen, die einen Radikalumbau der Europäischen Zentralbank EZB fordern. Einen Umbau freilich, der Deutschland mehr Macht einräumen würde.

„Notwendig ist eine Neujustierung der Stimmgewichte in allen Entscheidungsgremien der EZB nach den Haftungsanteilen“, sagte der CDU-Abgeordnete und Haushaltsexperte Klaus-Peter Willsch dem „Handelsblatt Online“. Der Hintergrund: In der EZB hat jedes der 17 Euroländer eine Stimme – Malta ist also de jure genauso mächtig wie Deutschland, das knapp 19Prozent des EZB-Kapitals eingezahlt hat und dementsprechend auch die höchsten Haftungen übernommen hat. Sollten zum Beispiel die griechischen Anleihen in den Büchern der EZB ausfallen, müsste Deutschland mindestens 19Prozent des Verlustes tragen, Österreich 1,9Prozent und Malta 0,6Prozent. An der EZB (beziehungsweise dem ESZB, dem Europäischen System der Zentralbanken) sind alle 27 EU-Mitgliedstaaten beteiligt.

„Dass Zypern und Malta genauso viel Stimmen haben wie Deutschland ist ein schwerer Konstruktionsfehler“, sagte Frank Schäffler, der FDP-Finanzexperte im Bundestag. Auch der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider unterstützt die FDP bei ihrer Forderung nach einer Rückbesinnung der EZB auf eine puristische Geldpolitik, die vor allem die Inflation im Zaum halten soll. „Keinesfalls sollte sie die Staatsfinanzierung übernehmen, wie das bisher schon indirekt durch die Anleihenkäufe geschieht“, sagte Schneider dem „Handelsblatt Online“.

 

Munition für Merkel

Deutschland hafte nicht nur für die Hilfspakete und Rettungsschirme, „sondern mit noch viel größeren Summen für die Transaktionen der Europäischen Zentralbank“, so Schneider. Die Bundesrepublik stehe neben 310 Mrd. Euro für Hilfspakete und Rettungsschirme auch für Zentralbank-Transaktionen in Höhe von mehr als 700 Milliarden Euro ein.

Diese „Zentralbank-Transaktionen“ laufen über das Zahlungsverkehrssystem „Target2“, das eigentlich für kurzfristige Geldgeschäfte zwischen den europäischen Zentralbanken vorgesehen ist. Inzwischen wird Target aber zur „versteckten Eurorettung“ eingesetzt, so der renommierte Ökonom Hans Werner Sinn. Die deutschen Forderungen gegen das Target-System (und damit de jure gegen die EZB) belaufen sich mittlerweile auf mehr als 720 Mrd. Euro. Vor fünf Jahren standen sie bei nur 20 Mrd. Allerdings: Diese Forderungen können nur ausfallen, sollte die Eurozone zerbrechen, und auch dann haften die Staaten gemäß ihrem ESZB-Anteil. Berlin müsste die 700 Mrd. also nicht alleine schultern.

Die aktuellen Risken für Deutschland (und dementsprechend auch für Österreich) sind aber schon jetzt gewaltig. Der Berliner Rechtsprofessor Markus C. Kerber beziffert die deutsche Haftung im Falle einer erfolgreichen Ratifizierung des ESM mittlerweile auf 3700 Mrd. Euro – 150Prozent des deutschen BIPs.

Die Debatte über die Änderung des Mandats der EZB in Berlin wird sich trotzdem als Schimäre erweisen. Eine solche Reform müsse einstimmig beschlossen werden – und warum sollten die kleinen Länder da mitmachen? „Es stellt sich zurzeit nicht die Frage nach einer Änderung des EZB-Status. Daher ist dies zum jetzigen Zeitpunkt eine Phantomdiskussion“, sagte auch der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Meister (CDU). Dieselbe Antwort könnte er allerdings Richtung Rom und Paris geben, wenn dort einmal wieder die Ausweitung der Anleihenkäufe durch die EZB oder eine Banklizenz für den ESM gefordert wird.

Was derzeit als „Koalitionszwist“ durch die Zeitungsspalten geistert, liefert Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Deutschen Bundesbank in Wahrheit wertvolle Munition im europäischen Kampf um die Rolle der EZB. Deutschland will diese eigentlich nicht reformieren. Aber die Botschaft ist klar: Sollten die EU-Partner die Büchse der Pandora öffnen und das EZB-Mandat tatsächlich anfassen, wird Berlin die Gangart verschärfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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25 Kommentare
 
12

Gauck sagt: Deutschland will keine Dominanz!

Und was ist das? Deutschland will sicher doch Dominanz!

Gast: geschirr
17.08.2012 17:21
0 2

Sowie der Herr, so´s Gescherr

Deutschland dominiert die Eurozone im Alleingang. Früher noch ein bissl Frankreich, jetzt auch nicht mehr.

Kein guter Leistungsausweis für den Herrn.

Im Prinzip wird mit dieser "Diskussion"

dem Rest der EURO-Länder nur mitgeteilt, wer zahlt schafft an.

Zu den Zahlen (das wären im Moment 370 Milliarden haftungen für Österreich - dank sei SPÖVP + Grüne) und Positionen (letzte "Kritik" von Hrn. Faymann an Fr. Merkel) kann man leider nur folgendes sagen: Auf das falsche Pferd gesetzt.

Wobei man den Grünen wahrscheinlich Straferleichterung zubilligen muss. Denn die haben mit Ihrem Scheuklappenblick auf Zuwanderung und Autoverdrängung, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gar nicht mitbekommen, welcher Situation sie hier mit dem ESM zugestimmt haben?

Gast: Silava K
17.08.2012 09:39
7 2

Schluss mit Nachsicht und Toleranz

Südstaaten an die Kantarre nehmen oder ausschliessen, sonst wird die Anti-EU- Stimmung so groß, das sie wirklich zerfällt.

Kein Mensch versteht mehr, warum er für andere mitarbeiten und zahlen soll.


16 2

Groteske

Der Verleich des Machteinflusses zwischen D und Malta ist gerechtfertigt.
Es kann doch nicht sein, dass die Kreditgeber die gleichen Rechte wie die Schuldnerländer haben.
Das führt letztlich zur grotesken Situation, dass D von den Schuldnerländern wegen seiner zögerlichen (zu Recht) Ausweitung der Rettungsschirme unfair kritisiert wird!
Ja, Papa, wenn Du mir kein Geld mehr gibst, dann bist Du böse!

Re: Groteske

Wir haben dieses System in Österreich schon seit Jahren. Die Transferempfänger haben die Mehrheit und wählen sich einfach die Regierung, die Ihnen Ihr Leben in der Hängematte sichert. Im Prinzip ist die EU einfach der österr. Sozialstaat auf Europa ausgedehnt. AEIOU mal anders.

Re: Groteske

Politisch korrekt nennt man das nicht grotesk, sondern "Sozialdemokratie".

1 19

Kleine Kinder

Jetzt stellt also Deutschland fest, dass es sich wie alle anderen den selbst geschaffenen Regeln Europas unterordnen muss. Und bei Euro, EZB war D federführend. Wenn die anderen nun nicht so wollen wie D es will, dann müssen eben die Regeln so geändert werden, dass Europa wieder Deutsch spricht. Wann wird Deutschland endlich erwachsen?
Was wir brauchen sind konsensfähige Vorschläge. Stattdessen wird Angst geschürt. Jeder, der sich auskennt weiss, dass z.B. das Targetsystem keine Staatshaftungen sind, sondern lediglich die Verrechnung der länderübergreifenden Schuldverhältnisse abwickelt und sichtbar macht. Man könnte es einfach weglassen und niemand müsste deshalb für irgendetwas haften, ausser, dass nur eine Zentralbank statt der vielen nationalen die Verrechnung und Weiterleitung der Zahlungen vornimmt.

Das Getöse ist nur Schall und Rauch. Sozusagen das Zocken eines Pokerspielers, nur ziemlich durchsichtig und eher in der Verzweiflung eines schlechten Blatts.

6 1

Re: Kleine Kinder

Sozialdemokratie wie sie im Buche steht. 20 Personen entscheiden demokratisch wie mit dem Geld von einer dieser Personen umgegangen wird.

16 1

Ich bin dafür, dass das Stimmrecht des Bürgers

bei den Wahlen mit der Summe der bezahlten Einkommenstuer gewichtet werden sollte.

Was hätten wir da für ein Geschrei von den Sozis?

Das gabs alles schon mal.

Und jetzt les doch bitte selbst nach, wozu das geführt hat.

Deinem Wunsch nach Berücksichtigung der berechtigten Interessen der Steuerzahler könnte daher viel einfacher und dennoch voll demokratisch entsprochen werden, indem man per Verfassung a) dem Staat nie mehr als x% Steuern abliefern muss und b) dem Staat das Schuldenmachen verbietet. KEIN DEFIZIT. NIE. NICHT IN DER KRISE, NICHT IN DER KONJUNKTUR.

Die Sozis schreien dann trotzdem. Macht aber nichts, sie schreien nämlich eh immer.

Gast: Blechtrottel
16.08.2012 23:46
7 1

Wo ist mein Ederer-Tausender geblieben? Wann wird er auch zu uns kommen?

Vom Euro zum Beulo oder Heulo? Leichte Beulen hat er schon der Euro, es ist zum Heulen.

Vom Beulo zum Blecho. Blechos Blechmünzen verlieren nicht so leicht an Wert. Wer den Blecho nicht ehrt, ist den Beulo nicht wert.

Vom Blecho zum Kracho. Wenns kracht, sind wir schon so weit? Nein ESM und Rettungschirme retten, aber wen? Uns?

Vom Kracho zum Krawallo? Hoffentlich nicht, aber die EU tut alles dazu, rat- und planlos.

Sollten wir nicht rechzeitig eine stabile Währung einführen? Es gibt genug: Rubel, chinesischen Yuan, Real oder sogar den US-Dollar.

Denn Griechenland ist abzuschreiben, und dazu alle Verbindlichkeiten und Einzahlungen in diverse Rettungsschirmchen mitsamt der Zinsbelastung denn wir sind jetzt pleite!

Re: Wo ist mein Ederer-Tausender geblieben? Wann wird er auch zu uns kommen?

Blecho ist gut. Wenn Sie einen Gabelstapler besitzen ist wahrscheinlich Kupfer- und Alublech die bessere Währung als dieser "Euro".

Gast: EU-Unfriedensprojekt
16.08.2012 21:16
13 2

EU und EURO ein einziger schwerer Konstruktionsfehler

Ganz absurd sind die Haftungen ohne irgendwelche Sicherheiten.

Beim kleinen Kreditnehmer müssen alle möglichen Verwandten unterschreiben, müssen Sicherheiten da sein, aber wenn es um hunderte Millarden geht, dann gibt es keine Belehnungen, keine Sicherheiten für den Kreditgeber. Wo sind all die Wohnungen, Inseln etc.etc. die den Gläubigern dann wenigstens als Ausgleich gehören???

Merkel wird sich durchsetzen oder es ist der 'Anfang vom Ende der Kanzlerschaft von Merkel, da die Deutschen den Weg der weiteren Vergemeinschaftung der Schulden ohne jederzeit die Notbremse ziehen zu können ablehnen.

http://www.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/grexit-folgen-fuer-oesterreich-d237908.html

4 2

Re: Merkel wird sich durchsetzen oder es ist der 'Anfang vom Ende der Kanzlerschaft von Merkel, da die Deutschen den Weg der weiteren Vergemeinschaftung der Schulden ohne jederzeit die Notbremse ziehen zu können ablehnen.

Na ja, die versucht es wenigstens. Die SPD ist ja jetzt schon für Geschenke an alle übrigen Staaten bereit. Die Begründungen hierfür sind eigentlich der nackte Wahnsinn! Bin nur neugierig wie die das dem deutschen Wähler schmackhaft machen wollen, daß er noch mehr zahlen soll und nichts außer Undank von den Schuldnerländern erntet!

Re: Re: Merkel wird sich durchsetzen oder es ist der 'Anfang vom Ende der Kanzlerschaft von Merkel, da die Deutschen den Weg der weiteren Vergemeinschaftung der Schulden ohne jederzeit die Notbremse ziehen zu können ablehnen.

Die SPD ist aber am absteigenden Ast!!!

Und Steinmeier ist geistig ein Nobelpreisträger im Gegensatz zu unserem Kanzlerdarsteller!!

Ach

... in Schönkirchen-Reyersdorf müsste man jetzt sein, im Parkbad ...

Wer zahlt, schafft an!

Empfehle Deutschland überhaupt ein selbstbewussteres Auftreten.

7 2

Re: Wer zahlt, schafft an!

hallo vain inc.
Ihr Standpunkt ist korrekt.
Doch wie sieht das in der politischen Realität aus?
D wurde sobald es (berechtigt) selbstbewußt auftrat, sofort als hegemoniesüchtig kritisiert.
Das alles gab es doch schon 1914!
Der Neid der wirtschaftlich Schwächeren kann Ausmaße annehmen, dass sogar vor Krieg nicht mehr zurück geschreckt wird!
In der Gegenwart sieht's leider nicht besser aus!

Antworten Gast: fisoni
16.08.2012 21:21
6 1

Selbstbewußtes Auftreten hilft da gar nix, im Gegenteil. Wer mitgegangen, ist nun mitgefangen und abhängig wie ein Süchtiger

Dieser Rat kommt leider viel zu spät, all die Regelungen sind nur für Schönwetter und daher unbrauchbar für das wirkliche Leben, denn das besteht nun mal nicht nur daraus.

Es muss ein Schritt nach vorne getan werden und eine engere Kooperation der Willigen und Disziplinierten, was auch den anderen zugute kommt, weil sie dann nach ihren Möglichkeiten und Wünschen sich ihre Wirtschaftspolitik zimmern können.

Re: Wer zahlt, schafft an!

Deutschland, Deutschland über alles, na bravo.

Gast: b745
16.08.2012 20:15
5 22

die deutschen wollen die alleinherrschaft

um weiter ihre banken zu versorgen

Antworten Gast: fht
16.08.2012 21:06
2 8

Re: die deutschen wollen die alleinherrschaft

und andere wollen ihre schulden vergemeinschaften. einfach peinlich ihre aussage nach dem motto" und heute gehört uns deutschland und morgen die ganze welt".
die bilder vom heldenplatz beim anschluss waren also mit photoshop bearbeitet?

Wieso wird immer über Deutschland berichtet...


....Österreich hängt genauso drin und zwar immer mit 10% der Deutschen Haftungssumme.

Deutschland aktueller Haftungsstand: 1 Billion

Österreichs aktueller Haftungsstand: 100 Mrd

Und was hat´s bisher gebracht?

NIX!

 
12

Hobbyökonom