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Steuerstreit: Schweizer Banken verpetzen Mitarbeiter an USA

17.08.2012 | 18:27 |   (Die Presse)

Die USA wollen Konten von US-Bürgern in der Schweiz aufspüren. Diese Datenweitergabe sei illegal, meint Alec Reymond, der frühere Präsident der Anwaltskammer Genf (OdA), der zwei Mitarbeiter von Credit Suisse vertritt.

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Genf/New york/Bloomberg. Schweizer Banken geben die Namen von Tausenden ihrer Mitarbeiter an die US-Behörden weiter, weil sie so auf Milde in den Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung hoffen. Mindestens fünf der betroffenen Institute haben E-Mails und Telefonaufzeichnungen mit bis zu 10.000 Namen an das Justizministerium der Vereinigten Staaten ausgehändigt, schätzt Douglas Hornung, der als Anwalt 40 aktuelle und frühere Mitarbeiter von Credit Suisse, Julius Bär und der Schweizer Sparte der HSBC vertritt.

Diese Datenweitergabe sei illegal, meint Alec Reymond, der frühere Präsident der Anwaltskammer Genf (OdA), der zwei Mitarbeiter von Credit Suisse vertritt. Er arbeitet für die Kanzlei Keppeler & Associés in Genf.

Hintergrund ist der seit mehreren Jahren andauernde Steuerstreit der Schweiz mit den USA. Die USA wollen geheime Konten im Ausland aufspüren, auf denen Amerikaner ihr Geld steuerschonend angelegt haben sollen. Mittlerweile sind mehrere Schweizer Finanzkonzerne wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Visier der US-Justiz.

Sehr zum Unmut der Betroffenen: Die Banken würden ihre eigenen Leute zum Fraß vorwerfen, „beim Versuch, Deals mit dem Justizministerium zu erreichen”, sagt Anwalt Hornung. „Diese Verletzung des Persönlichkeitsrechts ist beispiellos in der Schweizer Bankenbranche.” Hornung zufolge haben die Banken Kopien der Pässe von Mitarbeitern und Korrespondenzen paketweise an das US-Justizministerium gesandt.

Den Instituten liegt viel daran, sich mit den USA zu einigen, nachdem das US-Justizministerium am 2. Februar Anklage gegen die Bank Wegelin & Co. erhoben hat. Wegelin wird vorgeworfen, Kunden dabei geholfen zu haben, Geld vor der US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) zu verbergen. Credit Suisse, HSBC und Julius Bär, die eigenen Angaben zufolge mit Strafzahlungen in dieser Sache rechnen, händigen nun Daten an die US-Behörden aus, um sie zu beschwichtigen, sagt Hornung. Die Banken argumentieren, dass die Datenfreigabe von der Schweizer Regierung genehmigt worden sei. Laut Credit Suisse müsse zudem die große Mehrheit der Mitarbeiter nichts befürchten.

 

Bankgeheimnis aufgeweicht

Die Wahrung des Bankgeheimnisses in der Schweiz hat immer mehr nachgelassen, seit die UBS 2009 eingestand, Steuerhinterziehung unterstützt zu haben. Die größte Schweizer Bank zahlte 780 Mio. Dollar, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Später wurden Daten von etwa 4700 Konten an die US-Steuerbehörde IRS weitergegeben.

Zwar ist es Schweizer Unternehmen für gewöhnlich verboten, Beweisstücke zur Unterstützung von Untersuchungen im Ausland herauszugeben. Im April genehmigte der Bundesrat jedoch eine Ausnahme von dieser Regel auf Anfrage einer nicht genauer genannten Zahl von Banken.

„Der Bundesrat hat kein Recht, den Banken die Erlaubnis zu geben, irgendwelche Informationen an ausländische Behörden zu senden”, sagt hingegen Marcel Niggli, Jura-Professor an der Universität Fribourg. „Die Unternehmen wissen, dass das Risiko einer Bestrafung in der Schweiz gering ist verglichen mit dem Geschäftsrisiko in den USA. Das ist eine kaltblütige Aktion der Banken.”

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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9 Kommentare

Nur weiter so,

inzwischen entwickeln sich m. A. n. fast alle Staaten zu geordneten Räuberbanden.
Der Mammon fordert sein Tribut und es wird noch weitergehen.
Grundübel ist, dass die Staaten das menschliche Leben nicht mehr uneingeschränkt von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod schützen. Damit frisst sich das Böse wie Krebs in unser soziales Gefüge.

Gast: Fprester
18.08.2012 09:32
3 0

Retten der eigenen Haut?

Der Chef der Credit Suisse ist Amerikaner, derjenige der UBS Deutscher. Zumindest beim ersteren liegt der Verdacht nahe, dass er als Amerikaner seine Haut retten will und dafür einige Bauernopfer darbringt. Rechtsstaatlich ist dies eine Sauerei.

Dass seitens der Amerikaner Druck ausgeübt wird, ist unbestritten. Offenbar ist man in Washington der Ansicht, dass internationale Recht nur für die anderen gilt (z.B. Steueroasenpolitik). Das sollte man sich auch in Europa hinter die Ohren schreiben. Das Verhalten der EU lässt in vielen Dingen den Verdacht zu, ebenfalls von Washinton aus gesteuert zu sein.

Übrigens wird vielfach übersehen, dass sehr viele Auslandstöchter in der Schweiz, etwa deutscher Mutterhäuser, im Visier der USA sind. Diese werden immer als Schweizer Banken gehandelt (auch von Deutschland aus). Komischerweise greift man in Deutschland und den USA nicht direkt auf diese Mutterhäuser zurück, sondern beschuldigt lieber die Schweiz.

Re: Retten der eigenen Haut?

Stimme Ihnen absolut zu.

Vielleicht eine Berichtigung/Präzisierung: Ich nehme an, dass Sie als "Chef" den jeweiligen CEO meinen (?) Wäre dem so, müsste als UBS-CEO nicht Axel Weber (D), sondern Sergio Ermotti (CH) aufgeführt werden.

Beste Grüsse.

Gast: w1848
18.08.2012 06:22
1 3

Druck ist gut

Wie die Schweiz beweist, ist ein gewisser Druck von Aussen immer gut. Er stärkt, treibt an und führt zu höherer Leistung. Die Zahlen der Schweizer Wirtschaft und des Staates beweisen es. Es ist egal was die Medien der Euro-Schuldenländer schreiben. Man kann darüber nur milde Lächeln.
In den USA und Asien, sind dies alles keine Themen und die Zukunft gehört sicher nicht dem Euro-Schuldeneuropa und schon gar nicht den Deutschen. Die sterben nämlich (Bevölkerungsrückgang) langsam aber sicher aus.

Gast: Wasserlaeufer
17.08.2012 23:23
1 1

Ist ja alles nur Augenauswischerei

Geld und Kokain findet immer Mittel und Wege.

Ned woah?

mich würde eher

interessieren, welches Druckmittel die USA besitzt,
dass so viele Staaten und Konzerne reihenweise
einknicken!

und der berühmte sack reis

ist wieder einmal umgefallen. cui bono?

Gast: Hans im Glück
17.08.2012 22:43
2 0

Was sie säen werden sie ernten.

Die derzeitigen Politiker biedern sich der EU und den USA an.

Sie brechen mit ihrer Tradition.

Das Vertrauen das sie dadurch Zerstören werden sie nie wieder zurückgewinnen.

Antworten Gast: kluipö
18.08.2012 07:43
0 3

Re: Was sie säen werden sie ernten.

Welche Tradition?
Das die Schweiz Schwarzgelder versteckt,und Steuerflüchtlingen hilft?

Hobbyökonom