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Singapur kämpft gegen seinen Ruf

17.08.2012 | 18:27 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Finanzbehörden in Singapur haben eine Aktion scharf gegen Schweizer Banken gestartet. Die Metropole will mit Schwarzgeld nichts mehr zu tun haben.

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Wien/Singapur. Vor Jahrzehnten war Singapur ein verschlafenes Nest. Nach der Abspaltung von Malaysia 1965 glaubte kaum jemand an die Zukunft der Tropeninsel. Mit drakonischen Maßnahmen haben die dortigen Machthaber den Sprung von der Dritten in die Erste Welt geschafft. Singapur ist keine Demokratie im westlichen Sinn. Es gibt keine Pressefreiheit, die Polizei überwacht die Bürger in jeder Lebenslage, der Staat kontrolliert die Inhalte der TV-Kabelnetze. In kaum einem anderen Land gibt es so viele, teilweise absurde Verbote. Kaugummis werden nur in der Apotheke verkauft, Einheimische müssen dafür ein Rezept vorlegen. Bei Touristen genügt der Personalausweis. Damit soll sichergestellt werden, dass die Straßen sauber bleiben.

Jede einzelne Zigarette, die in Singapur angeboten wird, muss mit einem Zollstempel versehen sein. Raucher, die ohne Stempel erwischt werden, zahlen umgerechnet 250 Euro Strafe. Überwachungskameras sind allgegenwärtig. Bei unliebsamen Vorfällen dauert es nicht lange, bis Polizisten in Zivil vor Ort sind. Mit Prügelstrafen werden Verbrecher abgeschreckt.

 

Land mit einer hohen Millionärsdichte

Gerade Wohlhabende fühlen sich in Singapur aber besonders sicher. Neben der Schweiz gehört die asiatische Metropole zu jenen Ländern mit der höchsten Millionärsdichte weltweit. Und sie wird immer beliebter. Denn das Schweizer Bankgeheimnis gerät zunehmend unter Druck. Bevor im nächsten Jahr die Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland/Österreich in Kraft treten, wollen angeblich Kunden eidgenössischer Banken Teile des Vermögens nach Singapur transferieren. Der asiatische Stadtstaat lockt als Steuerparadies, Einkommen werden mit maximal 20 Prozent besteuert. Kapitalgewinne sind steuerbefreit. Mitarbeiter von Finanzinstituten, die das Bankgeheimnis brechen, wandern ins Gefängnis.

Doch inzwischen will das Land seinen Ruf als Fluchtort für Steuersünder loswerden. Die Behörden in Singapur kündigten an, verstärkt gegen Geldwäsche und Steuerbetrug vorzugehen. Am Freitag berichtete die Schweizer „Handelszeitung“, dass die Aufsicht bei Töchtern von Schweizer Banken vorstellig geworden sein soll, um einen Blick auf die europäischen Gelder zu werfen. Viele führende Schweizer Finanzkonzerne haben in den vergangenen Jahren Ableger in Singapur gegründet. Sie stellen jedoch vehement in Abrede, dass sie europäischen Kunden bei der Steuerflucht behilflich seien. Sie kümmerten sich in Singapur primär um Vermögende aus Asien, heißt es. Dem Vernehmen nach müssen europäische Institute, die auf der Tropeninsel tätig sind, nun nachweisen, dass ein Großteil des dort verwalteten Vermögens nicht aus Europa stammt.

 

Schwieriger Geldtransfer nach Singapur

Diese Hürde kann allerdings umgangen werden, doch Transfers werden immer komplizierter. Eine Möglichkeit besteht darin, das aus der Schweiz stammende Kapital zunächst in einem anderen asiatischen Land (wie Hongkong und Brunei) zwischenzuparken und dann als asiatisch deklariertes Vermögen nach Singapur zu überweisen.

Liegt das Geld in Asien, sollte es dort ausgegeben werden. Denn in der EU gilt die Vorschrift, dass Beträge ab 10.000 Euro bei der Einfuhr beim Zoll zu deklarieren sind. Bei Zuwiderhandlungen drohen in Deutschland Strafen von bis zu einer Mio. Euro – in Österreich sind es bis zu 100.000 Euro.

 

Amerikaner lassen die Metropole in Ruhe

Während die USA von der Schweiz die Aufweichung des Bankgeheimnisses fordern, lassen die Amerikaner Singapur weitgehend in Ruhe. Denn das Land ist ein wichtiger Stützpunkt der US-Armee. Dafür erhöht die Industriestaatenorganisation OECD den Druck auf die Fünf-Millionen-Metropole. Sie kritisierte im Vorjahr, dass Singapur zwar einige neue Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Ländern beschlossen, aber nicht einmal die Hälfte umgesetzt habe. Das soll sich nun ändern.

Zudem haben sich die Behörden in Singapur verpflichtet, die internationalen Anti-Geldwäsche-Richtlinien umzusetzen. In diesem Bereich sind auch strengere Gesetze geplant. Für die Überwachung ist die „Monetary Authority of Singapore“ (MAS) zuständig. Diese hat das Personal auf 1200 Mitarbeiter aufgestockt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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15 Kommentare
Gast: 13076 Milliarden Dollar Illegales Geld fließt um nicht erwischt zu werden
18.08.2012 20:06
0 0

Die Metropole will mit Schwarzgeld nichts mehr zu tun haben.

Danke, unsere Black Pools sind längst in Hongkong.

Gast: Sigabeobachter
18.08.2012 17:21
1 0

Singapore ist deutlich freier als A-stan

Eure Demogradie koennts euch auf den Hut stecken! Was zahlt ist FREIHEIT. Koennts ja weiter den Kaugummi auf den Wahlzettel picken, die Regierung ist entsprechend.

Gast: sorrante
18.08.2012 14:25
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"Bei unliebsamen Vorfällen dauert es nicht lange, bis Polizisten in Zivil vor Ort sind."

Ich war von Jänner - Juni in Singapur und kann dieser Aussage nicht zustimmen. So wenig Polizei habe ich in keiner anderen Großstadt gesehen.

Re: "Bei unliebsamen Vorfällen dauert es nicht lange, bis Polizisten in Zivil vor Ort sind."

Kein Wunder - wenn die in Zivil sind.

Gast: malakka
18.08.2012 12:53
1 1

Berlin-Singapur

Da gab es mal im Fernsehen einen Städtevergleich der gleich großen Städte Berlin und Singapur.

Seit der Gründung des Stadtstaates 1965 hatte Singapur jedes! Jahr einen Budgetüberschuss. (egal in guten oder schlechten Jahren, bei Hochkonjunktur oder Rezession).

In Berlin war es genau umgekehrt (jedes! Jahr neue Schulden, die zu den Alten aufgesattelt wurden)

Heute ist Berlin zwar sexy, hat aber Schulden wie ein Stabsoffizier.

Singapur hat ihre Überschüsse in 2 Staatsfonds gebündelt, mit denen sie die halbe EU aufkaufen könnte.


Gast: malakka
18.08.2012 12:40
1 1

Singapur hat die Welt verändert

Als Deng Xiaoping im Jahre 1978 Singapur besuchte war er so begeistert, dass er Singapur als Modell für das neue China erwählte.

Ohne Singapur und Deng gäbe es keine Öffnung und China würde noch weitere 100 Jahre schlafen.

Gast: naechste ausfahrt: jakarta
18.08.2012 08:58
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eine der lebenswertesten staedte der welt

singapore ist eine der lebenswertesten staedte der welt. wer einmal hier gelebt hat, will nicht mehr weg.
ein melting pot der zahlreicher ethnien ergibt wunderschoene frauen. chinesen, malayen, indonesier,... einfach traumhaft. siehe nur die fa's auf den SQ fluegen... wie von einem anderen stern.
da koennen die rotgestrumpften damen der OS bei weitem nicht mithalten.

zentrale lage in SEA macht singapore zudem nicht nur fuer die finanzwelt interessant.


Re: eine der lebenswertesten staedte der welt

ich flieg nur umständlich nach Australien, um in dieser Stadt des Wahnsinns nicht landen zu müssen

Antworten Gast: sorrante
18.08.2012 14:28
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Re: eine der lebenswertesten staedte der welt

Schöne und lebenswerte Stadt, aber für wielange? Länger als 1-2 Jahre würde ich dort nicht leben wollen, alles ein bisschen zu dicht besiedelt. Weiters ist die Stadt so (künstlich) perfekt, dass es schon fast gegenteilige Auswirkungen hat. Sentosa Island nur mal als Beispiel...

Diktatur

an dieser Stadt ist nichts positiv - man vergisst sehr gerne, dass Singapur eine Diktatur ist mit einem Verordnungswahn - normal sozialisierte Europäer können dort nicht leben

Antworten Gast: Ali Sinirioglu
19.08.2012 16:16
0 0

Re: Diktatur

Diktatur??? Schwachsinn!!! Bist Du Kaerntner?? Dann wuerde ich Deinen Bloedsinn akzeptieren. Singapur ist absolut lebenswert! Und ich weiss, wovon ich schreibe.

Re: Re: Diktatur

Ich bin Kaernter, und sehr gerne in Singapore...

Gast: Meininger
17.08.2012 23:21
0 2

Illusion

es gab schon für viele ein böses Erwachen, spätestens ab dem Zeitpunkt, wo größere Geldbeträge aus Singapur, Hongkong (privat)wieder rückgeführt werden sollten,
das wird in Zukunft noch schwieriger werden aber Banken verlieren darüber kaum ein Wort.
Schwarzgeld ist sowieso nur mehr in Liechtenstein, Schweiz, England oder Karibik Offshores einigermassen sicher,..
die Boomländer Asiens sind nur dann ein lohnendes Ziel, wenn man dort sein Kapital veranlagt und auch reinvestiert. Kapitalflucht ist schon aufgrund bürokratischer Hürden nahezu unmöglich und wird mit Todesstrafe geahndet.

Gast: b745
17.08.2012 22:22
1 5

wer sich mit diesem mafiösen staat schweiz einläßt wird dreckig das hilft halt nicht

also isoliert endlich die schweiz

Gast: Wasserlaeufer
17.08.2012 20:58
1 0

Und liebe Presse

wie waere es mit Zahlen und
Groessenordnungen?

Hobbyökonom