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Schwarzerde zu Dumpingpreisen Investoren entdecken Osteuropa

18.08.2012 | 17:58 |   (Die Presse)

In der Ukraine liegen riesige Flächen kostbarsten Ackerlands brach. Investoren aus Westeuropa und den Golfstaaten kaufen in Osteuropa billiges Agrarland in Bausch und Boden.

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Die Rechnung ist ziemlich einfach. In Österreich kostet ein Hektar Ackerland je nach Lage zwischen 15.000 und 80.000 Euro. In der Ukraine wechseln fruchtbare Schwarzerdeböden um 2000 bis 3000 Euro pro Hektar den Besitzer. Dementsprechend groß ist die Nachfrage. Osteuropa zieht immer mehr Investoren an. Neben der Ukraine sind vor allem Agrarflächen in Litauen, Rumänien und Bulgarien sehr begehrt.

Nicht nur westeuropäische Investoren rittern um die fruchtbare Erde. Chinesische Unternehmen produzieren in Rumänien Obst und Gemüse. Libyen sicherte sich in der Ukraine 250.000 Hektar Ackerland. Viele Agrarbetriebe in der einstigen „Kornkammer Europas“ sind nach wie vor in staatlichem Besitz. Die Produktion geht vielerorts schleppend voran. Große Flächen liegen brach, auch weil viele junge Menschen die ärmlichen Landregionen verlassen. Und wenn in der Ukraine von großen Flächen die Rede ist, dann geht es um hunderttausende Hektar. Das Land verfügt über 32 Millionen Hektar Ackerland. Zum Vergleich: In Österreich gibt es 1,3 Millionen Hektar Ackerland.

Der Ausverkauf hat in vielen Teilen Osteuropas mittlerweile alarmierende Dimensionen angenommen. Der frühere rumänische Landwirtschaftsminister Gheorghe Flutur appelliert mittlerweile an seine Landsleute, nicht mehr an Ausländer zu verkaufen. „Wir werden bald Knechte im eigenen Land sein“, sagte der konservative Politiker. Investoren aus Dänemark, Syrien und der Schweiz haben vor allem in der fruchtbaren rumänischen Provinz Moldau Ackerland gekauft. Auch Investoren aus Österreich sind gekommen. Der Steirer Andreas Bardeau bewirtschaftet in Rumänien 21.000 Hektar Land. Der Agrarinvestor, dessen Familie in der Oststeiermark das Schloss Kronberg besitzt, besuchte 1999 erstmals das rumänische Banat. Zwei Jahre später entschloss er sich, dort großflächig zu investieren. Mittlerweile beschäftigt der Unternehmer mehr als 300 Mitarbeiter. Neben Ackerbau betreibt er auch Viehzucht. Ebenfalls in größerem Rahmen: 3600 Kühe, 15.000 Schafe und 700 Ziegen.

Mittlerweile schränken immer mehr Länder, etwa Ungarn und die Ukraine, den Erwerb von Grund und Boden für Ausländer ein. Beobachter sehen darin aber keine Unterstützung für die vielen Kleinbauern, die in ihrer Existenz bedroht sind. Vielmehr sichern sich Oligarchen das Land, um dieses später gewinnbringend veräußern zu können. Denn die Schar an ausländischen Interessenten wird nicht kleiner. Vor allem der Hunger chinesischer Investoren nach Agrarland scheint unersättlich. So sicherte sich die Tianjin-State-Farms-Agribusiness knapp 10.000 Hektar Land in Bulgarien. Die Ernte wird zur Gänze nach China geliefert. Dafür verpflichten sich die Investoren, ausschließlich einheimische Arbeiter zu beschäftigen.

Sehr begehrt in Bulgarien, Rumänien und Moldawien sind die dortigen Weinbaubetriebe. Weindynastien aus Frankreich und Italien finden dort ideale Bedingungen vor. Vor allem in Moldawien gibt es großartiges, ursprüngliches Rebmaterial. Denn Ende des 19. Jahrhunderts blieb Moldawien als einzige bedeutende Weinbauregion Europas von der Reblaus verschont.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)

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3 Kommentare
Gast: RWD Agro
18.08.2012 21:38
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Der Nationalismus sitzt in vielen Köpfen tiefer als man denkt

Ich investiere in Rumänien. Rumänische Menschen arbeiten in meinem Betrieb und ich verkaufe Produkte auch dort. Das Land habe ich nicht nach Österreich mitgenommen.
Wenn ein New Yorker in Kalifornien ein Weingut kauft ist da ok. Russen kaufen in Österreich, Österreicher kaufen in Deutschland, wir leben doch nicht mehr im 19. oder 20. Jahrhundert! Ist der Tscheche in der Slowakei jetzt Ausländer? Der inherende Nationalismus in diesem Artikel ist grauslich.

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Agrar

Was wenige wissen: Auf Grund der CEFTA Abkommen, könnten etliche Balkan Staaten in die EU Gemüse, oder Früchte exportieren. Die erzielten Preise sind so gering vor Ort, das normal das lukrativ wird. Statt dessen investiert die Italienische Mafia sogar in Albanien Agrar Handels Firmen, was wohl Alles sagt. Warum Rumänien bei hoher Arbeitslosigkeit, trotz EU Förderungen nicht den Boden bebauen, ist auch auf Inkompetenz von Mafiösen Politik Kreisen zu verantworten. Die Chinesen sind der grosse Gewinner auf dem Balkan, in allen Ländern und weil die EU und USA, sich auch nur als Korruptions Motor zelebrierten und Nichts den Ländern brachte.

Antworten Gast: Die Gefahren von Klischees
18.08.2012 22:14
1 0

Re: Agrar

Italiener = Maifa
Rumänien = Arbeitslosigkeit und Inkompetenz, Mafiöse Politik....

Wahr ist:
Die Arbeitslosigkeit in Rumänien ist weit unter dem EU Durchschnitt.
Die Korruption in Österreich ist weit über dem EU Druchschnitt.
Nicht jeder Italiener ist Mafiosi.

Honni soit qui mal y pense

Hobbyökonom